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Helfer auf dem allerletzten Weg

Kaltenkirchen Helfer auf dem allerletzten Weg

Den Gedanken an den eigenen Tod verdrängen viele Menschen. Beim ersten Palliativ- und Hospiztag im Kaltenkirchener Rathaus nutzten Vertreter von Vereinen und Experten, die Sterbende in der letzten Phase ihres Lebens begleiten, die Möglichkeit, über ihre Arbeit zu informieren. Rund 200 Besucher kamen.

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Christiane Fauck (links) und Christel Brunkert von der ehrenamtlichen Hospizgruppe Kaltenkirchen Bad Bramstedt und Umgebung begleiten Menschen in deren letzter Lebensphase.

Quelle: Alexander Christ

Kaltenkirchen. „Muss ich am Ende meines Lebens leiden?“ Diese Frage stellte der Vortrag des Kisdorfer Arztes und Palliativmediziners Dr. Sandu Deunert. „Leider ja“, lautete seine einleitende Antwort. Doch mit professioneller Unterstützung und wirksamen Medikamenten zur körperlichen oder seelischen Schmerzlinderung – wie beispielsweise Morphium und Cannabisprodukten in Verbindung mit anderen Substanzen – könne die Reise ins Jenseits erträglicher gemacht werden. Oder auch mit eher profan erscheinenden Dingen: „Eine Patientin äußerte als letzten Wunsch, noch einmal eine geräucherte Makrele essen zu dürfen,“ erzählte Dr. Deunert, „daraufhin fuhr eine Pflegerin zum Fischmarkt nach Hamburg, besorgte den Fisch und brachte ihn ans Sterbebett. Als die Sterbende den Duft aufnahm, lächelte sie glücklich und schloss dann für immer die Augen.“

 „Das Ehrenamt ist bei der Aufgabe, Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen, eine nicht wegzudenkende Größe“, sagte Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause, Schirmherr der Veranstaltung, in seiner Begrüßungsrede im mit etwa 80 Besuchern gefüllten Ratssaal des Rathauses. Diesen freiwilligen Dienst am Nächsten in der schwierigsten Lebensphase verrichten unter anderem die derzeit zwölf ehrenamtlichen Sterbebegleiter der Hospizgruppe Kaltenkirchen, Bad Bramstedt und Umgebung. „Wir haben im vergangenen Jahr 22 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. In fast allen Fällen ist die Angst vor dem Ungewissen und die Ohnmacht der eigenen Handlungsunfähigkeit die größte seelische Belastung. Und wenn sie sich mit dem Unvermeidlichen abgefunden haben, ist die Dankbarkeit für jede menschliche Zuwendung unendlich groß“, schilderte Sterbebegleiterin Christiane Fauck.

 Die Informationsveranstaltung wurde organisiert vom Palliativnetz Travebogen Lübeck, vom Kaltenkirchener Seniorenbeirat, vom Patientenförderverein Kaltenkirchen, vom Ärztenetz Henstedt-Ulzburg, von der Hospizgruppe des Deutschen Roten Kreuzes Henstedt-Ulzburg und dem ambulanten Pflegedienst „Bliev to Huus“. Über Möglichkeiten, auch in der letzten Lebensphase weitgehend ein selbst bestimmtes Leben zu führen, informierte der Kaltenkirchener Rechtsanwalt und Notar Ulrich Siefert. Er referierte zu den Themen Testament, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

 Rundum zufrieden waren Dagmar Lichtblau vom Palliativnetz Travebogen Lübeck aus Norderstedt und Klaus Stuber, unter anderem Vorsitzender des Seniorenbeirats Kaltenkirchen. Beide waren die treibenden Kräfte für die Ausrichtung des ersten Palliativ- und Hospiztages. Mit den Planungen war im Mai des vergangenen Jahres begonnen worden. Nach dem Erfolg der Premiere erwägen Stuber und Lichtblau, eine Neuauflage in ein bis zwei Jahren an gleicher Stelle.

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