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Polizei geht gezielt gegen Bande vor

Jugendkriminalität Polizei geht gezielt gegen Bande vor

Die Aufzählung liest sich wie der Auszug aus dem Strafregister notorisch Kleinkrimineller: Körperverletzung, Raub oder Diebstahl. Doch die Täter, um die es hier geht, sind Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, die in Bad Segeberg für Ärger sorgen. Die Polizei reagiert mit gezielten Aktionen.

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Die Bad Segeberger Polizei hat ihre Präsenz im Stadtgebiet erhöht. Mal wolle den Jugendlichen "auf den Füßen stehen", erklärte ein Sprecher.

Quelle: Ulf Dahl

Bad Segeberg. Obwohl es sich noch um Schüler handelt, halten Polizei und Staatsanwaltschaft es für dringend geboten, ein ganz besonderes Augenmerk auf diese nach SZ-Informationen inzwischen rund 30 Personen starke Gruppe zu legen. Aus diesem Grund wurde jetzt für das Gebiet von Bad Segeberg, vor allem für die erweiterte Innenstadt, nach dem Landesverwaltungsgesetz sogar die so genannte „Ortshaftung“ erklärt, in der Umgangssprache auch als „gefährlicher Ort“ bekannt. Die Anordnung ist erst einmal bis Ende der Woche befristet und ermächtigt die Ordnungsbehörden zu besonderen Maßnahmen.

„Wir haben aktuell einen harten Kern von etwa sechs Leuten, um die herum sich zahlreiche Mitläufer gruppieren“, erklärte Polizeioberkommissar Arnd Habermann, Sprecher der Direktion Bad Segeberg, am Dienstag. Das Problem mit dieser zum Teil höchst aggressiven Klientel sei erkannt und werde von den Verantwortlichen sehr ernst genommen. Man sollte die Situation allerdings auch nicht überdramatisieren, so Habermann. „Es geht hier eher um die Menge als um die Schwere der Taten.“

Viele Taten unter Drogeneinfluss

Bei den Betreffenden, die ihre Straftaten oftmals unter erheblichem Einfluss von Alkohol und illegalen Drogen verüben sollen, handelt es sich nicht nur um Bad Segeberger, sondern auch um junge Männer aus mehreren Orten im Umkreis der Kreisstadt, etwa Wahlstedt, Leezen und Bark-Bockhorn. Überwiegend besuchen sie das Berufsbildungszentrum (BBZ) in der Kreisstadt, aber auch andere weiterführende Schulen. Manche sind polizeiintern als Intensivtäter eingestuft. Migration spiele dabei allerdings keine entscheidende Rolle, stellte Habermann ausdrücklich klar. „Das geht quer durch den Garten.“

Im Zusammenhang mit dieser Gruppe, die sich selbst offenbar als eine Art feste Bande versteht, steht auch ein Aufsehen erregender Vorfall, der sich vor rund drei Wochen ereignet hatte: Nach einer Körperverletzung leistete ein Jugendlicher massiven Widerstand gegen die Polizei und verletzte dabei eine eingesetzte Beamtin erheblich – unter anderem, in dem er ihr ein Büschel Haare vom Kopf riss. Ein Test mit dem Atemalkoholmessgerät ergab bei dem vorübergehend Festgenommenen später einen Wert von über zwei Promille. Der Täter ist gerade eben strafmündig.

Auch die Stadt arbeitet mit

Dass die Verantwortlichen das Auftreten der Gruppe nicht auf die leichte Schulter nehmen, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass alle Beteiligten auf Initiative der Kieler Staatsanwaltschaft zu einem „Netzwerk Jugend“ zusammengerufen worden sind. Beteiligt daran ist auch die Stadtverwaltung, wie der zuständige Amtsleiter Dirk Gosch sagte. „Wir wollen die uns zur Verfügungen stehenden Instrumente und Kompetenzen einbringen.“ Es habe bereits Gespräche mit den Streetworkern und Schulsozialarbeitern gegeben. Dabei gehe es natürlich nicht um Strafverfolgung, sondern um Vorbeugung.

Die Polizei geht naturgemäß einen Schritt weiter. Nachdem die Revierleitung nach einer Lagebeurteilung einen Kriminalitätsschwerpunkt erkannt habe, gehe es ihr nun im wesentlichen um zwei Aspekte, wie Habermann sagte: Die Ordnungshüter würden personell stärker präsent sein, die Jugendlichen auch ohne konkreten Anlass kontrollieren und ihnen gegebenenfalls Einhalt gebieten. „Ihnen quasi auf den Füßen stehen.“ Dabei habe man dabei das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung im Blick.

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