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Verärgerung nach Erdkabel-Nein

Ostküstenleitung Verärgerung nach Erdkabel-Nein

Die Bundesregierung hat es „aus systematischen Gründen“ abgelehnt, einen Teil der geplanten 380-kV-Ostküstenleitung zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck als Erdkabel verlegen zu lassen. Die Gemeinde schließt eine Klage gegen den Bau einer Freileitung jetzt nicht aus.

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Wie in den Niederlanden wollte Netzbetreiber Tennet in zwei Regionen, beim Schutzgebiet Kisdorfer Wohld und im dicht besiedelten Henstedt-Ulzburg, Erdkabel statt Freileitungen verlegen.

Quelle: Chris Pennarts

Henstedt-Ulzburg/Kisdorf. Gelassen reagiert hingegen die Gemeinde Kisdorf, die als zweiter Standort für ein Erdkabelfeld vom Netzbetreiber Tennet in Erwägung gezogen worden waren. Dort liegt das Landschafts- und Naturschutzgebiet Kisdorfer Wohld. Über die Absage aus Berlin ist Kisdorfs Bürgermeister Reimer Wisch (CDU) nicht traurig. „Von einem Erdkabel habe ich sowieso nicht viel gehalten.“ Eine Trasse wäre 26 Meter breit. „Darüber wächst nichts.“ Zwar sähe man die Stromleitungen nicht, weil sie im Erdreich vergraben wären. „Aber wir wissen nicht, was mit der magnetischen Strahlung ist.“ In Vorgesprächen sei darüber nachgedacht worden, die Trasse für die Freileitung leicht zu verschwenken. „Dann wird auch kein Haus überspannt werden.“

 Ganz anders ist die Stimmung in Henstedt-Ulzburg. Dort will Tennet eine neue Leitung über Ulzburg-Süd verlegen, quer durch ein Gewerbegebiet, dicht an Wohnbebauung vorbei und direkt über das Waldstück des Kindergartens im Rantzauer Forst. Außerdem wird vermutlich im Raum Beckershof ein Umspannwerk errichtet, vielleicht noch eine Konverterstation, auf insgesamt 17 Hektar.

 Alle fünf Fraktionen der Henstedt-Ulzburger Gemeindevertretung haben sich generell gegen die Trasse ausgesprochen. Dass jetzt noch nicht mal die möglicherweise verträglichere Variante eines Erdkabels gewählt wird, empört Bürgermeister Stefan Bauer (parteilos). „Das ist eine Riesenenttäuschung. Wir wären die einzige Gemeinde, bei der die Leitung mitten durch den Ort ginge.“ Der Bundesrat als Vertretung der Bundesländer habe ein Erdkabel noch befürwortet, die Bundesregierung jetzt aber abgelehnt. „Die Berliner sind weit weg, nehmen uns eine gute Option, aus Unkenntnis und mit Ignoranz gegenüber uns.“ Das Schutzgut Mensch spiele offenbar keine Rolle. Bauer fordert jetzt erst recht: Die Leitung müsse woanders hin. Die Option einer Klage gegen den Bau lässt er ausdrücklich offen. Auch Bürgervorsteher Uwe Schmidt (CDU) ist sauer. „Das haut mich vom Hocker. Da muss ich schlucken. Es wäre sehr enttäuschend, wenn es so käme.“ Er will erst einmal nähere Informationen einholen. „Wir werden nicht locker lassen und werden, wenn es sein muss, klagen.“

 Bürgermeister Bauer hofft, dass der schleswig-holsteinische Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) weiter Druck bei der Bundesregierung für die Variante Erdkabel macht. Dies hat Habeck auch bereits durchblicken lassen. Für den Segeberger Abschnitt der Ostküstenleitung wird es eng. Schon in einem Jahr will Tennet die Planunterlagen bei der Genehmigungsbehörde des Landes einreichen. 2018 soll der Strom von Windkraftanlagen hindurchfließen. Geklagt werden könnte gegen das Projekt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.

 Tennet-Sprecher John-Karl Herrmann sagt, ein Erdkabelbau sei weiterhin möglich. Jetzt begännen erst mal die Auschusssitzungen des Bundestages „und das Tauziehen“. Erdkabel könnten auch später noch in Tennets Planung einfließen.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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