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380kV-Leitung elektrisiert die Politik

Henstedt-Ulzburg 380kV-Leitung elektrisiert die Politik

Selten waren sich die fünf Fraktionen der Gemeindevertretung so einig: Gemeinsam gehen CDU, SPD, WHU, BFB und FDP gegen die Pläne für eine 380-Kilovolt(kV)-Höchstspannungsleitung durch einen Teil des südlichen Gemeindegebietes vor.

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Ein Umspannwerk - ungefähr so groß wie im bayerischen Kriegenbrunn (Foto) - beabsichtigt der Stromnetzbetreiber Tennet auf Henstedt-Ulzburger Gemeindegebiet dicht an der A7 zu bauen.

Quelle: Reinhard Feldrapp

Henstedt-Ulzburg. Die sogenannte Ostküstenleitung elektrisiert buchstäblich und schweißt zusammen: „Es darf nicht zu der vom Netzbetreiber Tennet geplanten 380kV-Leitung quer über Henstedt-Ulzburg kommen“, schreiben Dietmar Kahle (CDU), Karin Honerlah (WHU), Horst Ostwald (SPD), Tile Abel (BFB) und Klaus-Peter Eberhard (FDP) in einer gemeinsam verfassten Presseerklärung.

 Seit Jahrzehnten gibt es bereits eine 220kV-Leitung, die vom Umspannwerk bei Stockelsdorf an Bad Oldesloe, Oering, Kisdorf und Götzberg vorbei in das Umspannwerk in Henstedt-Rhen führt. Diese Leitung ist nach Berechnungen der Bundesnetzagentur nicht leistungsstark genug für künftig zu erwartende Strommengen und soll deshalb durch eine 380kV-Trasse mit höherer Kapazität und auch höheren Masten ersetzt werden. Im Gespräch ist, auf zwei Abschnitten – bei Kisdorf und in Henstedt-Ulzburg – die Kabel in der Erde zu verlegen. Dafür gibt es jedoch noch keine rechtliche Grundlage.

 Vorgesehen ist zudem, die Leitung bis zur A7 zu verlängern, wo sie mit der ebenfalls neu geplanten Nord-Süd-Stromtrasse (Audorf bis Norderstedt) verknüpft werden soll. Dort soll ein Umspannwerk gebaut werden, wofür rund 100000 Quadratmeter Fläche – wahrscheinlich im Bereich Beckershof in Henstedt-Ulzburg – benötigt werden. Zurzeit befindet sich das Projekt mit Trasse und Umspannwerk in der Feinplanung. Das noch anstehende Planfeststellungsverfahren soll bis 2017 abgeschlossen sein. Danach erfolgt der Bau. Schon 2018 soll der Betrieb auf der Ostküstenleitung starten.

 „Allerdings ist die berechnete Auslastung dieser neuen Leitungen relativ gering, so dass deren Notwendigkeit angezweifelt werden kann,“ schreiben die Fraktionsvorsitzenden in ihrer Pressemitteilung und suchen den Schulterschluss mit anderen betroffenen Orten. „Deshalb soll nach dem Willen aller Fraktionen nun ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben werden, gemeinsam mit anderen betroffenen Kommunen entlang der Trasse. Auch in Süddeutschland haben mehrere Gutachten die Erforderlichkeit von Höchstspannungstrassen bereits widerlegt.“

 Es sollen alle Möglichkeiten – auch der Klageweg – in Betracht gezogen werden, um sich gegen die Tennet-Pläne zur Wehr zu setzen. Denn die neue Höchstspannungsleitung „wäre für die in diesem Bereich lebenden und arbeitenden Menschen nicht zumutbar, ganz zu schweigen von der Zerstörung des Naherholungsgebietes Rantzauer Forst und des dortigen Waldkindergartens“.

 Die Fraktionen werden auch Unterschriftenaktionen starten, um den Widerstand der Bürger zu verdeutlichen. Als wichtig erachten die Ortspolitiker den Kontakt zu den im Schleswig-Holsteinischen Landtag und im Bundestag tätigen Abgeordneten, damit sie auf ihrer politischen Ebene größtmögliche Unterstützung leisten.

 Die komplette Gemeindevertretung hat inzwischen eine Resolution beschlossen. „Henstedt-Ulzburg stellt sich entschieden gegen die geplante Stromtrasse für eine 380kV-Leitung sowie die Errichtung eines weiteren Umspannwerkes auf Henstedt-Ulzburger Gebiet“, heißt es darin. Besonders kritisiert wird, dass in bisherigen Untersuchungen und Gutachten bislang „das Schutzgut Mensch“ nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.

 Aber nicht nur Kommunalpolitiker aller Fraktionen sind aktiv geworden, um die Trasse zu verhindern. Auch Mitarbeiterinnen des Henstedt-Ulzburger Waldkindergartens sowie Eltern wollen nicht tatenlos bleiben. Denn nach aktuellem Planungsstand soll die Stromleitung auch durch den Rantzauer Staatsforst verlaufen: nicht weit entfernt vom Waldkindergarten, wo 64 Mädchen und Jungen betreut werden. Eltern und Mitarbeiterinnen haben bereits 300 Unterschriften gegen das geplante 380000-Volt-Projekt gesammelt. „Mit meiner Unterschrift fordere ich den Netzbetreiber Tennet auf, von seinem Plan, die Höchstspannungsleitung durch das Waldgebiet der Waldkindertagesstätte im Rantzauer Staatsforst zu führen, Abstand zu nehmen“, heißt es in der Petition.

 Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Stefan Bauer unterstützt diese Unterschriftenaktion. Am kommenden Freitag will der Verwaltungschef den kommunalen Kindergarten besuchen und dort die Listen abholen, um sie an den Stromnetzbetreiber Tennet weiterzuleiten.

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Ein Artikel von
Michael Zwicker

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