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Ein Gewässer braucht Pflege

Kaltenkirchen Ein Gewässer braucht Pflege

Krückau, Ohlau und Schirnau sind ein gewohnter, alltäglicher Anblick, doch ihr guter Zustand ist keine Selbstverständlichkeit. Hermann Freese als Vorsitzender des Gewässerpflegeverbandes Krückau-Pinnau sagt: „Würden wir unsere Gewässer nicht betreuen, stünde die Stadt unter Wasser.“

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Gewässerschau an der Ohlau hinter dem Radensweg in Kaltenkirchen. Gerd Thies (4. von rechts) führte durch das Gelände.

Quelle: Heinrich Pantel

Kaltenkirchen. .Sein Kollege Gerd Thies ist der Vorsitzende des Gewässerpflegeverbandes (GPV) Ohlau, zu dessen Verbandsgebiet rund 75 Quadratkilometer mit einer 111 Kilometer langen Gewässerstrecke gehören. Der Kaltenkirchener erklärt: „Das Wasser muss kontrolliert abfließen.“ Läuft es zu schnell ab, kämen zum Beispiel in Bad Bramstedt und Kellinghusen erhebliche Wassermassen an, die dort Teile der Städte überfluten könnten. Der GPV Krückau-Pinnau umfasst mit 70 Qusadratkilometern eine ähnlich große Fläche.

 In der Arbeit der beiden Verbände geht es zu einem Großteil auch darum, Fehler aus der Vergangenheit zu beseitigen: die Begradigung vieler Flussläufe. So gehört eine naturnahe Rückentwicklung der Gewässer seit langem zu den Aufgaben der GPV.

 Eine Gewässerschau mit Dr. Ludwig Tent, einem renommierten Experten vom Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der Technischen Uni Hamburg-Harburg, zeigte dieser Tage, dass in Alveslohe in einem Abschnitt der Krückau ein sogenannter Mäandersandfang eingerichtet wurde, der den Flusslauf verlängert und verlangsamt. Der Sand, der sich dort ansammelt, wird von Zeit zu Zeit ausgebaggert. In direkter Nachbarschaft legte der GPV einen Auwald an. Er sorgt für Schatten und verhindert ein ungewolltes Aufheizen des Wassers. Gleichzeitig schafft der Wald einen Lebens- und Rückzugsraum für die heimische Tierwelt. Rund 70 Hektar beiderseits der Krückau hat der Pflegeverband seit 2008 gekauft, eine nahezu zusammenhängende Fläche. Sie wird von den Landwirten nur noch extensiv bewirtschaftet. Weniger Schadstoffeinträge gelangen ins Wasser, weil nicht mehr gedüngt wird.

 Auch im GPV Ohlau wurden mehrere Sandfänge mit Umleitungen eingerichtet. „Vor etwa vier Jahren fingen wir damit an“, erläutert Vorsitzender Thies. Wanderhindernisse für Fische verschwanden. An etlichen Stellen wurden große Steine und Stubben ins Wasser befördert, um das Fließverhalten der Flüsse zu verändern. Thies betont: „Wir müssen zur naturnahen Entwicklung der Gewässer zurückfinden.“ Er verweist auf die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die genau das fordert und mit finanziellen Mitteln fördert.

 Wenn in Kaltenkirchen in den letzten Jahren das Industriegebiet deutlich vergrößert wurde und mehr versiegelte Flächen entstanden, dann bedeutet das auch, dass bei Dauer- oder Starkregen mehr Wasser in Ohlau und Krückau gelangt. Die neuen Wohngebiete verstärken das Problem. Regenrückhaltebecken alleine reichen nicht. Überflutungsflächen am Stadtrand oder in den umliegenden Dörfern helfen. Wichtig ist beim kontrollierten Abfließen des Wassers, dass es bei übermäßigem Regen nicht in die Wohngebiete zurücklaufen kann. Auch da wird vorgebeugt. Am Radensweg zum Beispiel entsteht ein Poldergebiet, das ähnlich wie ein Rückstauventil wirken soll.

 Hermann Freese vom GPV Krückau-Pinnau meint, es sei nicht einfach, die richtige Abstimmung unterschiedlicher Interessen zu finden. Der Landwirt sagt: „Eine Industriegesellschaft ohne intensive Landwirtschaft gibt es nicht.“ Es gelte, Kompromisse zu finden. Wenn Berufskollegen zum Beispiel Flächen direkt neben den Flüssen abgekauft wurden, um ihnen an anderer Stelle Ausgleich anzubieten, dann sei das der richtige Weg.

 Mitglieder in einem Gewässerpflegeverband sind in der Regel die Grundstückseigentümer entlang des Gewässers und die Gemeinden in dessen Einzugsgebiet.

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