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Flüchtlinge wollen ausziehen

Kaltenkirchen Flüchtlinge wollen ausziehen

Schon als die Tennishalle an der Schirnauallee zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde, war klar, dass sie kein heimeliges Zuhause werden würde. Nun ist eingetreten, was viele Kaltenkirchener befürchtet hatten: Die Flüchtlinge fühlen sich in der Halle unwohl und wollen so schnell wie möglich ausziehen.

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Zwei Flüchtlinge zeigen ihre Ecke in der Tennishalle. Sie ist lediglich durch Bauzäune und Planen abgetrennt. Von den Nachbarn ist jedes Wort zu hören.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. In dieser Woche wurden sie deshalb zweimal im Rathaus vorstellig. Bürgermeister Hanno Krause bat sie darum, noch bis April auszuhalten. Erst dann sei ein Umzug möglich. Nur in dringenden Einzelfällen könne eher geholfen werden.

 Der erste Rathausbesuch der Tennishallen-Bewohner hatte am Montag für einiges Aufsehen in der Innenstadt gesorgt. Etwa 25 Flüchtlinge waren gemeinsam ins Rathaus gegangen und hatten dort den Bürgermeister sprechen wollen. Als ihnen mitgeteilt wurde, dass er nicht im Hause sei, weigerten sie sich, das Gebäude zu verlassen. Die Polizei rückte mit mehreren Wagen an. Die Diskussion, die trotz allem ruhig und friedlich geführt wurde, verlagerte sich daraufhin vor das Rathaus, wo die Menschenansammlung und das Polizeiaufgebot vielen Passanten auffielen.

 Mit den Asylbewerbern wurde vereinbart, dass eine Abordnung von ihnen am Mittwoch den Bürgermeister sprechen dürfte. Bei diesem Gespräch waren noch weitere Vertreter der Stadt dabei, um sich von den Problemen in der Tennishalle berichten zu lassen. Eine Dolmetscherin übersetzte für die Syrer und Iraker.

 Weil es keine andere Unterbringungsmöglichkeit gab, mussten im Dezember die ersten Asylbewerber in die notdürftig hergerichtete Halle einziehen. Es stellt sich mittlerweile heraus, dass alle 49 Bewohner unter der fehlenden Privatsphäre in ihrer Unterkunft leiden. Die Quartiere sind dort lediglich durch Bauzäune abgetrennt, die mit weißer Folie bespannt wurden. Das schützt zwar vor den Blicken der anderen, „aber man hört jedes Wort. Ich kann mich nicht privat mit meiner Ehefrau unterhalten“, ließ einer der Flüchtlinge übersetzen. Ärger gebe es auch um die Benutzung der Küche. Wegen Sprachproblemen zwischen Afghanen, Syrern, Irakern und Eritreern funktioniere keine Regelung. Schlafen sei ebenfalls schwierig, weil die Deckenbeleuchtung jeden störe: Entweder es ist für alle dunkel oder für alle hell.

 Hinzu kommt, dass in der Tennishalle 44 Männer leben und lediglich fünf Frauen. Sie fühlen sich daher sehr unwohl, zumal von einigen Männern nicht einmal die Damentoilette als Refugium der Frauen respektiert wird. Zumindest in diesem Punkt konnte die Stadt schnelle Hilfe zusagen: Die Damentoilette soll schon in diesen Tagen abgeschlossen werden. Die Schlüssel werden ausschließlich an die in der Halle lebenden Frauen ausgegeben.

 Abgesehen von dieser einfachen Sofortlösung musste der Bürgermeister die Asylbewerber um Geduld bitten. Bis April müssten sie noch aushalten, dann stehe die Lieferung der neuen Container für die Flüchtlingsunterkunft im Freizeitpark an. „Sie sind in sechs Wochen bezugsfähig“, sagte Hanno Krause. Der Neubau am Kamper Stieg mit 48 Wohneinheiten werde im Mai fertig. Darauf setzen die Einzelbewerber in der Tennishalle, die hoffen, dorthin umziehen zu können. Allerdings gibt es für diese Unterkunft weitere Anwärter: die jetzigen Bewohner des Containerdorfes, die an ihrem abgelegenen Standort ebenfalls unglücklich sind. Einige von ihnen leben schon seit Ende September dort.

 Im Wesentlichen soll es jetzt darauf hinauslaufen, dass die Flüchtlinge aus dem Containerdorf im Mai an den Kamper Stieg wechseln dürfen. Dann noch freie Plätze in den beiden Neubauten sind für einzelne Bewerber aus der Tennishalle reserviert. Für die übrigen Flüchtlinge aus der Sporthalle sind die neuen Container im Freizeitpark vorgesehen. Für Familien wird nach Wohnungen gesucht. „Unser Ziel besteht darin, die Tennishalle frei zu machen. Sie war immer nur als Notlösung gedacht“, sagte Bürgermeister Krause.

 Im Gespräch mit der Stadtverwaltung wurde ebenfalls deutlich, dass sich die Flüchtlinge mehr Kontakte zu Einheimischen wünschen, um die deutsche Sprache zu lernen. „In unserer Unterkunft sind wir immer nur unter uns“, sagte einer. Kontakte mit Deutschen herzustellen, sei angesichts der abgelegenen Lage der Tennishalle schwer: Sie befindet sich ganz am Rande eines Wohngebietes, in dem in dieser Jahreszeit – abgesehen von Hundebesitzern – kaum jemand auf der Straße ist.

 Um die Betreuung der Flüchtlinge in der Tennishalle kümmert sich ein Sozialarbeiter. Außerdem sind immer wieder Flüchtlingslotsen vor Ort. Sie haben im ehemaligen Tennisheim inzwischen ein Café eingerichtet, das an den Nachmittagen geöffnet ist. Es soll der Begegnung zwischen Asylbewerbern und Einheimischen dienen. Allerdings ist das Café bisher nur wenigen bekannt, so dass die Bewohner der Tennishalle auch dort kaum Kontakte zu ihren Nachbarn in der Region Lindrehm knüpfen können.

 Kaltenkirchen muss in diesem Jahr mit der Zuweisung von 300 neuen Asylbewerbern rechnen. 24 sind bereits angekommen. Zurzeit ist der Flüchtlingsstrom allerdings abgerissen, so dass es zuletzt keine weiteren Zuweisungen gab.

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