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Langer Weg zum Feuerwehrauto

Hartenholm Langer Weg zum Feuerwehrauto

Eine Neuanschaffung des fast 30 Jahre alten Fahrzeugs LF 8 der Freiwilligen Feuerwehr ist seit Jahren geplant, doch der bürokratische Aufwand ist – gerade nach einigen Problemen in ähnlichen Fällen bei anderen Segeberger Feuerwehren – erheblich. Jetzt wird sogar ein Beratungsbüro eingeschaltet.

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Hartenholms Wehrführer Maxim Wolff (rechts) und Gerätewart Ivo Brandt mit dem fast 30 Jahre alten Fahrzeug LF 8. Unter anderem fehlen Sicherheitsgurte für die Besatzung.

Quelle: Birgit Panten

Hartenholm. „Wenn es um die Sicherheit im Einsatz geht, sind wir keine Oldtimer-Fans.“ Gerätewart Ivo Brandt sieht es pragmatisch, wenn es um das Löschgruppenfahrzeug geht. Regelmäßig arbeitet Brandt an dem Fahrzeug. Er ist stolz darauf, dass nirgendwo Rost zu sehen ist. „Bei Einsätzen können wir aber nicht mehr alle Anforderungen abdecken“, gibt er zu. Der Motor mit gerade einmal 80 PS und die Wasserpumpe an Bord sind nicht leistungsstark genug, das Fahrzeug hat keine Servolenkung und keine Sicherheitsgurte. Vor fast drei Jahren hat die Feuerwehr unter Leitung von Maxim Wolff deshalb schon der Gemeinde als Dienstherr signalisiert: „Wir brauchen einen neuen Wagen.“

 Eine achtköpfige Gruppe der Wehr hat dafür ganze Arbeit geleistet. Das ganze Bundesland wurde abgefahren, um sich Fahrzeuge anzusehen, die Hannover Messe wurde besucht, Vertreter von Fachfirmen kamen nach Hartenholm. Herausgekommen ist ein ganz konkreter Bedarfsplan für ein Tanklöschfahrzeug LF 20, das 2000 Liter Wasser an Bord hat.

 Dann kam die Bürokratie ins Spiel. Als Bürgermeister Hans-Burkhard Fallmeier (CDU) während der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung darüber berichtete, erntete er bei den Zuhörern im Gasthaus Zur Linde ungläubiges Staunen. Wie er schilderte, fordert der Kreis Segeberg von einigen Wehren Zuschüsse zurück, da es bei der Ausschreibung Fehler gegeben habe. „Selbst kleine Beanstandungen führten dazu, dass die kompletten Fördergelder zurückverlangt werden“, sagte Fallmeier. Einige Gemeinden reichten deshalb Klagen gegen den Kreis ein.

 „Das Ganze scheint ein Segeberger Phänomen zu sein“, betonte der Bürgermeister. Im Land gebe es nur wenige vergleichbare Fälle. Der Landesfeuerwehrverband hat zu dem Thema eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich gerade neu zusammensetzt. Kreiswehrführer Holger Gebauer hofft darauf, dass er in das Gremium berufen wird.

 Weil Hartenholm wegen zusätzlicher Brandschutzaufgaben im Segeberger Forst bei einem Fahrzeugpreis von knapp 300000 Euro mit 99000 Euro Zuschüssen rechnen kann, will die Gemeinde Fehler bei der europaweiten Ausschreibung auf jeden Fall vermeiden. Deshalb wurde ein Beratungsbüro damit beauftragt. Mit Vertretern der Firma hat sich die Arbeitsgruppe der Feuerwehr schon mehrmals getroffen. Dabei ging es um Detailfragen wie die Traglast der Trittbretter (gefordert sind mindestens 400 Kilogramm) oder die Erreichbarkeit einer Fachwerkstatt. Obwohl die Feuerwehr ein Unternehmen im Umkreis von 30 Minuten Fahrzeit für notwendig ansieht, dürfe das in der Ausschreibung so nicht formuliert werden, erläutert Gerätewart Brandt. EU-weit würde das beispielsweise eine italienische Firma benachteiligen, die einen 24-Stunden-Service anbietet, sagt er kopfschüttelnd. Es gebe deshalb schon Gemeinden, die gar kein neues Löschfahrzeug haben möchten, sondern ein gebrauchtes nehmen, um sich Arbeit und Nerven für eine Ausschreibung zu sparen.

 So wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis das LF 8 in Rente geschickt werden kann. „Vielleicht geht es dann ja an einen Oldie-Liebhaber“, hoffen Wehrführer Wolff und Gerätewart Brandt.

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