19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Nachtschicht mit Baggern

Brücken-Abriss auf der A7 Nachtschicht mit Baggern

Die Geräte erinnerten an Gebisse gefräßiger Urzeitmonster. Mit enormer Kraft zerhackten und zerquetschten die Meißel, Greifer und Zangen der Baumaschinen drei Brücken auf der A7. Für die Abrissaktionen in der Nacht zu Sonntag wurde die Autobahn zwischen Kaltenkirchen und Schnelsen-Nord rund 13 Stunden lang komplett gesperrt.

Voriger Artikel
Vollgas im Levo-Park
Nächster Artikel
Den Wildschweinen ganz nah

Auch die schon seit Monaten für den Verkehr gesperrte A7-Brücke im Verlauf des Kadener Weges (Kreisstraße 24) nördlich von Ellerau wurde in der Nacht zu Sonntag abgerissen.

Quelle: Michael Zwicker

Kaltenkirchen.  Ungewöhnlich ruhig und verlassen war die 23 Kilometer lange Strecke. An drei Stellen das komplette Gegenteil: Der Asphalt bebte. Denn bis zu vier Baggern nagten gleichzeitig an den drei Brücken. Metallgeländer knirschten und fielen scheppernd in Container. Tonnenschwere Hydraulikmeißel hämmerten Beton klein, Staubwolken stoben sogar im Regen auf.

 Verschwunden sind so über Nacht die A7-Brücke des Schirnauweges am Rande des Kaltenkirchener Erholungsparks, die Überführung im Zuge des Kadener Weges (Kreisstraße 24) nördlich von Ellerau und die Brücke über die Autobahn Höhe Bönningstedt.

 „Rund 2000 Tonnen Schutt fallen pro Brücke an. Metallschrott wird gleich aussortiert. Die Betonreste werden am Rand der A7 gelagert und kommen als Schotter beim Bau der neuen Fahrstreifen in den Untergrund“, sagte Ingenieur Peter Schreiber vom Baukonsortium Via Solutions Nord mit stets konzentriertem Blick auf die Abrissarbeiten. Schreibers Unternehmen ist für den sechsstreifigen Ausbau der A7 zwischen Hamburg und dem Bordesholmer Dreieck verantwortlich. Zu dem Projekt gehört auch, Dutzende Brücken nachzubessern oder ganz neu zu errichten. Denn die meisten Bauwerke, die über die A7 führen oder als Autobahnbrücken unter anderem Gleise und Flüsse überspannen, sind zurzeit nicht breit genug für sechs Fahrstreifen. „Andere sind zu alt. Der Beton wurde Jahrzehnte lang belastet und wird marode“, erläuterte Schreiber, der in der Nacht die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf auf den drei Großbaustellen hatte. Für den Experten nichts Neues. Er hatte schon beim Ausbau der A1 zwischen Hamburg und Bremen dafür gesorgt, dass dort etliche Brücken in Schutt verwandelt wurden. „Bald habe ich die Hundertste geschafft“, so der Abbruch-Routinier.

 Insgesamt waren rund 65 Männer für die Bauarbeiten und die Absicherung der gesperrten Strecke im Einsatz. Gut 200 Meter entfernt von der Brücke bei Ellerau harrten ein paar Schaulustige am Autobahnrand im Regen aus und warteten auf den Fall der Brücke. Einige hatten gehofft, die Spannbetonkonstruktion mit Stahleinlage würde in die Luft gejagt. Doch zum großen Knall kam es nicht. „Früher wurden Brücken gesprengt. Heute zerlegen Maschinen Beton und Stahl“, erklärte Schreiber.

 Hunderte Tonnen Kies mussten nach den drei Abrissen vom Asphalt geräumt werden. Der Sand war am späten Sonnabend unter und neben die Brücken geschüttet worden, damit herabfallende Metall- und Betonteile nicht die Fahrbahn beschädigten. Außerdem konnten auf dem gut 80 Zentimeter hohen Kiesbett die riesigen Abrissmaschinen besser manövrieren.

 Die drei Brücken über die A7 waren bereits Wochen und Monate vorher gesperrt und etliche Schilder mit Umleitungshinweisen aufgestellt worden. Auch der Abriss mit der Komplett-Sperrung wurde auf Info-Tafeln an vielen Straßen unübersehbar angekündigt. In zahlreichen Medien wurde mehrfach auf das ungewöhnliche Ereignis hingewiesen. Größere Verkehrsbehinderungen habe es nicht gegeben, teilte die Polizei am Sonntagmittag mit. Lediglich auf dem A7-Zubringer in Henstedt-Ulzburg hatte sich der Verkehr vorübergehend gestaut.

 Trotz der sorgfältigen Planung dauerte der Dreifach-Abriss mit den Aufräumarbeiten gestern Vormittag gut eine Stunde länger als geplant: Unter anderem verzögerte sich das Wegräumen der zahlreichen Absperrgitter und Info-Tafeln an den Zufahrten. Die drei abgerissenen Brücken sollen durch Neubauten ersetzt werden. Ende November werden sie wohl fertig sein. Bis dahin müssen Umwege gefahren werden.

 Im Zuge des sechsstreifigen A7-Ausbaus muss auch die stark befahrene Brücke der Landesstraße 320 über die Autobahn bei Dodenhof an der Kaltenkirchener Anschlussstelle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. „Das wird aber erst in zwei Jahren passieren“, kündigte Via-Solutions-Mitarbeiter Schreiber an. Für die Aktion muss dann ein A7- Abschnitt über 50 Stunden lang gesperrt werden. Aber es wird sofort eine Behelfsbrücke geben. So bleiben Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmer monatelang weite Umwege erspart.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Michael Zwicker

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige