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Hilfe im Sinne der Menschlichkeit

Kaltenkirchen Hilfe im Sinne der Menschlichkeit

Die ehrenamtlich tätigen Flüchtlingslotsen wurden im Rathaus für ihr Engagement geehrt. „Was Sie hier leisten, ist nicht selbstverständlich“, sagte Bürgermeister Hanno Krause zu den 29 anwesenden Helfern. Insgesamt gibt es in der Stadt 70 Lotsen für rund 300 Flüchtlinge.

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Isaak aus Eritrea und Amin aus Afghanistan kommen täglich ins Cafe Cosmos, auch um Tischtennis zu spielen.

Quelle: Ulrike Bundschuh

Kaltenkirchen. „Hier im Café Cosmos ist mein Leben“, sagt Khaled Sahyouni. Der 26-jährige Flüchtling aus Syrien ist seit acht Monaten in Kaltenkirchen. Café Cosmos, das ist das ehemalige Vereinsheim der KT-Tennissparte an der Schirnauallee, ein Treffpunkt für Flüchtlinge und viele der freiwilligen Helfer, die sich Tag für Tag um sie kümmern.

 Khaled Sahyouni lebte anfangs in der provisorisch zum Notquartier umgebauten Tennishalle und wohnt nun in der Unterkunft am Kamper Stieg. Dank der Hilfe von Gaby Schabram, seit Oktober 2015 als Flüchtlingshelferin dabei, spricht er schon ganz gut Deutsch. Inzwischen kümmert sich die Kaltenkirchenerin auch um seine beiden Freunde Ahmed Qelleh und Farouk Alhabal. Sie möchten mehr am deutschen Alltag teilhaben. Sahyouni ist etwas unglücklich in seiner Unterkunft, wo lauter alleinstehende Männer leben und kein Deutsch gesprochen wird. Er hätte gern mehr Kontakt zu einheimischen Familien, würde am liebsten in einer kleinen Wohnung mit deutscher Nachbarschaft leben.

 Die 70 Lotsen erledigen Behördengänge mit den Neuankömmlingen, begleiten sie zum Arzt, kümmern sich um Wohnraum, lernen mit ihnen die deutsche Sprache und wühlen sich durch Berge von Formalitäten, die diese Menschen alleine überhaupt nicht bewältigen könnten. Sie zeigen ihnen die Stadt, erklären ihnen einige Regeln und haben ein offenes Ohr für die Sorgen der Neuankömmlinge.

 Im Namen des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, überreichte Bürgermeister Hanno Krause den ehrenamtlichen Helfern den Anstecker „Helfende Hände“ und eine Dankeskarte. „Der Anstecker soll signalisieren, dass die große Aufgabe der Integration nur bewältigt werden kann, wenn alle ihre Hände ausstrecken und aufeinander zugehen“, zitierte Krause aus der Erklärung von Albig.

 Ohne das Café Cosmos wären viele Flüchtlinge noch nicht so weit, wie sie sind. Die freiwilligen Helfer machen mit ihnen Sprachübungen, spielen Gesellschaftsspiele und reden einfach miteinander. „Mir ging das ewige Gemecker auf den Geist“ erzählte Gaby Schabram, „ich wollte mir selbst ein Bild machen. Und ich war neugierig. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Menschen aus so abgelegenen Ländern wie Syrien, Afganistan oder Irak wirklich kennenzulernen? Erst hatte ich ein komisches Gefühl, dann wurde ich mit offenen Armen empfangen, die Leute sind nett, freundlich und sie wollen integriert werden.“

 „Weitere 313 Flüchtlinge könnten im Jahr 2016 noch Kaltenkirchen zugewiesen werden“, sagte Frank Dunemann vom Sozialamt Kaltenkirchen, der sich beeindruckt zeigte von der freiwilligen Leistung der Männer und Frauen, die ihre Freizeit den Flüchtlingen widmen. „Aktuell sind bisher nur 82 neue hinzugekommen, da die Grenzen in einigen Staaten geschlossen wurden. Sobald diese aber wieder geöffnet werden müssen wir mit einem erneuten Zulauf rechnen.“ Die neue Koordinatorin Cornelia Solich (die bisherige Ansprechpartnerin Nina Ben Hiba geht in Mutterschaftsurlaub) fand ebernfalls großes Lob: „Es ist eine wahnsinnige Leistung, die hier in den letzten zwei Jahren von den Flüchtlingslotsen erbracht wurde.“ Bürgermeister Krause unterstrich: „Ohne Sie geht es nicht, hier wird nicht bürokratisch gehandelt, sondern im Sinne von Menschlichkeit.“

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