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Ein Leben im Dorfgasthof

Hitzhusen Ein Leben im Dorfgasthof

Der Landgasthof Forsthaus Hitzhusen hat rund 100 Jahre Tradition. Das Inhaberehepaar Britta und Thomas Voß gehört zu den wenigen Dorfgastronomen, die übrig blieben. Viele Gasthöfe wurden geschlossen in den vergangenen Jahrzehnten. Das Geschäft hat sich im Lauf der Zeit verändert.

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Die schmucke Fassade hat die Jahrzehnte weitgehend unverändert überstanden, wie diese alte Ansichtskarte zeigt.

Quelle: Privat

Hitzhusen. Das Pensionat Forsthaus war unter der Telefonnummer 36 in Hitzhusen bei Bad Bramstedt zu erreichen. Auf einer alten Ansichtskarte haben sich die Besitzer und Angestellten gleich zwei Mal aufgebaut: Einmal stehen sie vor dem Gebäude an der Straße, im zweiten Bild haben sie sich im Garten aufgestellt, wo Tische und Liegestühle unter Bäumen die Pensionsgäste im Freien erwarten. Rund 100 Jahre später heißt die Gaststätte Landgasthof Forsthaus Hitzhusen.

 Thomas Voß verbrachte seine Kindheit im Krug. Er erinnert sich, dass nach den großen Bällen vor der Küchentür die leeren Bierkisten so hoch gestapelt waren, dass er nicht mehr drübergucken konnte. 1990 übernahm der gelernte Koch das Forsthaus von seinem Vater, seine Frau Britta stieg mit ein. „Mal gucken, wie’s geht“, beschreibt sie ihre damalige Einstellung. Offenbar bis heute gut mit Restaurant, Biergarten, Partyservice und – ganz wichtig – dem Saal. Ohne Tanz finden dort 100 Gäste Platz. Eine gute Größe für Kunden aus Hitzhusen und Umgebung, um Taufen, goldene Hochzeiten, Konfirmationen, Richtfeste, runde Geburtstage oder Beerdigungskaffees ausrichten zu lassen.

 „Viele Ältere erzählen, dass sie hier Tanzstunden hatten“, berichtet Britta Voß. Bevor die Grundschule ihre Sporthalle bekam, wurde in dem Saal auch geturnt. Auf einer alten Karte ist der 1927 angebaute Saal in seiner ursprünglichen Erscheinung abgebildet. An der Stirnseite ist eine Bühne eingebaut, eine hohe, gewölbte Decke gibt dem Raum Charakter. Die Bühne gibt es nach wie vor, aber die Decke wurde um 2,50 Meter abgehängt und ist jetzt gerade. Sie soll demnächst erneuert werden, aber die alte Wölbung wird vorerst nicht wieder zum Vorschein kommen: Thomas Voß scheut den Aufwand. Aber ein altes Bild, dass die Bühne früher nach oben abschloss, haben die Inhaber bei Renovierungsarbeiten gefunden und ihm einen Ehrenplatz an der Wand neben der Bühne gegeben. „Up ewig ungedeelt“, das schleswig-holsteinische Motto, prangt im Laub eines Baumes mit doppeltem Stamm.

 Thomas Voß sammelt alte Hitzhusener Ansichtskarten, in einem Album fand seine Frau einen alten Werbespruch des Forsthauses: „Täglich drei Mal Milch frisch von der Kuh.“ Hermann Rost, der 1907 das Hauptgebäude an der Stelle einer alten Försterei baute, betrieb noch Landwirtschaft. Um 1925 übernahm Thomas Voß’ Großvater den Betrieb und baute den Saal an. Im Zweiten Weltkrieg gehörte ein kleiner Lebensmittelladen dazu.

 Die noch vorhandenen neun Fremdenzimmer schafften Thomas und Britta Voß ab. Die alten Räume mit Etagenbad hätten umgebaut werden müssen, für zwei oder drei Zimmer, die dann übrig geblieben wären: „Dafür muss man nicht morgens um sechs aufstehen“, findet Britta Voß. Stattdessen wohnen die Inhaber jetzt selbst im Obergeschoss ihres Landgasthofs.

 Die Karten- und Knobelrunden am Sonnabendabend oder Sonntagvormittag gibt es nicht mehr, das Tresengeschäft hat mit dem Rauchverbot in Gaststätten nachgelassen. Feuerwehr und Sportverein haben eigene Räume fürs Bier danach, der Aktionsradius der Menschen hat sich vergrößert, der Dorfkrug ist nicht mehr die einzige Freizeitaktivität: „Vor 25 Jahren wäre es keinem eingefallen, nach Hamburg ins Kino zu fahren“, sagt Britta Voß. Die großen Bälle – zur Ernte oder von der Feuerwehr ausgerichtet – gibt es kaum noch, der Alkoholkonsum hat generell nachgelassen.

 Aber: „Mein Mann kocht gut“, stellt Britta Voß klar. „Wir stecken das Geld in die Lebensmittel, nicht in die Werbung“, sagt Thomas Voß. Am meisten gefragt seien arbeitsintensive Gerichte, die zu Hause kaum jemand für wenige Esser zubereiten mag: Sauerfleisch oder Birnen, Bohnen und Speck und auch Grünkohl. „Unser Herbstbüfett mit Kohlrouladen und Steckrübenmus ist innerhalb von 14 Tagen ausverkauft“, nennt der Koch ein Beispiel, wie er seinen Landgasthof unter den aktuellen Bedingungen rentabel hält. Ob eins der beiden Voß-Kinder den Betrieb übernehmen wird, wissen die Eltern nicht, sie wollen nicht drängen. Ein Findling am Rand des Parkplatzes hat jedenfalls schon die passende Beschriftung: „Fam. Voß“ ist dort als Inhaber genannt.

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