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Kabarett ohne Punkt und Komma

Mathias Richling in Wahlstedt Kabarett ohne Punkt und Komma

„Deutschland to go“ heißt das neue und hochaktuelle Kabarett-Programm von Mathias Richling, in dem mal wieder bekannte Politiker ihr Fett wegbekommen. Mit hoher Geschwindigkeit schlüpfte der 62jährige Schwabe in ihre Rollen und karikierte im ausverkauften Kleinen Theater mit viel Bühnenpräsenz Widersprüche in deren Auftritten.

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Kabarettist Mathias Richling präsentierte im Wahlstedter Kleinen Theater am Markt sein aktuelles Programm „Deutschland to go“.

Wahlstedt. Ohne Punkt und Komma servierte Richling eine schwungvolle Mischung aus bitteren Erkenntnissen - und am Ende ein wenig Hoffnung. Die Deutschen hätten ihre Koffer gepackt, sagte Richling, denn das Land sei nur noch ein Land zum Auswandern. Die Moral sei über Bord gegangen und leider auch die Freiheit – für die Sicherheit. Unsere Politiker bekämen aber noch eine letzte Chance: Sie müssen sich dem gnadenlosen Casting durch den Kabarettisten stellen. Otto Normalverbraucher hat demnach inzwischen begriffen, dass die gewählten Politiker nur die Angestellten der Bürger sind.

 Mathias Richling kam auf die Bühne gestürmt und wirbelte neunzig Minuten lang zwischen zwei mit bunten Koffern beladenen Gepäckwagen hin und her. Er schimpfte über die vielen Reglementierungen in unserem Land, über Rauchverbote, Fleischkonsum, nervige Meinungsumfragen, über religiöse Gefühle und Terroranschläge, über neue Kabinentür-Verordnungen in Flugzeugen, über Griechenland und Waffenlieferungen an Saudi-Arabien.

 Aus einem schwarzen Koffer holte er einen blauen Blazer, und schon war er – mit typischer „Körbchen-Handhaltung“ - Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich hätte bei der letzten Wahl fast die absolute Mehrheit gehabt - ein paar Stimmen mehr, und ich hätte alleine regieren können… ohne die CDU!“ Oder zu Deutschland: „Deutschland bleibt für mich die schönste Nebensache der Welt.“ Zum Auslandseinsatz der Deutschen: „Ja, in Brasilien … und wir haben sogar gesiegt!“ (mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014).

 Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bot sich für Kritik an: „Wieso wird mir vorgeworfen, ich sei gegen Minderheiten? Ich habe doch in der CSU die Frauenquote eingeführt, mehr kann man doch nicht wollen für die Eingliederung von Fremdkörpern in eine gewachsene Gesellschaft“.

 Durch den Kakao gezogen wurden auch SPD-Politiker Peer Steinbrück („Pleiten, Peer und Pannen“), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (mit rotem Koffer), und - herrlich - EU-Kommissar Günther Oettinger, der nicht weiß, welche Aufgaben er in Brüssel hat („Internet ist das, was zwischen zwei Menschen besteht“). Auch Ex-SPD-Politiker Sebastian Edathy, gegen den wegen des Verdachts auf den Besitz kinderpornographischen Materials ermittelt wurde, und die Grünen nahm sich Richling vor: „Die Grünen haben jetzt von der Pädophilie Abstand genommen, weil die Kinder zu alt geworden sind“.

 An anderer Stelle regte er sich über dümmliche Talkshows auf und die „bescheuerten Fragen“, die zum Beispiel TV-Moderatorin Sandra Maischberger dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nach dessen Wahlsieg gestellt habe: „Was haben Sie gefühlt, als Sie die Wahl gewonnen haben?“ Er: „Freude“. Sie: „Was haben Sie empfunden?“ Er: „Ich habe mich gefreut!“

 Am Schluss nach brausendem Beifall des begeisterten Publikums gab der Meister unter anderem diesen köstlichen Dialog als Zugabe: ein Gespräch zwischen dem Ketten rauchenden Helmut Schmidt und Gerhard Schröder über die SPD und ihre Wahlquote zum Bundeskanzler. Schmidt: „42 Prozent“, Schröder: „49 Prozent“. Schmidt: „Das verwechseln Sie mit der Nummer ihres Haarfärbemittels“.

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