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Es war ein unruhiges Jahr

Hartenholm Es war ein unruhiges Jahr

„Vor den Augen der Welt hat es nie ein freundlicheres, offeneres und hilfsbereiteres Deutschland gegeben als 2015“, betonte Bürgermeister Hans-Burkhard Fallmeier (CDU) beim Neujahrsempfang. Das vergangene Jahr nannte er unruhig – mit vielen Herausforderungen.

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Der Syrer Ahmad Zaitonneh (vorn), der in der Volkshochschule Deutschunterricht erhält, dankte im Namen seiner Mitbewohner für die vielfältige Unterstützung in Hartenholm.

Quelle: Birgit Panten

Hartenholm. Die 30 Asylbewerber, die im Robinienhof und in einer gemieteten Wohnung im Ort leben, standen im Mittelpunkt des Empfanges. Der junge Syrer Ahmad Zaitonneh dankte der Dorfgemeinschaft für die freundliche Aufnahme und lobte den Einsatz der Helfer. Er machte deutlich, dass der Verdacht, dass Bewohner des Robinienhofes an einem Überfall auf einen jungen Mann in Hartenholm beteiligt gewesen seien, ihn und seine Mitbewohner treffe. Sie würden darauf hoffen, dass sich die Tat bald aufkläre.

 Den Flüchtlingen seien in Hartenholm nicht nur die Helfer mit Freundlichkeit, Geduld, Vertrauen und Fürsorge begegnet, sondern auch die meisten der Bürger, sagte der Bürgermeister. Er forderte, die gesellschaftlichen Werte Deutschlands immer wieder aufs Neue zu schützen. „Frauen müssen sich überall in unserem Land sicher fühlen“, hob Fallmeier mit Blick auf jüngste Vorfälle in deutschen Großstädten hervor.

 Für die rund 30 Flüchtlingshelfer unter der Federführung des stellvertretenden Bürgermeisters Karl-Heinz Panten gab es eine ganz neue Auszeichnung: Sie erhielten einen Hartenholm-Pin mit dem Wappen der Gemeinde. Dazu gab es 500 Euro in ihre Spendenkasse. Viermal in der Woche gibt es Deutschunterricht, Einkaufsfahrten werden organisiert, Touren zu den Ämtern begleitet, Kochkurse angeboten, Spieleabende ausgerichtet und Konfliktpotenzial abgebaut. Auch nach der Anerkennung als Flüchtling stehen die Helfer den Ausländern zur Seite, bei der Begleitung zum Jobcenter, der Vermittlung von Praktikumsplätzen, der Wohnungssuche oder beim Möbeltransport.

 Die Unterkunft Robinienhof wird vom Amt Kaltenkirchen-Land betrieben. Dessen stellvertretender Amtsvorsteher, Alveslohes Bürgermeister Peter Kroll, nannte die Zahl von 107 Asylsuchenden, die in 2015 in den Amtsbereich mit seinen sechs Dörfern gekommen sind. In diesem Jahr wird mit rund 150 Flüchtlingen gerechnet. „Wir haben schon eine Willkommens- und eine Betroffenheitskultur, nun hoffe ich auf eine Integrationskultur“, sagte Kroll.

 Mit dem Ehrenschild der Gemeinde wurde der fast 90-jährige Gerhard Mohrmann ausgezeichnet. Der 1933 mit seinen Eltern nach Hartenholm gezogene Mohrmann ist einer der wenigen Zeitzeugen aus den Jahren vor und während des zweiten Weltkrieges, den er schwer verletzt überlebte. In der Installationsfirma seines Vaters arbeitete Mohrmann zusammen mit seinen beiden Brüdern. 1946 gehörte er zu den Neugründern des Turn- und Spielvereins von 1913 und war von da an 30 Jahre im Vorstand als Kassenwart oder Schriftführer. Als Jugendlicher war Gerhard Mohrmann ein Spitzenleichtathlet. Nach dem Krieg war Leistungssport nicht mehr möglich. So wurde er der erste lizensierte Schiedsrichter des Vereins. 1954 trat der Kriegsversehrte der Ortsgruppe des damaligen Reichsbundes (heute Sozialverband) bei und wurde schnell zu einem kundigen Berater für Hilfesuchende. Ab 1971 war er stellvertretender Vorsitzender, von 1978 bis 2002 leitete er die Gruppe. Auch auf Kreis- und Landesebene war Mohrmann tätig. Bürgermeister Hans-Burkhard Fallmeier wünschte dem Senior, dass er weiterhin so regen Anteil an dem Geschehen im Ort nehmen kann wie bisher.

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