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Naturschutz macht auch Sorgen

Henstedt-Ulzburg Naturschutz macht auch Sorgen

Die Gemeinde und das LLUR haben das geplante Naturschutzgebiet Henstedter Moor und die beabsichtigte Vernässung des Moores vorgestellt. Die 219 Hektar große Fläche grenzt unmittelbar an das bestehende Naturschutzgebiet Oberalsterniederung.

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Angelika Bretschneider und Ines Winkelmann vor der Karte mit dem geplanten Naturschutzgebiet Henstedter Moor.

Quelle: Ulrike Bundschuh

Henstedt-Ulzburg. Wenn Bäume gefällt werden, kann das gerade im Sinne des Naturschutzes sein. Das erfuhren Besucher der Informationsveranstaltung zum geplanten Naturschutzgebiet (NSG). Denn unter anderem soll – bis auf wenige Ausnahmen – ein Kiefernwäldchen verschwinden, das als „naturfern“ gilt, also mit dem ursprünglichen Bewuchs nichts zu tun hat.

 Mehrere Bürger bedauerten den Verlust dieses Nadelholzbestandes mit zum Teil bereits sehr imposanten Exemplaren. Diese älteren Kiefern sollen allerdings stehen bleiben, wie die Referentin Angelika Bretschneider vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR), versicherte.

 Da es weiterhin zu den geplanten Maßnahmen zählt, Bereich des Moores wieder stärker zu vernässen, also den Wasserstand zu erhöhen, äußerten Anlieger die Sorge, dass sie womöglich feuchte Keller bekommen. Ihnen wurde mit Hinweis auf die Höhenkarte des Gebietes versichert, dass dieses Problem nicht auftreten wird.

 Da diverse Flächen für das zukünftige Naturschutzgebiet noch in Privatbesitz sind, machen sich Eigentümer Sorgen um die Nutzung ihrer Flächen. Landeigentümer befürchten, dass sie in Zukunft ihre Moorparzellen nicht mehr werden betreten können. Ein Landwirt mit Flächen am Rand des zukünftigen NSG beklagte während des Info-Abends die Einschränkungen und Auflagen, die ihm selbst eine extensive Bewirtschaftung seiner Flächen in Zukunft nicht mehr möglich machen würde.

 Die Flachmoore entstanden in alten Abflussrinnen eiszeitlicher Schmelzwässer, auf denen später Hochmoore, wie das „Lütt Wittmoor“, emporgewachsen sind. Von dem einstigen Moor- und Heidegebiet sind durch Torfabbau, Kultivierung und Besiedlung an den Rändern nur noch Restbestände und Heideflächen übrig geblieben. Sie gelten aufgrund ihrer Seltenheit allerdings von besonders großer landeskundlicher Bedeutung.

 Umfangreiche Entwässerung ermöglichte es in der Vergangenheit, weite Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Hinzu kommt heute eine große Bedeutung für die Naherholung, das Areal ist von Wohngebieten umgeben. Es bietet mehrere Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten: Moor- und Heideflächen, Nasswiesen, Sümpfe, Feucht- und Bruchwälder, Knicks. Sie gilt es zu erhalten. Ziel des Naturschutzes ist es, diese Besonderheiten der Landschaft mit anderen Ansprüchen wie Naherholung und Flächennutzung unter einen Hut zu bekommen.

 Im Sinne des landesweiten Klimaschutzprogramms steht die Wiedervernässung des Moorkernbereichs im Zentrum. Möglichst hohe Wasserstände sollen zugelassen werden, um so einen Abbau der Torfschicht und die damit verbundene Freisetzung von Kohlendioxid zu verhindern. Moore zählen zu den größten natürlichen CO2-Speichern überhaupt. Auch auf die Feuchtwiesen wird besonderes Augenmerk gelegt. Dazu soll auf einen Umbruch des Grünlandes und auf den Einsatz von Düngemitteln verzichtet werden.

 Ines Winkelmann vom LLUR begleitet im Auftrag des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume das Verfahren für die Ausweisung des Naturschutzgebietes. Es umfasst vier Phasen. Die aktuelle Informationsveranstaltung stellte das Ende von Phase 2 dar, in der nächsten Phase können Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der öffentlichen Auslegung der Pläne weitere Stellungnahme abgeben. In der abschließenden Phase 4 treten die Naturschutzbestimmungen in Kraft. Ines Winkelmann rief zur aktiven Teilnahme am Verfahren auf und bat die Bürger, Anregungen und Bedenken mündlich wie schriftlich vorzutragen.

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