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Protest gegen AKW-Müll

Großenaspe Protest gegen AKW-Müll

In der Gemeinde formiert sich Protest gegen die Pläne des Umweltministers Robert Habeck (Grüne), Bauschutt aus Kernkraftwerken auf der Großenasper Deponie abzulagern. Die CDU-Fraktion verweist nun auf die Nähe des Wasserwerkes und meint, dass der Müll besser zentral deponiert werden sollte.

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In Großenaspe wird auch jetzt noch großflächig Kies abgebaut. Dieser Bereich ist noch nicht als Deponie deklariert.

Quelle: Einar Behn

Großenaspe. CDU-Fraktionsvorsitzender in der Gemeindevertretung Eggert Stölting ist sich der nicht ganz einfachen Argumentationslage durchaus bewusst. „Jeder will auf der Autobahn fahren, aber keiner will sie vor der Tür haben“, sagt der Kommunalpolitiker. So verhalte es sich nun auch mit dem Müll aus Atomkraftwerken. Die Deponie in Großenaspe sei aber nicht geeignet, meint Stölting und war sich bei einem Ortstermin vor dem Deponie-Gelände einig mit seinen Fraktionskollegen Stefan Mehrens und Ronald Krüger. Nur wenige hundert Meter von der Deponie entfernt liegt das Wasserwerk, das die 2700-Einwohner-Gemeinde versorgt.

 „Es war ohnehin ein Fehler, dass die Deponie immer weiter ausgebaut wurde“, meint Krüger. In dem einstigen Kiesabbaugebiet der Neumünsteraner Firma Ernst Krebs dürfen beispielsweise asbesthaltiger Bauschutt und belastete Mineralwolle abgekippt werden. Die von der Großenasper Entsorgungsgesellschaft (GEG) – sie gehört zur Ernst-Krebs-Gruppe – betriebene Deponie hat die Einstufung „Klasse 1“. Das bedeutet, dass eine dicke Lehmschicht das Eindringen von Schadstoffen ins Grundwasser verhindern soll. Die Großenasper Christdemokraten wollen daran aber nicht so recht glauben. Wenn doch etwas durchsickere, wäre die gesamte Wasserversorgung des Ortes radioaktiv verseucht, meinen sie. „Da es um riesige Mengen von belastetem Bauschutt geht, soll das Ministerium überlegen, ihn nicht auf sieben Deponien im Land zu verteilen, sondern dafür eine neue Deponie anzulegen“, sagte Stölting.

 Das Kieler Umweltministerium steht vor dem Problem, Deponieflächen für rund 35000 Tonnen sehr schwach radioaktiv belasteten Bauschutt zu genehmigen, den Vattenfall beim geplanten Abriss der Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel entsorgen muss. Der Abriss ist bereits beantragt, aber das Genehmigungsverfahren läuft noch. Dabei handelt es sich um nicht wiederverwertbare Materialien, die beispielsweise Asbest oder andere Schadstoffe enthalten.

 Ministeriumssprecherin Nicola Kabel betonte, dass kein stark strahlendes Material dort abgelagert werden soll. „Sämtliche Stoffe, die das Atomkraftwerksgelände verlassen, werden gemessen. Nur wenn die Radioaktivität unter 10 Mikrosievert liegt, darf das Material auf eine Deponie. Das ist weit weniger als die natürliche Strahlenbelastung.“ Sie liegt durchschnittlich bei 2,1 Millisievert. Alles was stärker belastet sei, komme in gelben Atomfässern ins Atomlager Schacht Konrad, die Brennstäbe verblieben in Castoren vorerst auf den Werksgeländen, so Kabel.

 Habeck hat sieben Deponien im Land ausfindig gemacht, die für die Aufnahme des Bauschutts geeignet sind, zwei davon im Kreis Segeberg: neben Großenaspe auch Damsdorf/Tensfeld.

 In Großenaspe haben sich die anderen Parteien bisher bedeckt gehalten. Stölting, Krüger und Mehrens wollen aber den Schulterschluss mit SPD, FDP und der Wählergemeinschaft BfB suchen. Am Mittwoch, 8. Juni, steht das Thema auf der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung (20 Uhr, Timms Gasthof). „Dann werden die anderen sich äußern müssen“, sagte Krüger. „Der Saal wird voll werden an diesem Abend“, ist sich der Ortspolitiker sicher.

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