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Schul-Name im Zwielicht

Grundschule in Trappenkamp Schul-Name im Zwielicht

Darf eine Schule nach einem ehemaligen SS-Mitglied benannt sein, das nach Kriegsende seine Mitgliedschaft vertuschte? In Trappenkamp stehen zurzeit die Zeichen auf Nein. Eine Sondersitzung der Gemeindevertretung im August ist anberaumt.

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Schon beim Schuljahrsanfang nur noch „Grundschule Trappenkamp“? Die Gemeindevertretung soll schon am 1 1. August über die Streichung des Namens Dr. Gerlich entscheiden.

Quelle: Detlef Dreessen

Trappenkamp. Gefüttert wird die Diskussion durch ein zweites Gutachten. Auf 149 Seiten beleuchtet der Kieler Literaturwissenschaftler Dr. Ulrich Erdmann das politische Wirken des CDU-Politikers Dr. Gerhard Gerlich (1911 -1962) ab dem Jahr 1947. Erdmann hatte bereits Gerlichs Verhalten während der NS-Zeit aufgearbeitet.

 „Ich habe das Gutachten weitgehend durchgelesen“, berichtete Bürgermeister Harald Krille (SPD). Sein Fazit: „Dr. Gerlich hat vielleicht viel für Trappenkamp getan. Trotzdem ist er kein gutes Vorbild für Schüler.“ SPD-Ortsvorsitzender Axel Barkow sieht das genauso. Fehler mache zwar jeder. Aber das Vertuschen der Vergangenheit sei nicht zu tolerieren. Das sei kein gutes Vorbild. „Wenn Gerlich nach dem Krieg dazu gestanden hätte, was er falsch gemacht hat, wäre das etwas anderes.“ Stattdessen habe der Sudetendeutsche wie schon vor dem Krieg die Wahrheit seiner Karriere untergeordnet. Inwieweit die machtpolitischen Mittel des stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden Gerlich unsauber waren, bleibt auch nach dem Lesen des Erdmann-Buches nicht klar zu erkennen. Vieles bleibt im Vagen, etwa die Rolle Gerlichs 1956, als die Wahl eines SPD-Bürgermeisters in Trappenkamp durch CDU, FDP und Vertriebene verhindert wurde.

 Da Gerlich vor allem im Hintergrund agiert habe, sei nicht wirklich klar, welchen Anteil an der Entwicklung der Gemeinde er tatsächlich hatte, so Erdmann, der unter anderem Zeitungsberichte der Zeit und Sitzungsprotokolle ausgewertet hat. Einblicke ins Archiv des Sudetendeutschen Kulturwerks (SKW) seien ihm verwehrt worden.

 Krille betonte, dass es nicht darum gehe, über Entscheidungen der Vergangenheit zu richten. „Es geht um die Zukunft der Schule.“ Und da sei absehbar, dass es Konflikte gebe, wenn Schüler sich im Unterricht mit den Gräueltaten der Nazis beschäftigen und am Eingang der Grundschule der Name eines ehemaligen SS-Mitgliedes prangt.

 Die Entscheidung über eine Umbenennung hat nun die Gemeindevertretung zu treffen, nachdem die Schulkonferenz der Dr.-Gerlich-Schule bereits im vergangenen Jahr beschlossen hatte, den Namen zu streichen. Bis zur Sitzung am 11. August sollen die Kommunalpolitiker das inzwischen zweiteilige Werk von Erdmann durchlesen, sich ihr eigenes Urteil bilden und dann abstimmen. Krille plädiert dabei für eine offene Abstimmung. Die Schule sollte schon zum Beginn des neuen Schuljahres schlicht „Grundschule Trappenkamp“ heißen, findet Krille. „Wir brauchen jetzt keine lange Namensdiskussion.“

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