25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Flüchtlinge in Hotelzimmern

Kaltenkirchen Flüchtlinge in Hotelzimmern

Die Unterbringung von Flüchtlingen wird in Kaltenkirchen zunehmend schwieriger, weil geeigneter Wohnraum knapp ist. Manche Flüchtlinge werden voraussichtlich über Monate in Hotelzimmern einquartiert werden müssen.

Voriger Artikel
Feiermarathon ging weiter
Nächster Artikel
Seniorchefin wird 100

Weil in Kaltenkirchen mittlerweile Wohnraum für Flüchtlinge fehlt, müssen einige künftig in Hotels untergebracht werden, wie zum Beispiel im Neubau an der Hamburger Straße.

Quelle: Klaus-Ulrich Tödter

Kaltenkirchen. Die Stadtverwaltung hofft, den Bau der zusätzlichen Asylbewerberunterkunft am Kamper Stieg wie geplant bis März 2016 abschließen zu können. Ob der Stadt die anfallenden Hotelkosten in vollem Umfang von Kreis und Land erstattet werden, ist noch offen.

 Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, ist in Kaltenkirchen groß. Allerdings wird es der Stadtverwaltung nicht gerade leicht gemacht, sich auf die Ankömmlinge vorzubereiten. So sind vom Kreis vorab keine Auskünfte darüber zu erhalten, ob Einzelbewerber oder Familien zugewiesen werden. Das erfahren die Verwaltungsmitarbeiter im Normalfall erst, wenn die Flüchtlinge in Kaltenkirchen eintreffen. Dadurch wird die Planung erschwert. „Wenn weiterhin derart viele Einzelbewerber kommen wie in jüngster Zeit, müssen wir uns neue Gedanken darüber machen, wie wir mit der Situation umgehen“, sagte Ralf Köhler, Leiter des Ordnungsamtes, in der jüngsten Sitzung des Sozial- und Gleichstellungsausschusses.

 Laut aktuellem Plan soll Kaltenkirchen in diesem Jahr 116 Asylbewerber aufnehmen. 52 sind bereits angekommen. Die Hälfte davon sind Einzelbewerber, wobei die Stadt aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit davon ausgegangen war, dass ihr Anteil nur etwa ein Drittel ausmachen würde. Die jetzige Entwicklung zeigt, dass die neue Asylbewerberunterkunft dringend gebraucht wird, da sie Einzelbewerber aufnehmen soll. Geplant waren ursprünglich 16 Wohneinheiten, inzwischen sind es schon 48. Sollte sich die aktuelle Entwicklung allerdings fortsetzen, könnte es sein, dass auch das nicht ausreicht. Dann müsste zusätzlich an anderer Stelle gebaut werden, denn weitere Flächen stehen am Kamper Stieg nicht zur Verfügung. „Das Areal dort ist ausgereizt“, erklärte Ralf Köhler.

 Aufgrund der schwierigen Unterbringungssituation mussten in dieser Woche schon vier Flüchtlinge in einem neuen Handwerkerhotel untergebracht werden. Diese Lösung hatte die Stadt ursprünglich vermeiden wollen, nun bleibt ihr aber keine andere Wahl. Weil diese Art der Unterbringung vergleichsweise teuer ist, steht noch nicht fest, ob der Stadt die dafür anfallenden Kosten vollständig erstattet werden.

 Die Unterbringung von Familien erfolgt dezentral. Besonders kooperativ sind die Wohnungsunternehmen Buwog und Kaltenkirchener Bauverein, die bislang großzügig Wohnraum zur Verfügung gestellt haben. Die Familien bleiben zunächst in den zurzeit zwei Übergangswohnungen, bis geeignete Apartments zur dauerhaften Einquartierung für sie gemietet werden können. „Insgesamt gesehen können wir sagen, dass wir trotz großer Bemühungen mehr Wohnungen brauchen als derzeit zu bekommen sind“, sagte Ralf Köhler. Es habe daher bereits Gespräche mit weiteren Wohnungsunternehmen gegeben. Die Verhandlungen seien aber recht zähflüssig verlaufen; die Sorgen vor Konflikten und Sprachbarrieren seien bei den Vermietern groß.

 Bei der Betreuung der Flüchtlinge setzt die Verwaltung aufgrund der angespannten Haushaltslage in erheblichem Maße auf ehrenamtliches Engagement. Zurzeit gibt es in Kaltenkirchen etwa 25 Lotsen, die den Asylbewerbern die ersten Wochen in ihrer neuen Umgebung erleichtern. Sie helfen bei Behördengängen, zeigen günstige Einkaufsmöglichkeiten, organisieren die Einrichtung der neuen Wohnung oder stellen Kontakte zu Sportvereinen her. Koordiniert wird die Gruppe von der Migrationssozialberaterin Nina Mohr. Bislang wurde die Aufgabe auch von Verwaltungsmitarbeiter Hans-Peter Gier erfüllt, der nun jedoch krankheitsbedingt für mehrere Monate ausfällt. Ein Ersatz konnte in diesen Tagen gefunden werden. Thies Behn und Robert Rogoschewski vom Regenbogen-Verein übernehmen die Vertretung und arbeiten sich gerade in ihre neuen Aufgabenfelder ein. Behn wird sich beispielsweise um die Erstunterbringung von Asylbewerbern kümmern und um die Betreuung am Kamper Stieg. Rogoschewski soll in erster Linie Streetworker-Aufgaben übernehmen. Darunter fällt unter anderem, Obdachlosigkeit bei bedürftigen Kaltenkirchenern zu vermeiden oder Räumungsklagen abzuwenden, wenn Mieten nicht bezahlt werden können.

 Wegen der steigenden Flüchtlingszahlen wurde eine Verwaltungsmitarbeiterin vom Außen- in den Innendienst versetzt. Sie soll sich unter anderem damit beschäftigen, passende Wohnungen für Asylbewerber anzumieten. „Als nur wenige Flüchtlinge kamen, konnten wir das nebenbei erledigen. Inzwischen hat die Arbeit aber derart zugenommen, dass das nicht mehr möglich ist“, sagte Ordnungsamtsleiter Köhler.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3