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Nachhilfe für Zappel-Philipp

Bornhöved Nachhilfe für Zappel-Philipp

Sie sind eine Qual für Lehrer und für Mitschüler: Kinder, die ständig kippeln oder drauf los reden, ohne sich zu melden. In der Sventana-Schule ist ein Projekt angelaufen, das solchen Kindern helfen soll, die eigenen Kräfte unter Kontrolle zu halten.

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Bei Ergotherapeut Jakob Kleine (hinten Mitte) lernen Bornhöveds Schüler, wie sie sich körperlich und geistig im Unterricht unter Kontrolle halten können.

Quelle: Detlef Dreessen

Bornhöved. Schüler der Klassen 1 bis 7 werden einmal die Woche vor der ersten und nach der sechsten Stunde von Ergotherapeut Jakob Kleine betreut. Der Inhaber einer Praxis in Klein Rönnau ist Lehrersohn - und hat wohl auch deshalb vor einigen Jahren nach Auswertung zahlreicher Modelle ein eigenes Konzept entwickelt, das auf die Belange der Schule konzentriert ist, und das er schon in Bad Segeberger Schulen angewendet hat.

 „Herr Kleine ist eine große Hilfe für uns“, sagt Schulleiterin Bettina Becker. „Wir Lehrer sind ja nicht für so etwas ausgebildet.“ Zwar vermitteln die Lehrer den Schülern klare Regeln, wenn sie in die Schule kommen. Doch es reiche nicht, dass die Kinder die Regeln kennen und akzeptieren, so Kleine. Die Schwierigkeit bestehe darin, sich daran zu halten. Dies betrifft etwa Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen. Aber auch ganz gesunde Kinder können unter dem Problem leiden - und das manchmal aus Gründen, für die sie nicht verantwortlich sind.

 „Die Aufmerksamkeit sinkt zwangsläufig, wenn Kinder nicht mit den Füßen auf den Boden kommen“, weiß Kleine. „Das Gehirn will wissen, wo die Körperteile gerade sind. Dazu brauche es die sensorische Rückmeldung - entweder durch Bodenkontakt oder eben dadurch, dass Füße und Beine schwingen.“ Während der Schüler unbewusst die Lage der Gliedmaßen verortet, sieht der Lehrer den „Zappelphilipp“ und sagt: „Halt doch mal die Beine ruhig.“ Selbst wenn der Schüler ihm gehocht, fehlt nun die Aufmerksamkeit für den Unterrichtsstoff. Die einzige und einfache Lösung, so Kleine: Fußschemel.

 Ein anderes Beispiel: Die Haltung beim Sitzen entscheidet darüber, ob die Großhirnrinde aktiviert wird und damit die Aufmerksamkeit steigt. Wer vorne auf der Stuhlkante sitzt, hat mehr vom Unterricht. Wer dagegen zurückgelehnt im Stuhl hängt, erlebt alles um sich herum nur begrenzt.

 Kleine will den Schülern dieses Wissen vermitteln und ihnen Tricks zeigen, wie sie sich selbst immer wieder dazu anspornen, optimale Bedingungen herzustellen, richtig zu sitzen und die Füße hinzustellen. Statt auf Zurechtweisung setzt er auf positive Verstärkung. So spielen die Kinder in den gemeinsamen Ergo-Stunden Spiele, bei denen sie jedes Mal Lob bekommen, wenn sie vor spontanen Reaktionen einen Augenblick innehalten und auf das achten, was gerade wichtig ist.

 15 Sitzungen umfasst das Projekt in der Sventana-Schule pro Schuljahr. „Am liebsten würden wir das jede Woche machen“, sagt Bettina Becker. Leider bezahlen Krankenkassen nur Ergotherapiesitzungen in Praxen, nicht in der Schule. So bezahlen die Eltern einen kleinen Obolus, das Amt unterstützt Eltern mit klammer Haushaltskasse. Mehr freut sich Kleine über den Dank von Eltern und Lehrern, die ihm nach einigen Wochen melden, dass die Kinder ruhiger geworden sind und sich besser konzentrieren können.

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