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107: Geboren vor dem 1. Weltkrieg

Pronstorf-Reinsbek 107: Geboren vor dem 1. Weltkrieg

Eine der ältesten Schleswig-Holsteinerinnen feiert am Dienstag ihren 107. Geburtstag. Für Irma Kluwe wird es trotz und wegen des hohen Alters keine große Party geben. Die alte Dame ermüdet schnell und meidet den Trubel.

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Irma Kluwe feiert am Dienstag ihren 107. Geburtstag in Pronstorf-Reinsbek.

Quelle: Petra Stöver

Pronstorf-Reinsbek. Als sie geboren wurde, war Deutschland noch ein Kaiserreich, der Erste Weltkrieg hatte noch nicht begonnen. Ein Jahrhundert lang meisterte sie ihr Leben selbstständig. Erst wenige Wochen vor ihrem 100. Geburtstag zog die damals noch rüstige Frau um ins Alten- und Pflegeheim Haus Waldfrieden in Reinsbek (Gemeinde Pronstorf). Kurz zuvor war ihre Tochter, mit der sie zusammen lebte, im Alter von 76 Jahren gestorben.

 Ihre Enkelinnen brachten die Großmutter in dem Heim unter und besuchen sie seitdem regelmäßig. „Die letzten Jahr hier waren wunderbar, wie in einer Familie“, blickt Irma Kluwe zurück. Aber seit einigen Monaten lasse die Gesundheit doch stark nach, sie könne immer schlechter gehen und hören. Es gehe „rauf und runter“. In ihrem Alter riskieren die Ärzte eine Hüftoperation nicht mehr. So verbringt sie die Tage in ihrem Zimmer, und der Fernseher sorgt für Unterhaltung. Wenn Sendungen aus Hamburg über den Bildschirm flimmern, erinnert sie sich gern an längst vergangene Zeiten in der Metropole. In Hamburg-Hamm wuchs sie auf, wohnte dann lange Zeit in Rahlstedt. „Ich hatte eine wunderschöne Kindheit und Jugendzeit.“ Wenn alte Filme mit Heinz Erhardt, dem unvergessenen Komiker, gesendet werden, lebt Irma Kluwe auf. Denn der Schauspieler ist wie sie Jahrgang 1909 und lebte lange Jahre im Hamburg, bis er im Alter von 70 Jahren in Hamburg-Wellingsbüttel starb.

 Bis vor Kurzem habe die Seniorin noch gern Kreuzworträtsel gelöst, sei ein wenig spazieren gegangen und mit anderen Bewohnern zusammen gesessen, erzählt Pflegefachkraft Gabriele Schönbom. Um sich mit der Ältesten im Haus zu verständigen, zückt sie schon mal ihren kleinen Block und schreibt die Frage auf. Dann bekommt sie ausführliche Antworten.

 „Wer schreibt, der bleibt“, gibt Irma Kluwe eine ihrer Lebensweisheiten zum Besten und guckt mit wachen Augen auf den Zettel. Gerne erzählt sie von den Hunden, die ihre Enkelin und die Heimleiterin manchmal mitbringen und denen sie dann ein Leckerli zusteckt.

 Lebenslustig und fröhlich sei die alte Dame gewesen, die auch Schicksalsschläge wegstecken konnte, berichtet Schönbom. Denn das lange Leben hat ihr einiges abverlangt. Ihre sechs Geschwister sind mittlerweile alle gestorben. Ihr erster Mann starb im Zweiten Weltkrieg, auch der zweite machte sie vor knapp 30 Jahren zur Witwe.

 Sie lernte einen Beruf, den es heute gar nicht mehr gibt: Plätterin. Dabei arbeitete sie mit Textilien aller Art, und nähte auch selbst Kleider. Dass eine Berufsausbildung für Frauen sehr wichtig sei, habe sie auch ihren Enkeltöchtern mit auf den Weg geben können.

 Die werden Dienstag zum Geburtstagskaffee im Alten- und Pflegeheim erwartet, ebenso Pronstorfs Bürgermeisterin Bettina Albert, Pastor Peter Lübbert und der Chor der Feuerwehr. Irma Kluwe hofft, vom kräftigem Männergesang ein wenig verstehen zu können. „Dass ich nicht mehr hören kann, das ist wirklich scheiße“, flucht sie und schlägt sich leicht auf den Mund. Denn das sagt man ja wirklich nicht, auch nicht mit 107.

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