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Krimi um Möbelhaus-Chef

Gunnar George Krimi um Möbelhaus-Chef

Die Bombe platzte am 21. Januar 2015: Möbel Kraft hatte seinen Vorstandsvorsitzenden Gunnar George gefeuert. Ein Jahr später hat sich die Sache bei der Staatsanwaltschaft Kiel zu einem Ermittlungsverfahren im Bereich Wirtschaftskriminalität entwickelt.

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Gunnar George (hier beim Bürgerentscheid in Kiel zum geplanten Möbelhaus) wurde vor einem Jahr als Möbel-Kraft-Chef entlassen. Die Gründe: undurchsichtig. Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel wegen Untreue gegen den 46-Jährigen.

Quelle: Frank Peter

Bad Segeberg. Der Vorwurf: Untreue. George ist unterdessen zum Chef eines internationalen Möbelkonzerns aufgestiegen. Aus der Firma Kraft, die Anfang 2004 haarscharf an der Insolvenz vorbeigeschrammt war, hatte der Berliner Betriebswirt wieder einen der erfolgreichsten deutschen Möbelhändler geformt. Georges Rauswurf kam aus heiterem Himmel – auch für die 2000 Mitarbeiter an den sieben Kraft-Standorten. Der Mann, der sich auch durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie Public Viewing, Oktoberfest und Eislaufbahn zum Gesicht der Marke Kraft gemacht hatte, war nicht mehr da.

 Konzernchef Kurt Krieger zeigte sich tief betroffen. „Ich habe den Herrn Dr. George wie meinen Sohn gefördert“, sagte er. „Aber es gibt gewisse preußische Tugenden, die man einhalten muss. Das gilt vom Abteilungsleiter bis hin zum Vorstandsvorsitzenden.“ Gemeint war offenbar: Ehrlichkeit. Der Unternehmer sah eine Menge Gründe, den Manager vor die Tür zu setzen – und diese Gründe liegen jetzt auf dem Schreibtisch von Staatsanwalt Henning Hadeler in Kiel. „Wir haben vom Anzeigenden überdurchschnittlich viele Unterlagen erhalten.“ Krieger ist der Überzeugung, dass sich sein früherer Schützling der Untreue schuldig gemacht hat und versorgte die Strafverfolgungsbehörde mit Unmengen an schriftlicher Munition.

 Ob George sich wirklich etwas zu Schulden hat kommen lassen, muss die Staatsanwaltschaft aber erst noch herausfinden – ein aufwändiges Puzzle, an dem laut Hadeler unter anderem ein Experte für Wirtschaftskriminalität und ein Buchhaltungsspezialist beteiligt sind. „Das gestaltet sich komplex. Wir haben das Wesentliche aber schon zusammengetragen.“ Der Anfangsverdacht hatte sich zumindest so weit erhärten lassen, dass diese zeitraubende Prozedur gerechtfertigt ist. Noch ist nach Auskunft der Behörde „vollkommen ergebnisoffen“, ob der „Anfangsverdacht“ zu einem „hinreichenden Tatverdacht“ wird und somit Anklage erhoben wird. Im Fokus stehen George und zwei weitere leitende Mitarbeiter, die zeitgleich mit dem Chef entlassen wurden. „Es wird noch gegen alle drei ermittelt“, sagt Hadeler. Oft sei es aber so, dass nicht alles, was der Anzeigende für verwerflich hält, am Ende auch strafrechtlich relevant ist.

 Bei Möbel Kraft hat sich Georges Ausscheiden offenbar nicht bemerkbar gemacht. Fast alle Aufgaben hat Kraft-Vorstandsmitglied Günter Loose übernommen. Der dreiköpfige Vorstand, zu dem auch Reinhard Kraft gehört, wurde durch Projektmanagerin Edda Metz komplettiert. Sie ist für Krieger im Bereich Expansion tätig und kümmert sich auch um das geplante Kraft-Möbelhaus in Kiel. Ins Tagesgeschäft mischt sie sich nicht ein.

 Gunnar George hat trotz des unrühmlichen Abgangs schnell wieder Tritt im Möbelhandel gefasst. Nur sechs Wochen nach seinem Ausscheiden in Bad Segeberg wurde er Geschäftsführer der Kika-Leiner-Gruppe mit über 7700 Mitarbeitern. Allein in Österreich betreibt die Firma 50 Möbelhäuser. Hinzu kommen Filialen in Tschechien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Slowakei und Saudi-Arabien.

 Bei Kika-Leiner möchte man Georges mögliche Verfehlungen nicht kommentieren, wie Firmensprecher Andreas Höglinger sagte. Man habe den erfahrenen Möbel-Manager aus Deutschland geholt, um die Marke voranzubringen. „Um den Erfolg weiter fortzusetzen, entschied man sich für eine neue Führungsspitze, die das Unternehmen weiterhin erfolgreich in die Zukunft leiten soll.“

 Wie sich der Konzern verhält, falls George tatsächlich vor Gericht landet, steht in den Sternen. Staatsanwalt Hadeler geht davon aus, dass noch einige Monate ins Land gehen, bevor über eine Anklage entschieden werden kann. Nur in einem Punkt ist er sich jetzt schon sicher: „Es wird nicht nochmal ein Jahr dauern.“

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