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Weniger Wohnungsbau auf Pump

Immobilienkredite Weniger Wohnungsbau auf Pump

Der Wohnungsbau im Kreis Segeberg boomt zwar noch, droht aber wegen verfehlter Kreditpolitik in ein neues Loch zu fallen. Davor hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt gewarnt. Eine kleine Umfrage bei Segeberger Banken zeigt: Die Kreditvergabe ist komplizierter geworden, aber nicht unmöglich.

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Häuslebauer haben es bei Verhandlungen mit Banken derzeit schwerer. Grund sind strengere Kreditvorschriften.

Quelle: Archiv/Fotolia

Kreis Segeberg. Derzeit sei die Lage noch gut, sagt IG Bau-Regionalleiter Uwe Hahn. „Es werden Wohnungen gebaut: 185,7 Millionen Euro wollen Bauherren und Investoren in den Neubau von Wohnungen im Kreis Segeberg investieren.“ Das seien die veranschlagten Kosten für 976 Neubau-Wohnungen, für die es im ersten Halbjahr dieses Jahres eine Baugenehmigung im Kreis Segeberg gab.

 Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte 2015 seien lediglich 575 neue Wohnungen genehmigt worden. Der Gewerkschafter beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

 „Doch der Bau neuer Wohnungen hat einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Viele Menschen, die ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen wollen und deshalb zur Bank gehen, bekommen heute kein Darlehen mehr.“ Sie scheiterten an der Finanzierung ihres Traums von den eigenen vier Wänden, sagt Uwe Hahn. Schuld daran sei die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie der Europäischen Union, die die Bundesregierung „besonders hart in deutsches Recht umgesetzt“ habe.

 Die Richtlinie schreibe Kreditinstituten seit März vor, bei der Vergabe von Darlehen in erster Linie auf das vorhandene Vermögen und auf die Höhe des Einkommens während der Rückzahlungsphase zu achten. Anders als noch zu Beginn des Jahres dürften Wohnimmobilien oder Grundstücke von Banken nicht mehr als Sicherheit akzeptiert werden.

 „Bauherren müssen viel auf der hohen Kante oder ein dickes Einkommen haben, das auch in Zukunft sicher ist. Am besten beides“, sagt IG Bau-Bezirkschef Uwe Hahn.

 Besonders hart treffe dies junge Familien und ältere Menschen. „Viele von ihnen wären vor einem Jahr noch gerngesehene Kunden bei der Bank oder Sparkasse gewesen. Heute aber müssen die Kreditinstitute ihnen die Finanzierung oft verweigern.“ Die Banken seien nun verpflichtet, nachzuweisen, dass ein Kunde seinen Kredit auch bis zum Lebensende tilgen könne.

 Rentner, die Haus oder Wohnung altersgerecht umbauen wollen, oder junge Paare scheitern am nötigen Kredit. Hahn hat die Bundesregierung und die Segeberger Bundestagsabgeordneten aufgefordert, mehr Möglichkeiten für die Finanzierung des Wohnungsbaus im Rahmen der EU-Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie zuzulassen.

 Ganz so skeptisch beurteilen die Segeberger Banken die Lage nicht. „Insgesamt liegen wir bei der Vergabe von Immobilienkrediten leicht unter dem Niveau von 2015“, sagt Imke Gernand, Pressesprecherin der Sparkasse Südholstein. „Dies liegt unter anderem an der Einführung der neuen Richtlinien im März, die die Kreditvergabe erschwert haben.“ Die Bankberater informierten die Kunden aber gezielt und auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten. „Die Zahlen steigen inzwischen wieder und wir sind zuversichtlich, das Niveau des Vorjahres erneut zu erreichen.“

 Auch Kirsten Vorwerk von der Raiba Leezen sieht keine Beeinträchtigungen. „Allerdings ist das Verfahren aufwändiger, sind mehr Unterlagen nötig.“ Auch könne es sein, dass die Tilgungssätze für alte Kreditnehmer höher als bislang seien.

 Ähnliches sagt Dirk Dejewski, Vorstandsmitglied der VR Bank in Neumünster. „Die neue Richtlinie verursacht deutlich spürbar einen formalen Mehraufwand.“ Es sei aber weiterhin möglich, einem 70-jährigen Rentner den Erwerb einer Ferienwohnung zu finanzieren.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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