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Bäche ziehen wieder ihre Schleifen

Hasenkrug Bäche ziehen wieder ihre Schleifen

Die Sünden der Vergangenheit an den Flussläufen zu regulieren, ist ein aufwendiges und zeitraubendes Verfahren. In Hasenkrug wird zurzeit die Wiemersdorfer Au in ein künstlich angelegtes, aber der Natur nachempfundenes Bett geleitet. Die Hardebeker Au und die Fuhlenbek in Fuhlendorf sollen bis 2018 folgen.

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Die Wiemersdorfer Au teilt sich an dieser Stelle. In der Kurve rechts soll sich Sand ablagen, der von Zeit zu Zeit ausgebaggert wird. Der schmale Arm links dient vor allem Kleingetier, das flussaufwärts schwimmt. Hier ist die Strömung deutlich geringer.

Quelle: Einar Behn

Hasenkrug. Federführend bei der „naturnahen Umgestaltung“, wie das Vorhaben offiziell heißt, ist der Gewässerpflegeverband Großenaspe-Wiemersdorf. Wie alle Gewässerverbände hat er den Auftrag der EU, Fließgewässer ökologisch aufzuwerten und sie möglichst wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Das schreibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor. Nur noch wenige Auen in Schleswig-Holstein haben ihren alten schlängelnden Verlauf. Seit den 1950er Jahren wurden fast alle begradigt: Die Auen dienten vor allem als „Vorfluter“, sie sollten möglichst schnell das Wasser von Äckern und Straßen ableiten und wenig Platz in Anspruch nehmen. Dafür wurden sie in ein schnurgerades Flussbett gezwängt. Etliches Getier verlor seinen Lebensraum.

 Verbandsvorsteher Gerard Geuer aus Neumünster sah den Hasenkruger Abschnitt der Wiemersdorfer Au als besonders geeignet für eine „naturnahe Gestaltung“ an, von der der gesamte Flussverlauf einschließlich seiner Verzweigungen im Quellgebiet bei Großenaspe ökologisch profitiert. Die Wiese zwischen Hasenkrug und Brokstedt, auf der seit gut einer Woche die Bagger graben, ist sogenanntes Stiftungsland. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein konnte es vor Jahren aufkaufen, weil die feuchte Wiese für die Landwirtschaft schlecht nutzbar war. „Dadurch mussten wir keine Uferstreifen ankaufen, denn dann wird es immer kompliziert“, erklärt Geuer.

 Die Landwirte verkaufen nämlich nur ungern ihre Äcker an den Auen, weil sie ihre Existenzgrundlage sind. Auf dem Stiftungsland jedoch ist genügend Platz für ein schlängelndes Flussbett. Aber die Bagger legen den Fluss nicht nur in Kurven, auch Sandbänke werden angehäuft und ein aufwendiger Sandfang. Er entsteht direkt am westlichen Ortseingang von Hasenkrug. Hier wurde die Au in eine besonders scharfe Biegung gelegt. Am kurvenäußeren Ufer soll der Sand angeschwemmt werden. „Das ist wichtig, damit das Geröllbett der Au nicht versandet“, erläutert Geuer. Es dient dem Schutz der Kleintiere und den Fischen zum Laichen. Von Zeit zu Zeit wird der Sand mit einem Bagger entfernt. Abgekürzt wird die Bachschleife durch einen zweiten künstlich angelegten Arm, in dem die Fließgeschwindigkeit deutlich herabgesetzt wird. Hier im ruhigeren Wasser können kleine Lebewesen, wie Krebse, besser gegen die Strömung flussaufwärts schwimmen. „Sie sind enorm wichtig für die Gewässerökologie, wichtiger noch als die Fische“, weiß der Geschäftsführer des Verbandes Wolfgang Möbius. Er ist zugleich Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbandes Mittleres Störgebiet in Brokstedt, der mehrere Gemeinden im Amt Bad Bramstedt-Land mit Trinkwasser versorgt. Neben den Kleintieren ist das Neunauge ein wichtiges Indiz für die ökologische Qualität eines Gewässers. „Wenn wir es hier entdecken, hat sich der Umbau gelohnt“, sagt Möbius.

 Die naturnahe Gestaltung der Wiemersdorfer Au erstreckt sich über eine Länge von 1,7 Kilometer, von Hasenkrug bis zur Mündung in die Brokstedter Au, die dann weiter in die Stör fließt. Kosten: 400000 Euro.

 Als zweiter Bauabschnitt soll in der kommenden Woche die Hardebeker Au auf einer Länge von 700 Meter umgestaltet werden. Sie fließt ein Stück nördlich der Wiemersdorfer Au und mündet ebenfalls in die Brokstedter Au. Später folgt noch die Fuhlenbek, wo allerdings nicht viel zu machen ist. Sie ist abschnittweise noch in ihrem ursprünglichen schlängelnden Bett. Wo an den Ufern landwirtschaftliche Flächen liegen, soll sie durch ein paar künstliche Sandbänke gebremst werden.

 „Bis 2018 wollen wir mit allem fertig sein“, erklärte Ingenieur Gerd Soll aus Rendsburg, der die Pläne verfasst hat und die Bauarbeiten leitet. 1,3 Millionen Euro werden dann in die Umgestaltungen geflossen sein. Das Geld stellt die EU bereit, die Landesregierung prüft die Pläne auf ihre Förderungswürdigkeit und gibt die Mittel frei.

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