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Dorf mit bewegter Geschichte

Hardebek Dorf mit bewegter Geschichte

Der Heimatverein des Kreis Segeberg führte seine Mitglieder und Gäste bei der jüngsten Dorfbegehung zu exotischen Tieren: Erster Programmpunkt in Hardebek war eine Besichtigung der Straußenfarm.

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Sabine Marten erklärte ihren Besuchern vom Heimatverein die Straußenhaltung.

Quelle: Jann Roolfs

Hardebek. „Es tut nicht weh, wenn die beißen.“ Zwar verschwinden gleich zwei Finger Klaus Hubers im Schnabel des Vogels, aber Strauße haben keine Zähne, und so bleibt es beim neugierigen, aber folgenlosen Picken durch den Zaun. Der Kisdorfer Huber gehörte zu den rund 50 Mitgliedern und Gästen, die Hardebek besichtigten. Das Angebot des Vereins, andere Ortschaften kennen zu lernen, nimmt Huber regelmäßig wahr: „Es ist nicht über-organisiert und man kann einfach Kontakt aufnehmen“, lobte er das Konzept des Vorsitzenden Ernst Steenbuck.

 Knapp 50 dieser großen Laufvögel halten Jan und Sabine Marten am Dorfrand. Der Handel mit Straußenfleisch und Eiern – eines davon ist so groß wie zwei Dutzend Hühnereier – ist allerdings nur ihr Nebenerwerb, erläuterte Sabine Marten ihren Besuchern; wirtschaftliches Standbein des Betriebs sind Milchkühe.

 Ausgewachsen wiegt ein Strauß 120 Kilo und überragt einen Menschen problemlos. Nach dem Schlachten bleiben allerdings nur rund 30 Kilo Fleisch übrig; die Federn vermarkten die Martens gar nicht erst, die nötige Reinigung würde sie zu teuer machen. Aber einige Besucher nutzten die seltene Gelegenheit, ein paar Straußenfedern zu ergattern, indem sie welche durch den Zaun fischten.

 Auf die zweieinhalb Hektar große Wiese selbst führte Sabine Marten ihre Gäste lieber nicht: Es ist Balzzeit, der Hahn ist aufgeregt und setzt seine Ansprüche notfalls mit Tritten durch, die in der Wildnis durchaus einem Löwen gefährlich werden können. „Beim Brüten und Hüten des Nachwuchses zeigt er sich allerdings als hingebungsvoller Vater“, erklärte Sabine Marten.

 Hardebek war einst ein Dorf freier Bauern, die in Folge des dänischen Staatsbankrotts 1813 unter den hohen finanziellen Lasten auf ihren Flächen litten, wie Ernst Steenbuck, Vorsitzender des Segeberger Heimatvereins und Organisator der Dorfbesichtigungen, in seinem Abriss der bewegten Geschichte Hardebeks erklärte. Der Landwirt Friedrich Baumann nutzte die Lage aus und kaufte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alle Höfe auf und verwandelte das Dorf in ein Gut. Dessen Besitzer wechselten mehrfach, die Chronik verzeichnet auch einen Konkurs, schließlich landete Hardebek bei der königlichen Hofkammer. Militär pachtete das Gut, und um 1900 begann die berühmteste Zeit des Dorfes: Es wurde zum einzigen Remonte-Depot in Schleswig-Holstein. Hier wurden Pferde für die Kavallerie eingekauft und ausgebildet. „Da muss hier ganz schön was los gewesen sein“, erläuterte Ernst Steenbuck bei Kaffee und Kuchen im Dörpshuus.

 Nach dem Ersten Weltkrieg endete diese Blüte, das Gut wurde in Bauernhöfe aufgeteilt. Einen kleinen Boom erlebte Hardebek noch, als der Flughafen Kaltenkirchen gebaut werden sollte: „Damals fanden Grundstücke reißenden Absatz“, berichtete Bürgermeisterin Jung. Der Flughafen kam nicht, und die Mülldeponie auch nicht; statt im Ortsteil Flotthof wurde sie im benachbarten Brokenlande errichtet. Und auch über eine prominente Bürgerin des Dorfes hatte sie etwas zu erzählen: Schleswig-Holsteins derzeitige Finanzministerin Monika Heinold lebte mit ihrer Mutter in der alten Schule und machte sich um die Kultur in der Gemeinde verdient.

 Nach Theorie, Kaffee und Kuchen ging es zu Fuß durchs Dorf. Von der Remonte blieben einige Häuser übrig, stellten die Besucher fest; die einstige Rennbahn steht jetzt als Ausgleichsfläche für die Windräder im Dorf unter Schutz.

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