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Jugend fühlt sich missverstanden

Kaltenkirchen Jugend fühlt sich missverstanden

Einmal im Monat bei einem Konzert ausnahmsweise Bier und Wein im Jugendhaus: Diesen Wunsch lehnte der Jugend-, Sport- und Bildungsausschuss erst einmal ab. Mit der Diskussion darüber sind die beteiligten Jugendlichen nicht glücklich. Sie fühlen ihr Anliegen in ein falsches Licht gerückt.

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Sie fühlen sich durch die Diskussion in der Kommunalpolitik missverstanden:Anke Kehrmann-Panten (von links), Peter Leizke, Jannis Möller und Leon Brandes, Silas Dwinger, Nele Andersen, Samantha Eigner, Torge Franck und Erik Strötzel, sowie Stefan Hüttmann (vorn) und Nadine Ruthenberg.

Quelle: Gudrun Ehlers

Kaltenkirchen. „Das war einfach am Thema vorbei“, sagte Anke Kehrmann-Panten von der Kaltenkirchener Tausendfüßler-Stiftung, die unter anderem das Jugendhaus am Marschweg betreibt, in einem Pressegespräch, um das vor allem die Jugendlichen gebeten hatten. „Es ging uns dabei um etwas ganz anderes, aber man könnte nach dem Artikel den Eindruck gewinnen, wir befürworten den Alkoholkonsum bei den Jugendlichen hier bei uns im Haus“, sagte Stefan Hüttmann, Mitarbeiter und Teamleiter im Jugendhaus. Auch Jannis Möller, der mit weiteren Jugendlichen an den Konzertprojekten im Jugendhaus arbeitet, findet: .„Es war aus dem Zusammenhang gerissen und stellt uns in einem ganz negativen Licht dar.“ Und Nele Andersen, ebenfalls aus der Gruppe der Jugendlichen, ergänzte: „Ich hatte den Eindruck beim Lesen, als würden wir hier ständig Alkohol haben wollen.“

 Die jungen Leute der Konzertprojektgruppe wollten, dass die Kommunalpolitiker über eine Satzungsänderung für das Jugendhaus beraten, so dass an den Konzertabenden Bier ausgeschenkt werden dürfte. Im Gebäude und auf dem dazugehörigen Außengelände herrscht derzeit absolutes Alkoholverbot. Das sei auch für alle völlig in Ordnung, das möchte keiner anders, auch nicht die Jugendlichen, stellten diese klar. „Es geht ihnen einzig um die Konzertabende einmal im Monat, an denen sie gerne auch einmal ein Bier trinken würden“, erklärte Hüttmann. Kein ungewöhnlicher Wunsch. „Es handelt sich bei den Besuchern der Konzerte um Jugendliche zwischen 16 bis 22 Jahren“, sagte Hüttmann. Laut Jugendschutzgesetz sind Jugendlichen ab 16 der Verkauf und der Verzehr alkoholhaltiger Getränke – außer Schnaps – erlaubt.

 Auch in anderen Jugendhäusern, wie zum Beispiel in Pinneberg im Geschwister-Scholl-Haus, im Juki 42 in Ahrensburg und in der „Mühle“ in Bad Segeberg ist nach ihren Worten der gemäßigte Alkoholausschank an Jugendliche gestattet. „Ich bin stolz auf die jungen Leute, sie haben nicht bloß einen Wunsch geäußert, sie haben sich vorher zusammengesetzt, darüber beraten und sich selbst etliche Fragen dazu gestellt,“ sagte Anke Kehrmann-Panten von den Tausendfüßlern. „Ihnen ist die Problematik, die sich mit dem Alkohol ergibt, durchaus klar.“

 Auf alle Fälle wird jetzt nachgebessert. Die jungen Leute vom Jugendhaus wollen das Gespräch suchen mit den Ausschussmitgliedern. „Das hätten wir schon vorher machen sollen“, räumte Kehrmann-Panten ein, „dann wären gar nicht so viele offene Fragen mehr gewesen.“ Es soll auch enger mit der ATS-Suchtberatung zusammengearbeitet werden. „Der Alkoholkonsum würde von den Mitarbeitern des Jugendhauses beaufsichtigt und wir wollen ein Alkohol-Testgerät anschaffen“, kündigte der Teamleiter für den Fall an, dass dem Wunsch doch noch gefolgt wird.

 „Wir arbeiten hier in der offenen Jugendarbeit, das bedeutet, dass bei uns die Jugendlichen in allem was wir machen, sehr stark mit eingebunden sind,“ betonte Stefan Hüttmann. „Sie werden um ihre Meinung gefragt, sie dürfen mit entscheiden und sie können selbstverständlich auch Vorschläge machen. Die Jugendlichen werden von uns ernst genommen.“ Dieses Gefühl hatten sie an anderer Stelle offenbar nicht.

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