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Sorgen machen Einbrüche und Internetdelikte

Kripo Segeberg Sorgen machen Einbrüche und Internetdelikte

Etwa alle halbe Stunde wird im statistischen Durchschnitt eine Straftat im Kreis Segeberg begangen. Die Palette reicht vom Ladendiebstahl bis zum Mord. Die Gesamtzahl sinkt in der Tendenz, ein zunehmendes Problem stellen aber Einbruchdiebstahl und Internetkriminalität dar, wie in einem Gespräch mit der Segeberger Zeitung zwei Segeberger Kripochefs schildern.

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Die Zahl der Einbruchsdiebstähle ist im vergangenen Jahr im Kreis Segeberg gestiegen.

Quelle: Landespolizei SH

Kreis Segeberg. Die beiden Beamten sprechen über Tendenzen im Jahr 2015, über Probleme mit der Aufklärung und mit den Gerichten. Sie sagen, warum oft junge Menschen die Opfer sind, wie es in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt zugeht und warum die Polizei mitunter für Auskünfte bezahlen muss. Ingo Minnerop leitet die Kriminalinspektion der Polizeidirektion Bad Segeberg, ist also für die Kreise Segeberg und Pinneberg zuständig. Den Kripostandort Bad Segeberg, einen von vieren, führt Stefan Kiehl. Weitere Abteilungen gibt es in Norderstedt, Elmshorn und Pinneberg. In den beiden Kreisen Pinneberg und Segeberg leben zusammen rund 600000 Menschen. Im Kreis Segeberg arbeiten rund 80 Kripobeamte.

 Im vergangenen Jahr registrierte die Kripo im Kreis Segeberg rund 15800 Straftaten, mit sinkender Tendenz. Zehn Jahre vorher waren es rund 20000 Straftaten. Knapp die Hälfte der Delikte aus 2015 wurde aufgeklärt. Tatverdächtige sind zu fast 80 Prozent Einzelpersonen, davon sind der Kripo etwa ein Drittel bereits einschlägig bekannt. Den materiellen Gesamtschaden aller Straftaten schätzt die Kripo auf knapp 21 Millionen Euro. Allein die Hälfte geht auf Diebstähle zurück, vieles aber auch auf Wirtschaftskriminalität und Betrug. Bei Mord, Totschlag und fahrlässiger Tötung ging oft ein Streit unter den Beteiligten voraus. Täter und Opfer entstammen oft dem selben Umfeld. Allerdings ermittelt die Kripo auch bei etlichen tödlich endenden Behandlungsfällen, wenn etwas unklar erscheint. 2014 konnten, bis auf eine, alle „Straftaten gegen das Leben“ aufgeklärt werden.

 

 Wie lief das Jahr 2015?

 „Die Zahl der Einbruchsdiebstähle ist gestiegen“, sagt Minnerop. Die Grenzen in Europa seien offener geworden, im wohlhabenden Kreis Segeberg existiere ein lukrativer Markt für Einbrecher. Als Täter ermittelt werden oft Deutsche. Es gebe aber auch ausländische Einbrecher, etwa aus Balkanländern oder aus Chile, meist in Banden organisiert.

 

 Warum wird die Hälfte der Straftaten nicht aufgeklärt?

 Das hängt unter anderem von den personellen Möglichkeiten ab, sagt Minnerop. Außerdem gewichte die Kripo Straftaten. „Einen Mord aufzuklären ist für uns wichtiger, als einem Fall von Beleidigung nachzugehen.“ Einbrüche seien schwer aufzuklären, auch Fahrraddiebstähle. Bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Ladendiebstahl sei die Aufklärungsrate hoch. Manchmal seien Zeugen auch zu schüchtern, sagt Minnerop. Sie meldeten sich etwa nach Einbruchdiebstählen nicht, weil sie die Polizei nicht stören wollten bei der Arbeit. Zuweilen fehlen zudem Zeugen, weil ganze Straßenzüge tagsüber unbewohnt sind. Die Eltern sind bei der Arbeit, die Kinder in der Ganztagsschule.

 

 Wer kümmert sich um  die Verbrechensopfer?

 „Bei Sexualstraftaten organisieren wir eine Nachbetreuung“, sagt Minnerop. Das sei nicht nach allen Straftaten möglich. Der Kripo sei bewusst, dass nach Einbruchdiebstählen die Hausbewohner oft erschüttert seien, weil ihr privater Schutzraum verletzt wurde.

