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In der Gruppe weg vom Joint

Kaltenkirchen In der Gruppe weg vom Joint

Die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die regelmäßig zum Joint greifen und damit Probleme haben, steigt stetig. Ein Pilotprojekt für junge Menschen, die ihren Umgang mit der Droge verändern wollen, bietet demnächst die Ambulante und Teilstationäre Suchthilfe (ATS).

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Ein Konsument dreht einen Joint mit Marihuana, das sich in einer kleinen Plastiktüte befindet. In Kaltenkirchen startet ein Pilotprojekt für junge Kiffer, die von der Droge wegkommen wollen.

Quelle: dpa

Kaltenkirchen. Im November soll die Gruppe an den Start gehen. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Land Schleswig-Holstein. Bereits bis Mitte September hatten die Berater der ATS in Kaltenkirchen mehr Hilfesuchende vor ihrer Tür stehen als im ganzen Jahr 2015. Fast 80 junge Konsumenten suchten bis jetzt den Rat der Experten. Dabei sei auffällig, berichtet ATS-Leiter Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, dass viele Betroffene aus eigenem Antrieb die Beratungsstellen aufsuchen. „Früher sind die Eltern mit ihnen zu uns gekommen. Heute merken die Konsumenten selbst, dass sie Hilfe brauchen.“

 Wer den Joint am Wochenende als Lappalie abtut, den warnen die Fachleute der Suchthilfe. „Der Wirkstoff ist deutlich höher, die Droge konzentrierter als früher“, betont Tecklenburg. Die Auswirkungen auf Körper und Geist seien ganz andere. „Die Merkfähigkeit und Konzentration lässt nach, man ist unmotiviert, die Leistungen in der Schule oder in der Lehre werden schlechter, die Jugendlichen wollen nur noch abhängen“, beschreibt Nadine Burmeister. Zusammen mit Kerstin Klennert leitet sie die neue Gruppe. Ein Verharmlosen des Cannabis-Konsums werde dem Ernst der Sache nicht gerecht.

 Seien vor 25 Jahren noch harte Drogen und nebenbei Cannabis genommen worden, gebe es heutzutage viele, die nur zum Joint greifen, sagt Tecklenburg. „Die Kiffer aus den 90er Jahren sind anders als die Kiffer von heute.“ Bei jungen Konsumenten zieht sich das durch alle Gesellschaftsschichten und Schularten. Durch die höhere Konzentration des Wirkstoffes seien zum Teil regelrechte Entgiftungen nötig, um die Nutzer clean zu bekommen. Beim Landesverein für Innere Mission in Rickling gibt es laut Tecklenburg eine gesonderte Station für Betroffene.

 Schulen und Arbeitgeber sind nach Tecklenburgs Worten sehr sensibel bei dem Thema und raten den Gang zur Suchthilfe wie der ATS, die in Kaltenkirchen am Flottkamp 13b und 15b sowie in Henstedt-Ulzburg am Rathausplatz 3 zu finden ist. „Es gibt Schulen, die betroffenen Jugendlichen die Auflage machen, sich bei uns zu melden“, sagt Judith Maiwald, die Regionalleiterin der ATS in Kaltenkirchen.

 Das Pilotprojekt umfasst sieben Einheiten mit insgesamt 18 Stunden in der Kleingruppe. Die Treffen sind wöchentlich geplant. Themen wie „Wirkmechanismen von Cannabis“, „Ursachen und Folgen“ und der Besuch einer externen Drogenhilfeeinrichtung stehen auf dem Programm. Die Teilnahme an der Gruppenarbeit ist freiwillig.

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