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Bosbachs Grenzen der Toleranz

Kaltenkirchen Bosbachs Grenzen der Toleranz

„Wir dürfen nicht denen gegenüber tolerant sein, die gar nicht daran denken, uns gegenüber tolerant zu sein.“ Klare Worte des CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach zur Flüchtlingsfrage. 120 Zuhörer diskutierten mit ihm im voll besetzten Bürgerhaus Kaltenkirchens.

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Rotary-Präsident Dr. Stefan Benz (rechts) war froh, den bekannten CDU-Bundespolitiker Wolfgang Bosbach in Kaltenkirchen für einen Vortrag begrüßen zu können.

Quelle: Klaus-Ulrich Tödter

Kaltenkirchen. Rotary-Präsident Dr. Stefan Benz wollte den aus vielen Talk-Shows bekannten Bundestagsabgeordneten gerne nach Kaltenkirchen holen, war sich aber nicht sicher, ob das überhaupt klappen würde. Schließlich bekomme der Bundespolitiker rund 10000 Vortragsanfragen im Jahr, wovon er nur einen Bruchteil annehme. Der Kaltenkirchener Rotary Club hatte Glück und erhielt einen positiven Bescheid. Und der 64-Jährige kam auch wirklich, was bei prominenten Politikern nicht immer selbstverständlich ist; da würden den Veranstaltern häufig schon mal kurzfristige Absagen ins Haus flattern, wusste Dr. Benz.

 Kaum ein anderer Bundestagsabgeordneter ist so präsent in den Medien wie der Mann aus Bergisch Gladbach. Er ist in der Unionsfraktion zur bekanntesten Stimme gegen den Kurs der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel geworden. Wenn er seine Kritik äußert, tut er das stets pointiert, nie aggressiv. Auf die Reaktionen innerhalb seiner Partei ging Bosbach in seinem Vortrag auch ein: „Heute gelten offenbar schon jene als Rebellen, die bei ihrer Meinung bleiben.“

 Die Bandbreite der Themen, die der Abgeordnete - er ist seit 1994 im Bundestag - im Kaltenkirchener Bürgerhaus abbildete, war groß. Selbstverständlich gehörte auch die Flüchtlingskrise dazu. Bosbach machte Unterschiede deutlich: Da gebe es jene, die Krieg und Bedrohung hinter sich lassen wollen, jene, die aus sicheren Herkunftsländern kommen und ihren Lebensstandart verbessern möchten, und jene, die fundamentalistische Ansichten mitgebracht hätten.

 Über 80 Prozent der Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, hätten keine oder gefälschte Papiere, erklärte der Bundespolitiker. Das sei ein Unding, denn man müsse wissen, wer ins Land komme. Und die Verteilung müsse in Europa endlich gerechter werden. Es könne nicht sein, dass seine gut 110000 Einwohner zählende Heimatstadt 2015 mehr Flüchtlinge aufgenommen habe als Portugal.

 Sorge bereit Bosbach auch die Integration. Er befürchtet, das diese Aufgabe den Staat überfordern könnte. Denn nur knapp 20 Prozent der Zugereisten hätten eine berufliche Qualifikation in ihren Heimatländern erhalten, etwa 40 Prozent hingegen keine abgeschlossene oder überhaupt keine Schulbildung. „Da stehen wir vor ganz enormen Problemen, die nur mit einem erheblichen finanziellen Aufwand gelöst werden können“, sagte Bosbach

 Er betonte, dass Deutschland sich anstrengen müsse, um seinem Platz an der Weltspitze zu behalten. In einigen Bereichen wie auf dem Elektroniksektor habe das Land ihn schon lange verloren.

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Ein Artikel von
Klaus-Ulrich Tödter

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