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Herausforderung für Gasteltern

Jugendliche Flüchtlinge Herausforderung für Gasteltern

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind zu 95 Prozent männlich und stammen vorwiegend aus Syrien und Afghanistan. Als sie mit dem Flüchtlingsstrom auch in den Kreis Segeberg kamen, stand das Jugendamt vor einem Problem mit diesen sogenannten UMAs (unbegleitete minderjährige Ausländer).

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Bei ihnen leben unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit in der Familie. „Es läuft gut“, sagen die Gasteltern Angela Köstel-Hegeler und Peter Köstel (vorne), Marco und Carmen Kaack sowie Ute Carstensen (hinten von links).

Quelle: Patricia König

Bad Segeberg. Die jungen Flüchtlinge haben einen gesetzlichen Anspruch auf die Versorgung, die auch allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland zusteht. Anders als die Erwachsenen werden die Unter-18-Jährigen nicht nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz behandelt, sondern nach dem Jugendhilfegesetz. Nach der Aufnahme in einer Übergangseinrichtung in der Erstaufnahme in Boostedt wurden 165 UMAs im Kreis verteilt. Die jungen Männer stehen unter der Vormundschaft des Jugendamtes, das sie auf Jugendhilfeeinrichtungen, in Wohnungen mit ambulanter Betreuung und in betreute Wohnungen in der Jugendakademie oder in der JobA GmbH verteilt.

 „Doch für manche der oft traumatisierten Jugendlichen ist das nicht die beste Lösung“, erzählte der Leiter des Kreisjugendamtes, Manfred Stankat, den rund 30 Interessierten im Hotel Residence. Die hatten sich auf Einladung des Kiwanis Clubs Bad Segeberg eingefunden, um sich unter der Leitung von Kiwanis-Vorstandsmitglied Uwe Harm über die Probleme von minderjährigen Flüchtlingen und erste Lösungen auszutauschen. Einige der jungen Leute konnten in Gastfamilien unterkommen, die seinerzeit händeringend gesucht wurden, wie Stankat sagte. Auch Peter Köstel und seine Frau Angela Köstel-Hegeler erklärten sich damals bereit dazu. Sie sind eine Patchwork-Familie und haben zusammen sechs Kinder. Seit Dezember lebt ein 17-jähriger Afghane bei ihnen. „Es läuft gut“, erzählen die Bornhöveder. Doch merke man im Alltag den ganz anderen kulturellen Hintergrund, den Einfluss der Religion und das bisweilen schwierige Verhältnis zu Frauen. Darüber werde dann aber gesprochen.

 Erfahrungen, die andere Gasteltern bestätigten. „Die Motivation allein reicht nicht aus, um als Gasteltern fungieren zu können“, bestätigte Stankat. Die Aufnahme eines minderjährigen Flüchtlings, der zu Fuß vor dem Krieg aus seinem Land geflohen ist, sei eine Herausforderung für die Eltern. „Die Jugendlichen bringen einen Teil ihrer Herkunft mit“, erklärte Andrea Passberg von der Diakonie, die sowohl jugendliche Ausländer als auch Gastfamilien betreut. Dabei habe jeder individuelle Themen, und oft seien die Minderjährigen schon sehr selbstständig. Das bedeute, dass man als Eltern auch loslassen müsse und sie nicht in ein Korsett aus Regeln stecken dürfe.

 Gute Erfahrungen mit ihren Gastkindern haben Ute und Bahrne Carstensen aus Schackendorf sowie Carmen und Marco Kaack aus Trappenkamp gemacht. Bei den Schackendorfern leben neben den eigenen Kindern seit Januar ein 15- und ein 16-jährger Afghane in der Familie. In Trappenkamp sind seit Oktober ein 17-jähriger Afghane und seit letzter Woche noch ein 15-jähriger Pakistani – neben den eigenen Kindern – zu Hause. Alle gehen zur Schule und lernten durch den ständigen Umgang in der Familie sehr schnell die deutsche Sprache. Neue Probleme kommen erst auf alle zu, wenn die Gastkinder 18 Jahre werden. Dann gelten sie als Erwachsene; und es stellt sich die Frage, ob sie bei den Gasteltern wohnen bleiben, weiter zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder zurück in ihre Heimat müssen.

 Mittlerweile gibt es laut Stankat zwar ausreichend Gastfamilien, da der Zustrom von Flüchtlingen im Moment ganz versiegt sei. Doch auf lange Sicht gesehen seien sie ebenso willkommen wie Männer und Frauen, die ehrenamtlicher Vormund werden möchten. So will das Jugendamt seine Amtsvormünder entlasten, die aktuell neben 200 deutschen Mündeln nun auch 165 UMAs betreuen. Nach einer kreisweiten Kampagne hatten sich 80 Interessierte beworben. 50 davon erkannte das Amt als geeignet an, sie werden zur Zeit geschult. Zwei weitere meldeten sich noch während der Veranstaltung.

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