16 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Jetzt kommen die Gäste doch

Ihlsee-Restaurant Jetzt kommen die Gäste doch

Egal, was ein Gastwirt im Ihlseerestaurant auch versuchte – es ging schief. Trotz des wunderschönen Blicks auf das idyllische Gewässer, trotz Festsaal und Strandbad gleich daneben. Viele Bad Segeberger hielten den Standort für erledigt. Doch inzwischen scheint die Wende geschafft.

Voriger Artikel
Hinweise zu Mosaik gesucht
Nächster Artikel
Millionenzuschuss für „WortOrt“

Haben am Bad Segeberger Ihlsee mit ihrem Gastronomiekonzept offenbar die Wende geschafft: Lutz Frank und seine Lebensgefährtin Annette Hoop.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Die feine französische Küche scheiterte am Ihlsee im Verlauf von über 20 Jahren ebenso wie mediterrane Köstlichkeiten, eine italienisch angehauchte Karte und chinesische Gerichte.

 Anfang vorigen Jahres schien das Aus noch endgültig zu sein. Gastronom Thomas Popelka hatte das alte, höchst marode Gebäude fünf Jahre zuvor von der Stadt übernommen, sich mit der Kommune auf einen Erbpachtvertrag geeinigt und ein neues Restaurant hochgezogen. Es sollte ein Neuanfang sein. Doch es kam so wie schon einst bei Arne Mohr, der zwar französische Delikatessen zaubern konnte, aber kein Händchen für Grünkohl und Bratkartoffeln hatte. Das Angebot war zu speziell für Bad Segeberg.

 Popelka wiederum setzte auf eine mediterrane Karte, machte aber gleich zu Beginn einen handwerklichen Fehler: Er vergaß die jungen Gäste. So suchten die Kunden in den ersten Monaten vergeblich Kindergerichte auf der Karte. Zudem wurden viele Speisen als zu ausgefallen und zu teuer empfunden. Die Mundpropaganda war schlecht. Hinzu kamen etliche Anekdoten von Serviceproblemen, Pannen und Ungeschicklichkeiten, die in Bad Segeberg die Runde machten – ob nun zu Recht oder zu Unrecht. Für ein Lokal ist solch eine öffentliche Meinung tödlich.

 Popelka musste Insolvenz anmelden. Für die Stadt war das ein gewaltiges Problem, denn sie hatte dem Gastwirt das sensible Grundstück am Ihlsee für 99 Jahre in Erbpacht überlassen. An seinem vorletzten Amtstag hatte Bürgermeister Hans-Joachim Hampel den Vertrag im Juni 2009 auf Geheiß der Stadtvertretung unterschrieben. Hampels Nachfolger Dieter Schönfeld hatte schon während seines Wahlkampfs erklärt, dass er solch eine lange Laufzeit niemals gutheißen würde. Nun fürchtete die Stadt, dass einer von Popelkas Gläubigern Zugriff auf das Gelände bekommen und die Kommune nicht mehr steuern könne, was dort geschieht. Dann sah es so aus, als ob Popelkas Küchenchef Dirk Zeglin der neue Betreiber würde – mit einer Investorengesellschaft im Rücken. Die Verträge waren schon vorbereitet. Da warf im letzten Moment Lutz Frank seinen Hut in den Ring. Der Seedorfer Gastwirt, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und dessen Chef auf Kreisebene ist, wollte das Ihlseerestaurant kaufen und auch selbst betreiben. Nur rund eine Stunde vor der entscheidenden Stadtvertretersitzung präsentierte die Hamburger Insolvenzverwalterin den neuen Bewerber als Favoriten. Im Rathaus wurden eilig neue Sitzungsunterlagen kopiert – und Zeglin, der sich schon als Sieger gesehen hatte, musste plötzlich Lutz Frank gratulieren.

 Seitdem hat sich am Ihlsee viel getan. Ende Februar 2015 öffnete Frank nach zweiwöchiger Schließung neu – und seither läuft das Geschäft auf Hochtouren. „Ich hatte gehofft, dass ich das hinbekomme, aber so hätte ich das nie erwartet“, sagt Lutz Frank, der das Lokal gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Annette Hoop führt. Die alte Speisekarte wurde durch bodenständige Holsteiner Spezialitäten und mediterrane Einsprengsel ersetzt, und auch beim Personal gab es einen Umbruch. Der Standort entfaltete nach Jahrzehnten eine ungekannte Magnetwirkung. Frank: „Die Idee des Betriebs an dieser Stelle ist goldrichtig.“ Standort, Küche und Ambiente passten plötzlich zusammen.

 Die Saison 2015 hatte Lutz Frank für Feiern wie Hochzeiten und Konfirmationen schon abgeschrieben, aber der Laden war zu seiner Verblüffung im Handumdrehen nahezu ausgebucht. Franks guter Ruf aus Seedorf, wo er die „Turmschänke“ betreibt, war ihm offenbar in die Kreisstadt gefolgt. Inzwischen hat er die Küche nach seinen Bedürfnissen umgebaut und beispielsweise eine komplett neue Spülstraße und einen zusätzlichen Herd installieren lassen. Für 2016 hat er zusätzliche Terrassenmöbel angeschafft. „Letztes Jahr haben wir so oft die Tische aus dem Saal nach draußen geschleppt...“

 Die Posten beim Dehoga behält Lutz Frank, ebenso macht er in der „Turmschänke“ und dem Lokal „Anno 1915“ auf dem Golfplatz in Wensin weiter.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

THW-Liveticker!

THW-Spieltage online
live verfolgen, mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3