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Kleinod in Bramstedts Geschichte

Gut Gayen Kleinod in Bramstedts Geschichte

Auffällig ist der imposante Kuhstall mit seinem Glockenturm: Das Gut Gayen, im Norden Bad Bramstedts gelegen, besteht 125 Jahre. Heute gehört es Sibylle (50) und Konrad (64) Butschek, die dieses Kleinod der Bramstedter Geschichte liebevoll pflegen. 1891 wurden die ersten Gebäude gebaut.

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Der Turm ragt über die Maisfelder. Das Gut Gayen liegt abgelegen von der Stadt in idyllischer Landschaft.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die Geschichte geht zurück ins 16. Jahrhundert, als die Gemarkung Gayen zum Besitz des Klosters Reinfeld gehörte. Später, nach Auflösung des Klosters, fiel es in Staatshand. Im 17. Jahrhundert schenkte es der dänische König Christian IV. samt dem Bramstedter Gut seiner Geliebten Wiebke Kruse. Weil das Land aber staatlich war, konnte er es ihr nur als Lehen zur Verfügung stellen. Das heißt, es blieb unverkäuflich. Häuser standen damals nicht auf den Flächen, es handelte sich nur um Wald und Äcker. „Erst als die Dänen 1864 aus Holstein vertrieben waren, wurde es Privateigentum“, weiß Konrad Butschek. Wenige Jahre später erlebte es seine erste Blütezeit. Die Bramstedter Müllerfamilie Paustian war zu Geld und Ansehen gekommen, weil damals Mühlenzwang herrschte. Die Bauern mussten ihr Getreide zu einer vorgeschriebenen Mühle bringen, die damit ein lukratives Monopol hatte. Otto Paustian kaufte den Besitz, der bis dahin von anderen Höfen aus bewirtschaftet wurde. 1891 baute Paustian die Gebäude, von denen die meisten heute noch stehen.

 Ein richtiges Gut war Gayen nie, denn dafür fehlte den Eigentümern der Adelstitel. Aber optisch machte es zumindest den Eindruck, weshalb die Bramstedter es dann auch schon bald nach dem Bau der Häuser Gut Gayen nannten. Dieser Charakter wurde noch unterstrichen, als dem nächsten Eigentümer, einem Bergwerksbesitzer aus Recklinghausen, das Wohnhaus nicht mehr standesgemäß erschien und er 1906 ein imposantes weißes Herrenhaus baute, das etwas zurück auf einem Hügel liegt. Doch auch der Recklinghausener blieb nicht lange. Die Besitzer wechselten damals in rascher Folge. „Gut Gayen war zu einem Spekulationsobjekt geworden“, weiß Konrad Butschek. Das änderte sich erst, als der Urgroßvater seiner Frau, Rudolph Kuhrt, das Gut Gayen 1928 mit seinen 130 Hektar Land kaufte.

 Der Besitz war inzwischen zu einer kleinen Siedlung angewachsen. Als 1916 die AKN von Bad Bramstedt bis Neumünster verlängert wurde, bekam das Gut sogar eine eigene Haltestelle, die 1979 wieder geschlossen wurde. Nach Rudolph Kuhrt kam sein Sohn mit gleichem Namen, dann Ernst-Heinrich Kuhrt. Der 2013 verstorbene Vater von Sibylle Butschek hatte die Landwirtschaft in den 1970er Jahren aufgegeben. Er wollte lieber Lehrer werden und begann ein Studium. „Wenn mich meine Klassenkameraden damals fragten, was mein Vater von Beruf ist, sagte ich immer: Student“, erzählt Sibylle Butschek, was nicht so richtig zu dem idyllisch gelegenen Gut passte, auf dem sie ihre Kindheit verbrachte.

 Dann zog die Familie weg. Vater Kuhrt wurde Lehrer und später Rektor einer Realschule in Heiligenhafen. Gut Gayen wurde an die Familie Verges verpachtet. Erst in den 1990er Jahren, als Ernst-Heinrich Kuhrt in Pension gegangen war, kehrten er und seine Frau zurück nach Gayen. „Meine Eltern sind damals noch einmal richtig durchgestartet“, erinnert sich Sibylle Butschek. Die sechs Wohngebäude auf dem Areal wurden modernisiert und vermietet. In das große Kuhstallgebäude wurde an der Nordseite eine Wohnung über drei Stockwerke integriert. Und der Familie Kuhrt/Butschek gelang es, das alte Herrenhaus zurück zu kaufen.

 Das war nämlich schon in den 1920er Jahren während der Wirtschaftskrise veräußert worden und hatte in der Zwischenzeit allen möglichen Zwecken gedient. Das auf Fuhlendorfer Gemeindegebiet gelegene Gebäude wurde als Altenheim genutzt, Mitte der 1980er Jahren pachtete es der Kreis Segeberg und baute es zu einer Asylbewerberunterkunft aus, die Anfang der 1990er Jahre wieder aufgegeben wurde. Auch eine Hundeschule war dort schon untergebracht.

 In das Haus zogen Sibylle und Konrad Butschek mit ihren beiden, inzwischen erwachsenen Töchtern ein. „Wir haben die Gebäudeteile, die für das Altenheim gebaut worden waren, wieder abgerissen und das Hauptgebäude gründlich saniert“, berichtet Konrad Butschek, der auch einen Bauernhof im polnischen Westpreußen betreibt. Die ausgedehnten Ländereien des Gutes Gayen sind verpachtet, unter anderem an den Fuhlendorfer Erdbeerhof Kaack. 18 Hektar sind zudem Vertragsnaturschutzland, das weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Nur eine Herde Kühe mit Kälbern grast hier, die einem Heidmoorer Landwirt gehört. Butschek warnt vor dem Betreten des eingezäunten Landes: „Da sind manchmal auch Bullen drauf.“

 Wie schon ihren Eltern ist es den Butscheks ein großes Anliegen, das Gut zu pflegen, zu erhalten und wo nötig auch modernen Anforderungen anzupassen. Vater Ernst-Heinrich Kuhrt hatte 1997 den Glockenturm auf dem Kuhstall sanieren lassen. „Einmal in der Woche musste jemand hinaufklettern und die Uhr aufziehen“, erzählt Sibylle Butschek. Zwei Glocken hängen im Turm, eine schlägt jeweils zur Viertelstunde ein-, zwei-, drei- oder viermal, die andere die Uhrzeit zur vollen Stunde. „Durch die Glocken wussten die Feldarbeiter immer, wie spät es ist“, erklärt Sibylle Butschek die ursprüngliche Bedeutung. Heute wird die Uhr elektronisch gesteuert, bekommt ihre Impulse von der Atomuhr in Braunschweig und nachts schweigen die Glocken. „Die Mieter konnten nicht schlafen“, erzählt die Gutsbesitzerin. Es ist übrigens das gleiche Uhrwerk, das auch in der Maria-Magdalenen-Kirche steht. Dort ist es allerdings außer Funktion.

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