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Für viele ist es ein Kulturschock

Bad Bramstedt Für viele ist es ein Kulturschock

In 55 Wohnungen leben Asylsuchende derzeit in Bad Bramstedt. 11 kommen demnächst noch dazu. Norman Behmer ist der Mann, der sich um alle diese Unterkünfte kümmert - und damit auch um die Flüchtlinge. Behmer macht hauptsächlich gute Erfahrungen mit ihnen.

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Hausmeister Norman Behmer (38) wird demnächst 11 neue Unterkünfte für die Flüchtlinge in der Kieler Straße einrichten.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Der Hausmeister ist seit Januar dieses Jahres bei der Stadt angestellt. Eigentlich ist er für die Schulen verantwortlich, seit April hat sich sein Arbeitsfeld um die Flüchtlingswohnungen erweitert. Vier Stunden täglich verbringt der 38-Jährige damit.

 Zu seinen Aufgaben zählt neben Reparaturarbeiten auch die Einrichtung der Wohnungen. Betten, Kühlschrank, Herd, Geschirr, Putzmittel, ein kleiner Schrank, Sitzmöbel - all das steht den Asylsuchenden zu. „Wir haben Glück, dass wir sehr viele Spenden bekommen haben. In letzter Zeit mussten wir nur Betten dazukaufen“, erzählt Behmer. „Das Klinikum Bad Bramstedt hat gerade jede Menge Möbel aus einem leerstehenden Flügel gespendet: Tische, Stühle, Kommoden, Mülleimer. Da hat die Stadt gutes Geld gespart.“ Neben Wohnungen in der Kieler Straße gibt es noch rund 20 Unterkünfte in der Stadt verteilt, darunter auch Einfamilienhäuser, die von Privatleuten zur Verfügung gestellt wurden. Bis zu zehn Menschen werden in so einem Haus untergebracht - „je nachdem, wie viele Badezimmer vorhanden sind, denn da gibt es Richtlinien“, wie Behmer erläutert.

 Sofern es seine Zeit zulässt, macht Norman Behmer auch Kontrollbesuche in den Wohnunterkünften. „Das ist wichtig, vor allem jetzt, wo es kalt draußen ist. Die meisten Asylbewerber kommen nicht mit dem Heizen und Lüften klar.“ Das zu erklären, ist Behmers Aufgabe. Und damit nicht genug: „Mülltrennung ist ein wichtiges Thema und für die Bewohner oft zu kompliziert. Die kennen das nicht.“ Freundlich, aber bestimmt weist er sie darauf hin, dass Zeitungen in die blaue und Bioabfälle in die braune Tonne kommen. Manch jungem alleinstehenden Mann müsse er auch erklären, wie man eine Spülbürste benutzt. „Ich glaube, dass es für die Flüchtlinge, die hier in Deutschland ankommen, ein kleiner Kulturschock ist.“

 „Sie sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Die meisten wollen unbedingt arbeiten, dürfen es aber noch nicht“, erzählt er. Dafür helfen die Männer Behmer beim Möbeltragen oder auch beim Dolmetschen, wenn neue Asylsuchende ankommen. „Ich staune immer, wie schnell sie Deutsch lernen“, sagt der Hausmeister. Auch die Gastfreundschaft der Bewohner hat Behmer schon kennengelernt. Ein paar junge Iraker haben ihn zum Essen eingeladen, ein Nein wollten sie nicht akzeptieren. „Dann gab es Tee, aber ich mag keine Heißgetränke. Als ich ihnen sagte, dass ich nur Cola trinke, hatten sie vom nächsten Tag an immer Cola für mich da.“

 Die Zeit mit den Flüchtlingen möchte er nicht missen. „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so viele Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen?“ Die Ängste und Vorurteile einiger Mitmenschen kann er nicht teilen: „Unruhe, Diebstahl oder mutwillige Zerstörung, das gab es hier bisher nicht“, sagt er. Doch die Hausmeistertätigkeit für die Schulen und die Asylunterkünfte sind mittlerweile zu viel für nur einen Mann. „Etwa zwei Wohnungen kommen monatlich dazu“, sagt er. Deshalb hat die Stadt jetzt eine zusätzliche halbe Hausmeisterstelle für die Asylunterkünfte ausgeschrieben. Nach einer Einarbeitungszeit wird sich Behmer dann nur noch um die Schulen kümmern. Er rät: „Der neue Hausmeister sollte auf jeden Fall aufgeschlossen sein.“

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Ein Artikel von
Sylvana Lublow

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