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So erlebte ich Newtopia

Yasmin Thies aus Hüttblek So erlebte ich Newtopia

Yasmin Thies aus Hüttblek war einer von 15 sogenannten Pionieren in der TV-Reality-Show „Newtopia“. Doch die auf ein Jahr angelegte Serie wurde von heute auf morgen eingestellt. Und so ist Yasmin Thies wieder daheim - und erzählt, wie es war.

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Yasmin Thies im Newtopia-Camp.

Quelle: Privat

Hüttblek. Wegen zu geringer Einschaltquoten war die im Februar gestartete Sendereihe Ende Juli aus dem Programm genommen worden. „Die Nachricht vom Ende kam für alle Beteiligten völlig überraschend. Bereits zwei Tage später packten die Mitarbeiter der Produktionsfirma und wir Pioniere unsere Sachen und fuhren nach Hause“, berichtet Yasmin Thies. Ursprünglich sollte die Sendung bis Februar 2016 laufen.

 Auf den mehrmonatigen Aufenthalt hatte sich die 44-jährige, selbstständige Friseurmeisterin, die in Hüttbleks Nachbargemeinde Sievershütten einen Salon mit zwei Angestellten betreibt, auch eingestellt. Ihr war vor ihrem Einzug bewusst, dass sie in der spärlich möblierten Scheune völlig abgeschottet von der Außenwelt gemeinsam mit ihren Mitbewohnern versuchen sollte, in einem gruppendynamischen Experiment eine spezielle Art von Gemeinschaft zu entwickeln: „Der einzige Kontakt zur Außenwelt waren die Verhandlungen mit unseren Kunden.“ Denn jeder, so die Regeln, musste für sein eigenes Überleben arbeiten. „Ich habe unter anderem Filzpuschen gestrickt und eine Hose genäht, die dann über das Internet an Meistbietende verkauft wurden.“ Zusätzlich schnitt die Hüttblekerin ihren Mitbewohner die Haare und verdiente somit zusätzliches Geld für den eigenen Lebensunterhalt. Das war auch nötig, denn die Pioniere bekamen für ihre Teilnahme an diesem TV-Experiment keine Gage.

 Die Entscheidung, bei „Newtopia“ mitzumachen, traf die ledige Geschäftsfrau im Herbst letzten Jahres. Sie bewarb sich. „Ich fand den Gedanken reizvoll, mit 14 fremden Menschen eine neue Gesellschaft aufbauen zu können. Außerdem reizte mich die Herausforderung, über einen längeren Zeitraum in einem völlig fremden Umfeld zu leben.“ Im April wurde Yasmin Thies, die in ihrem Heimatdorf Hüttblek auch Gemeindevertreterin ist, zu einem Casting der Produktionsfirma nach Berlin eingeladen. Anfang Mai zog sie in „Newtopia“ ein, nachdem zahlreiche Pioniere aus der Anfangszeit von ihren Mitbewohnern oder den Zuschauern aus der Sendung heraus gewählt worden waren beziehungsweise das abgeschottete Umfeld aus eigenem Entschluss verlassen hatten.

 Yasmin Thies teilte ihrem Vater, Hüttbleks Bürgermeister Hans-Heinrich Thies, zwei Tage vor der Abreise mit, dass sie ihr Mandat als Gemeindevertreterin während ihrer Abwesenheit ruhen lassen werde. Länger eingeweiht hingegen waren ihre beiden Mitarbeiterinnen Christiane Moser und Melanie Prüß. Sie versprachen ihrer Chefin, sich während deren Aufenthalts in „Newtopia“ um das Geschäft zu kümmern. Die ersten Tage seien gewöhnungsbedürftig gewesen, berichtet die Hüttblekerin. „Am meisten irritierend waren die Kameras. Sie waren in fast jedem Winkel der Scheune installiert. Nur in der Dusche und Toilette waren wir unbeobachtet.“

 Doch nach drei Tagen hatte Yasmin Thies die Kameras vergessen. Viel nervenzehrender hingegen sei es gewesen, fast keinerlei Privatsphäre zu haben. „Das war mega-anstrengend. 24 Stunden lang zusammen mit fremden Menschen unter einem Dach zu leben und sich zu mit ihnen zu arrangieren, war geistiges Höchstleistungstraining.“

 Doch Yasmin Thies profitierte von ihrer mentalen Stärke, suchte sich immer neue Beschäftigungen. Sie fertigte in der kleinen Tischlerwerkstatt Kisten an, molk die „Newtopia“-Kuh, fütterte die 25 auf dem Außengelände der Scheune lebenden Hühner, kochte, schnitt Haare und fertigte ihre Näharbeiten zum Verkauf im Internet an. Außerdem half sie bei der Erstellung der Einkaufslisten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs, die sich die Bewohner mit dem in „Newtopia“ verdienten Geld aus umliegenden Supermärkten liefern ließen.

 Als die Nachricht vom Aus der Sendung kam, sei sie zwar zunächst überrascht, jedoch keineswegs, wie einige andere Kandidaten oder Mitarbeiter der Produktionsfirma, geschockt gewesen. Sie habe sofort umgeschaltet und freute sich auf ihre Rückkehr ins vertraute Umfeld. „Ich bereue keine Minute dieses Experiments. Jetzt erst weiß ich die Ruhe in meinen eigenen vier Wänden zu schätzen und habe gelernt, welch kostbarer Schatz die Privatsphäre ist.“ Pläne für weitere Auftritte in anderen Reality-Shows hat die 44-Jährige momentan nicht. Das kann sich jedoch ändern. „Ich bin ein sehr spontaner Mensch“, schmunzelt Yasmin Thies.

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