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Elf Pferde bei Brand gestorben

Reiterhof Wulfsfelde Elf Pferde bei Brand gestorben

Ein Großfeuer auf einem Reiterhof in Wulfsfelde (Kreis Segeberg) in der Nacht zum Dienstag beschäftigte rund 150 Einsatzkräfte. Die Stallungen brannten völlig nieder, einige Tiere verendeten in den Flammen. Die Brandursache und die Höhe des Sachschadens sind bisher unklar.

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Der Reitstall wurde bei dem Feuer vollständig zerstört.

Quelle: Kreisfeuerwehrverband Segeberg

Wulfsfelde-Pronstorf. „Elf Seelen sind verbrannt“, sagt Barbara Wallin erschüttert. Die Pferdezüchterin aus Wulfsfelde steht noch immer unter Schock, denn in der Nacht von Montag auf Dienstag sind auf ihrem Hof Vierlinden, den sie zusammen mit ihrem  Mann Kurt betreibt, elf Pferde bei einem Brand ums Leben gekommen. Vier Pferde, darunter ihre Zuchtstute Granza, deren acht Monate junges Fohlen Miranda, das acht Monate junge Fohlen Rondenja und sieben Pensionspferde von Besitzern aus der näheren und weiteren Umgebung. „Das sind alles Familienmitglieder gewesen, Wesen die einem lieb und teuer waren – die gibt einem keiner wieder“, erklärt Barbara Wallin immer wieder.

Hier finden Sie Fotos vom Brand auf dem Reiterhof Wulfsfelde.

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Sie sieht mitgenommen aus, ebenso wie ihr Mann Kurt und auch Feuerwehrmann Ulrich Schulz. Der Geschendorfer war nicht nur bei den Löscharbeiten der rund 120 Feuerwehrleute  im Einsatz, seine Frau hat dort auch ein Pferd verloren. Einen sieben Jahre alten Pura Raza Espanola. „Die Bilder von den Kadavern bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf“, besätigt er. „Und wenn der Nachbar uns nicht gerettet hättte, dann wäre es noch viel schlimmer gekommen“, da ist sich Barbara Wallin sicher. Denn als das Feuer im Pferdestall  hinter der Reithalle ausbricht, schlafen alle im Hause Wallin. „Alle Tage um Silvester herum haben wir so aufgepasst“, erzählt die Pferdezüchterin, die erst vor vier Jahren aus Spanien nach Wulfsfelde kam. Man habe Sorge gehabt, dass ein Knaller oder eine Rakete in den Stall fliegen könnte. Dort waren nicht nur die Pferde, sondern auch eine Werkstatt und das Futter,  Heu und Stroh untergebracht. Neujahr sei man erst um vier Uhr morgens ins Bett gegangen, aus Sorge um die Tiere. Die letzten Nächte habe man die Pferde zudem mit frischem Wasser versorgen müssen, da alle Leitungen eingefroren waren. „Um 23 Uhr war ich noch einmal im Stall“, erzählt Kurt Wallin. Da habe er noch mal nach dem Rechten geschaut, alles sei normal gewesen. Dann sind die Wallins ins Bett gegangen.

Löscharbeiten durch Frost erschwert

Um etwa halb eins in der Frühe hörte der Nachbar Frank Gutberlet einen Knall. Er lag ebenfals schon im Bett und schaute nach dem lauten Geräusch aus dem Fenster. „Da sah ich überall die Funken sprühen“, erzählt er. Er sei sofort aufgesprungen und rausgerannt. „Ich dachte an meinen Holzofen“, so Gutberlet, der erst seit Oktober in dem Haus neben dem Reiterhof wohnt. Doch dann sah er, dass der Stall in Flammen stand. „Ich bin noch hingerannt und habe geschaut, ob ich noch Pferde retten kann. Aber alles habe schon lichterloh gebrannt. Sofort rannte er rüber zu den Wallins und hämmerte gegen die Haustür. „Ich wurde wach und hörte nur das Klopfen an der Tür“, bestätigt Barbara Wallin. Jemand habe gerufen: „Es brennt, es brennt!“ , gleichzeitig habe sie schon das Blaulicht aus der Ferne ankommen sehen. Andere Nachbarn hatten wohl schon die Feuerwehr alarmiert. Sie sei in zwei Minuten angezogen gewesen und zum Stall gelaufen. Doch die Flammen schlugen ihr schon entgegen. Die Feuerwehr konnte noch zwei  Pferde aus den Flammen retten, für die anderen kam jede Hilfe zu spät. Zur Sicherheit für die überlebenden Tiere rief Wallin den Tierarzt an. Der stellte zum Glück fest, dass keines der geretteten Pferde eine Rauchvergiftung hat, lediglich an zwei Stellen sei bei einem Einstellpferd etwas Fell verbrannt. Noch in der Nacht informierten Barbara und Kurt Wallin die Eigentümer der getöteten Einstellpferde. Manche der Tiere seien schon bis zu 20 Jahre lang im Besitz der Menschen gewesen. „Eine Katastrophe!“. Doch die Wallins wissen auch, dass sie Glück im Unglück hatten. Der aufmerksame Nachbar und das schnelle Eintreffen der Feuerwehr haben verhindert, dass die Flammen auch noch auf die Halle und das Wohngebäude übergreifen konnten. Dabei wurden die Löscharbeiten durch den Frost erschwert. „Die Wasseranschlussstellen waren zum Teil eingefroren““, erzählt Feuerwehrmann Schulz. Während die Feuerwehr mit den Flammen und dem Frost kämpfte, kamen Nachbarn auf den Hof, versorgten die Einsatzkräfte mit warmen Tee und Kaffee und trösteten die Familie Wallin. Auch am Vormittag nach der Katastrophe schauten immer wieder Freunde und Nachbarn auf dem Hof vorbei und boten ihre Hilfe an. Auch die Pronstorfer Bürgermeisterin Bettina Albert sei schon vor Ort gewesen und habe ihr Mitgefühl ausgedrückt. „Dafür sind wir sehr dankbar“, erklären die Wallins. Zwischen Interviews und Trauer machte sich Barbara Wallin zu ihrem neuen Nachbarn auf den Weg. „Vielen herzlichen Dank, dass sie uns alle vor noch Schlimmerem bewahrt haben“, sagte sie zu Frank Gutberlet unter Tränen und umarmte ihn.

Die angebotene Hilfe können die Wallins nun gut gebrauchen. Denn die verbliebenen zehn Pferde auf dem Hof, darunter die zwei prämierten Hengste der Pferdezüchterin, müssen versorgt und gefüttert werden. „Irgendwie funktioniert man zwar“, so Barbara Wallin. Aber Futter und Handwerkszeug seien komplett mitverbrannt.

Die Kriminalpoizei ermitteln nun, wie es zu dem Feuer gekommen ist. Die Brandstelle ist abgesperrt und darf aus Gründen der Spurensicherung nicht betreten werden. Nur die Pferdebesitzer und die Feuerwehr dürfen einen Blick auf ihre Tiere werfen, die dort noch zwischen den Trümmern liegen.

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