 

 Warum sind oft junge Menschen Opfer von Straftaten?

 Weil viele Täter oft ebenfalls junge Menschen seien, sagt Minnerop. Sie müssten erst noch die Regeln der Gesellschaft verinnerlichen und spüren, dass Straftaten auch mit Strafe einhergehen. „Anders lernt man es manchmal nicht.“ Wer oft Straftaten begeht, den behält die Kripo als Intensivtäter im Auge. Sie bräuchten Hilfe, aber manchmal auch eine deutliche Ansage.

 

 Aber richtig ist, dass seit Jahren die Jugendkriminalität sinkt?

 Ja, sagt Minnerop. An Schulen würden vorbeugend viele Konfliktlotsen und Schlichter ausgebildet. Programme mit Pädagogen und Peer-Groups, also Gleichaltrigengruppen, hätten auf die Jugend positiven Einfluss. Die Polizei habe sich diesem Feld verstärkt gewidmet. Und wirkungsvoll sei auch, wenn einer Straftat rasch auf dem Fuße eine Strafe folgt.

 

 Warum ist Bad Segeberg die Kriminalitätshochburg im Kreis Segeberg?

 Das ist eine Folge der Statistik, meint Minnerop. In Bad Segeberg gebe es, bezogen auf die Einwohnerzahl, relativ viele Straftaten. Das hänge damit zusammen, dass die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt ist, mit vielen Schulen, Betrieben und großen Geschäften.

 

 Wie entwickelt sich die Kriminalität rund um Flüchtlinge?

 Angriffe auf Flüchtlinge oder deren Unterkünfte spielten keine Rolle. „Manchmal rufen Kahlköpfige Asylbewerbern was zu“, sagt Minnerop. Dabei bleibe es aber meist; ernsthafte fremdenfeindliche Delikte gebe es nicht. Die Straffälligkeit unter Flüchtlingen sei ebenfalls gering. Es gebe zwar manchmal Konflikte unter den Flüchtlingen, etwa in der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt: „Bei der Essenausgabe, bei der Taschengeldausgabe oder zwischen religiös und ethnisch unterschiedlichen Gruppen.“ Das halte sich aber in Grenzen und sei normal, wenn Hunderte oder Tausende Menschen auf engem Raum lebten, oder wenn Abläufe noch nicht klar geregelt sind, meint Minnerop. Bewährt habe sich, dass die Polizei in Boostedt mit einem Dutzend Beamten dauerhaft vor Ort sei, und nicht wie in Hamburg nur zu Kriseneinsätzen anrücke.

 

 Wie entwickelt sich die  Kriminalität im Internet?

 Das nimmt zu, sagen Minnerop und Kiehl. Über Internetportale werde viel Handel abgewickelt, aber Ware mal nicht oder falsch geliefert oder nicht bezahlt. Das Problem: Beim Ermitteln hat es die Kripo Segeberg mit internationalen Handels- und Internetkonzernen zu tun. Von denen Antwort zu erhalten, könne Wochen dauern. Und Auskünfte erteilen die Firmen meist nur, wenn auch das Siegel der Staatsanwaltschaft auf der Anfrage prangt, sagen die Kripoleute. Und außerdem ließen sich solche Firmen ihre Auskünfte bezahlen.

 

 Gibt es „Tatortreiniger“, wie es eine TV-Serie schildert?

 Ja, sagen Minnerop und Kiehl. Das sei kein Tätigkeitsfeld für die Polizei, sondern ein Markt für Privatfirmen. Und Tote sähen die Beamten durchaus viele, nicht nur bei einem Mord. Die Polizei wird von Ärzten zu Rate gezogen, falls eine Todesursache unklar ist. Für die psychologische Nachbetreuung der Kripobeamten, die manchmal Schreckliches sehen, gibt es ein internes Team.

 

 Urteilen Gerichte über Straftäter angemessen?

 Das möchten Minnerop und Kiehl nicht bewerten. Was aber die Arbeit der Kripo belaste, sagen sie: Die Gerichte stellen zunehmend „mehr Beweisforderungen“. Das Verfahrensrecht und Gerichtswesen seien immer ausgefeilter geworden, was wiederum mehr Detailarbeit der Kripobehörden erfordere. Manchmal sei es aber wohl nur Taktik der verteidigenden Anwälte, sagt Minnerop. Mit vielen Anträgen wollten manche Verteidiger ein Verfahren nur stören oder ganz kippen.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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