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Wo Barrierefreiheit noch fehlt

Henstedt-Ulzburg Wo Barrierefreiheit noch fehlt

Geld aus dem Automaten holen, mit der Bahn fahren, die Straße überqueren – alles kein Problem? Nur für Menschen ohne Behinderung. In Henstedt-Ulzburg hat sich jetzt eine Arbeitsgemeinschaft zusammen gefunden, um zu überprüfen, wie weit es um die Barrierefreiheit im Ort steht.

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Die Arbeitsgruppe von „Bereit für Barrierefreiheit“ möchte in Henstedt-Ulzburg Verbesserungen von Schwachpunkten aus dem öffentlichen Lebensbereich für Menschen mit Behinderungen.

Quelle: Gudrun Ehlers

Henstedt-Ulzburg. „Wenn man von Behinderten spricht, denken die meisten sofort an einen Rollstuhlfahrer“, sagt Detlef Boie vom Rauhen Haus, das in der AG vertreten ist. Aber schon nach einem Schlaganfall sind kognitive Einschränkungen möglich, die zu Schwierigkeiten im Alltag führen können. Ein Raum mit viel Holz wirkt vielleicht gemütlich, für einen Menschen mit einer Sehstörung ist er düster und bedrohlich, oftmals ist die Beleuchtung in Räumen für sie nur unzureichend. Fahrstühle, die nicht funktionieren, zu hoch angebrachte Türöffner, Mülleimer oder Schränke unter den Waschbecken, schmale Treppen – alles Dinge, die es Menschen mit Behinderung schwer machen.

 „Womit wir auch zu kämpfen haben, ist die mangelnde Einsicht der Autofahrer, wie wichtig die abgesenkten Bordsteine für Rollstuhlfahrer sind. Oftmals parken sie direkt davor und wir müssen Umwege fahren“, erklärt Birte Reimers, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Sie ist vom Hamburger Standort des Netzwerks Capito, das sich um Barrierefreiheit bemüht. Wenn Birte Reimers von Hamburg nach Henstedt-Ulzburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will, muss sie vorher den Fahrplan der Bahn studieren, damit sie einen Zug mit absenkbarer Rampe bekommt.

 Auch das Bürgerhaus in Henstedt-Ulzburg bot ein passendes Beispiel, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Notfalltür geht nur schwer auf, lässt sich nicht arretieren, und es folgt eine Stufe nach draußen, für Rollstuhlfahrer ein Hindernis, das nur schwer zu überwinden ist.

 Einige Schwierigkeiten ließen sich schnell und manchmal mit geringem Aufwand beseitigen, wenn man nur wüsste, worauf man achten muss. Diese Aufgabe hat sich nun die Arbeitsgemeinschaft unter dem Motto: „Bereit für Barrierefreiheit?“ gestellt. Zu ihr gehören Mitarbeiter und Bewohner des Rauhen Hauses, die Lebenshilfe, die Volkshochschule, Mitglieder des Lions Clubs Henstedt-Ulzburg und weitere Bürger sowie Kendra Eckhorst und Birte Reimers von Capito aus Hamburg als Expertinnen für Barrierechecks.

 Die UN-Behindertenrechtskonvention beinhaltet neben der Bekräftigung allgemeiner Menschenrechte eine Vielzahl spezieller, auf die Lebenssituation behinderter Menschen abgestimmte Regelungen. „Die Konvention besteht bereits seit 2009, aber wirklich viel passiert ist seitdem noch nicht“, meint Detlef Boie. „Für uns ist es eine gesellschaftliche Verpflichtung, dabei zu helfen, wo Probleme für die Behinderten abgeschafft werden können“, ergänzt Volker Manke vom Lions Club. Fünf Mitglieder der Lions möchten sich zum Thema Barrierefreiheit schulen lassen. Regelmäßige Treffen der Arbeitsgemeinschaft sind geplant. Ein Aktionsplan umfasst vier Bereiche: Wohnen und Leben, Freizeit, Arbeit, Bildung. Jetzt sollen in der Gemeinde diverse Orte abgegangen werden, um festzustellen, wo Verbesserungen nötig sind.

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