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Harter Widerstand gegen Stromtrasse

Henstedt-Ulzburg Harter Widerstand gegen Stromtrasse

Die Gegner der geplanten neuen Stromleitung des Unternehmens Tennet gehen davon aus, dass erst vor Gericht eine Entscheidung über den Trassenverlauf und einen Standort für ein Umspannwerk gefällt wird. Eine Interessengemeinschaft von Grundeigentümern will bis zur letzten Instanz gehen.

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Harald Göttsch, Thomas Geist, Dirk Rohlfing und Tile Abel wollen kein Land für die geplante Trasse der neuen 380 KV-Leitung verkaufen. Im Notfall ziehen sie vor Gericht. Das kündigten die Grundeigentümer an.

Quelle: Nicole Scholmann

Henstedt-Ulzburg. Tile Abel, Dirk Rohlfing, Harald Göttsch und Thomas Geist von der Interessengemeinschaft aus Henstedt-Ulzburg und Kisdorferwohld wehren sich gegen die Pläne von Netzbetreiber Tennet und Landesregierung.

 „Ich werde kein Land für ein neues Umspannwerk zur Verfügung stellen“, betonte Abel in einem Pressegespräch. Er und seine Mitstreiter fühlen sich von Tennet belogen und hinters Licht geführt. Seit Mitte der 1970er Jahre führt über das Land vieler Henstedt-Ulzburger bereits eine Leitung mit 220000 Volt (220 Kilovolt / kV). Nun soll eine 380-kV-Leitung dazukommen. Die sogenannte Ostküstenleitung zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck soll zwei Netze miteinander verbinden, um Strom aus Windenergie Richtung Süddeutschland zu transportieren. An beiden Enden stehen große Umspannwerke, die jeweils zehn Hektar Fläche benötigen.

 Die gut 30 Mitglieder der Interessengemeinschaft wehren sich gegen den Verlauf der geplanten Trasse, der erst spät vorgestellt wurde, obwohl er – wie Rohlfing und Co. sagen – im Hause Tennet schon lange festgestanden habe. Es sei doch sinnvoller, so die Trassengegner, die 380-kV-Leitung statt durch das dicht besiedelte Henstedt-Ulzburg parallel zur A20 und somit über relativ freie Landstriche verlaufen zu lassen.

 Das sogenannte Dialogverfahren, bei dem Grundeigentümer und Kommunalpolitiker an den Plänen beteiligt beziehungsweise sie darüber informiert wurden, sei kein Dialog gewesen, sondern für Tennet nur eine Pflicht ohne Konsequenzen, meinen die Kritiker. Das Unternehmen habe es abgelehnt, über einen anderen Leitungsverlauf zu sprechen als über den, der quer durch die Großgemeinde führt. „Wir Landbesitzer werden über den Tisch gezogen“, betonte Thomas Geist, der den Reitbetrieb Hof Reiherstieg betreibt. Er ist bereits jetzt von zwei Hochspannungsleitungen umgeben und soll nach Tennet-Plänen noch eine dritte über seinen Hof bekommen.

 Die Sprecher der Interessengemeinschaft appellieren an ihre Mitbürger und die Kommunalpolitik, sich gegen die geplante Trasse zu wehren. „Wenn erst mal eine Leitung da ist, kommen noch mehr“, betonten sie. Den Grundbesitzern geht es auch darum, dass ihr Eigentum, auf dem – ob über Land oder per Erdkabel – Strom Richtung Süddeutschland transportiert werden soll, an Wert verlieren wird. Der Ausgleich dafür sei lächerlich. Zudem seien die Folgen beispielsweise von Erdleitungen noch gar nicht abzuschätzen. Sie haben ausgerechnet, dass alleine für die Gemeinde die Erdverkabelung eine Bodenbewegung von mehr als 200000 Kubikmeter mit sich bringe und mehr als 200000 Quadratmeter Fläche in Anspruch genommen werde.

 Sobald Tennet das Planfeststellungsverfahren in Gang setzt – voraussichtlich im zweiten Quartal nächsten Jahres – werden die Grundbesitzer Widerspruch einlegen. Sie erwarten allerdings, dass er abgelehnt wird. Der nächste Schritt sei der Gang vor das Gericht. „Und da wird das Gericht hoffentlich fragen, warum die Trasse durch Henstedt-Ulzburg führen soll anstatt daran vorbei“, sagte Rohlfing.

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