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Unmut am Kisdorfer Weg

Kaltenkirchen Unmut am Kisdorfer Weg

Die Komplettsanierung des Kisdorfer Weges wird teuer. Trotzdem soll sie den Haushalt der Stadt deutlich weniger belasten, als von den meisten angenommen. Auf einer Anwohnerversammlung im Rathaus wurde den Grundstücksbesitzern eröffnet, dass sie 85 Prozent der Kosten für die Straßensanierung zu tragen haben.

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Der Kisdorfer Weg hält dem heutigen Auto- und Schwerlastverkehr nicht mehr stand und muss daher saniert werden.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Die Erneuerung der Entsorgungsleitungen, also der Regen- und Schmutzwasserkanäle, hat die Stadt allerdings allein zu bezahlen. Die übrigen Arbeiten sollen 8 Millionen Euro kosten. Welchen Anteil die reine Straßensanierung daran hat, für die die Anlieger zur Kasse gebeten werden, kann derzeit noch nicht beziffert werden. Diese Unsicherheit war es, die in der Sitzung für Unverständnis sorgte und auch Befürchtungen weckte.

 Dass die Anwohner würden zahlen müssen, war schon lange klar. Allerdings gingen die meisten von ihnen bislang davon aus, an einer Durchgangsstraße zu leben. Wäre das der Fall, müssten sie bei der anstehenden Straßensanierung lediglich einen geringen Prozentsatz der Bausumme bezahlen.

 Als die Stadtverwaltung in der Versammlung dann mitteilte, der Kisdorfer Weg sei von einem Gutachter als Anliegerstraße eingestuft worden, wurde das zunächst mit Gelächter quittiert. Kaum einer mochte das glauben, denn schließlich wird die Straße von den meisten als Verbindungsweg unter anderem nach Kisdorf, Henstedt, Oering und Wakendorf II wahrgenommen.

 Die Einstufung als Anliegerstraße entlastet die Stadt und belastet die Besitzer der Grundstücke. Sie sollen nun den Löwenanteil der Kosten für die Straßensanierung tragen. Veranlagt werden die Eigentümer, nicht die Mieter.

 Die Kosten für das gesamte Bauvorhaben werden bislang mit 9 Millionen Euro angegeben. Davon müssen die Kaltenkirchener Stadtwerke rund 1 Million Euro für die Verlegung neuer Versorgungsleitungen für Gas, Strom oder auch Frischwasser alleine tragen.

 Die Ausgaben für alles, was mit der Erneuerung der Straße zusammenhängt, werden zu 15 Prozent von der Stadt finanziert. Der Rest wird nach einem komplizierten Verteilerschlüssel auf die Grundstücksbesitzer umgelegt.

 Eine Anliegerstraße ist dadurch definiert, dass sie die Verkehrsströme, die sie zu tragen hat, zu mehr als 50 Prozent selbst auslöst. Das bedeutet, dass die meisten Autos und Lastwagen, die sie befahren, auch tatsächlich in genau diese Straße wollen oder von dort kommen. Weil im Kisdorfer Weg große Unternehmen wie beispielsweise Famila, Aldi und Interturbine sowie mehrere Praxen angesiedelt sind, trifft diese Definition auf die Straße tatsächlich in hohem Maße zu. Allerdings wohnen im Kisdorfer Weg auch Einzelhausbesitzer, die nun Sorge haben, die Kosten in noch unbekannter Höhe nicht tragen zu können. Fest steht, dass sie deutlich weniger bezahlen müssen als die Unternehmen. Dennoch rechnen die Hausbesitzer mit erheblichen Belastungen.

 Ein Rentner, der an der Kreuzung Oersdorfer Weg / Kisdorfer Weg wohnt, fühlt sich sogar doppelt gestraft. „Ich habe schon den Oersdorfer Weg mitbezahlt und nun auch noch den Kisdorfer Weg?“, fragte er schockiert. Seine Schlussfolgerung. „Da kann man sich als Rentner gleich einen Strick nehmen!“

 Wie viele Kosten auf den Einzelnen zukommen werden und wie sie sich verteilen, konnte Bürgermeister Hanno Krause in der Versammlung noch nicht sagen. Erst müsse das Gebotsverfahren im Mai abgewartet werden, meinte er. Wenn dann Angebote für die Sanierung der Straße eingegangen seien, wisse die Verwaltung mehr. Bis zum Sommer soll zumindest einem Teil der Anwohner eine Größenordnung genannt werden können.

 Auf die Nachfrage, ob die anvisierte Gesamtsumme von 9 Millionen Euro mit Sicherheit eingehalten werden könne, wollte die Verwaltung keine Versprechen abgeben. Niemand könne mit Gewissheit sagen, welche Gegebenheiten im Baugrund angetroffen werden, hieß es.

 Ein weiteres Problem, das immer wieder angesprochen wurde, war die Erreichbarkeit der Grundstücke. Die Straßenbauarbeiten werden im Mai beginnen und sich bis Ende 2016 hinziehen. Auf den drei Bauabschnitten wird es nacheinander Vollsperrungen geben. Die Verwaltung sowie die zuständigen Ingenieure sagten den Betroffenen jedoch zu, dass ihre Grundstücke immer zumindest von einer Seite angefahren werden könnten. Das ist unter anderem für die Kinderarztpraxis Neumann und Weise von fundamentaler Bedeutung. „Wenn beispielsweise ein Kind mit einem Diabetesschock zu uns kommt, muss es sofort ins Krankenhaus gebracht werden können. Dass das dann nicht möglich sein könnte, ist unsere große Sorge“, sagte Dr. Sylke Neumann.

 Die Sanierung soll auf dem Teilstück zwischen Rudolf-Diesel-Straße und Werner-von-Siemens-Straße beginnen. Dieser Abschnitt muss bis Mitte Oktober abgeschlossen sein, weil dann das neue Geschäftscenter Ohland-Park eröffnet wird. Die Bauabschnitte 2 und 3 sind für 2016 vorgesehen, aber noch nicht genau terminiert. Abschnitt 2 umfasst das Teilstück zwischen der Werner-von-Siemens-Straße und der Feldstraße. Zuletzt wird der Abschnitt zwischen dem Oersdorfer Weg und der Rudolf-Diesel-Straße in Angriff genommen.

 Weil auch die Kanäle saniert werden müssen, wird bis in eine Tiefe von 6,50 Metern gegraben. Zum Schluss erhält der Kisdorfer Weg eine neue Asphaltdecke. Das Erscheinungsbild der Straße wird sich ändern. Ihre bisherige Breite von 8 bis 9 Metern wird auf 6,50 Meter verengt. Dafür wird es an beiden Seiten einen modernen Fuß- und Radweg geben. Die Zufahrt zum Ohland-Park erhält eine Ampelanlage, die Kreuzung Oersdorfer Weg / Kisdorfer Weg möglicherweise einen Kreisel. In Höhe des Sozialkaufhauses und bei Interturbine werden Querungshilfen für Fußgänger gebaut.

 Der Kisdorfer Weg wurde in den 1960er Jahren angelegt. Er muss heute deutlich mehr Tonnage und Verkehr tragen als früher. Dem ist der Unterbau der Straße nicht mehr gewachsen. Auch der Querschnitt der Kanäle reicht nicht mehr aus, um Regen und Abwasser aufzunehmen sowie abzuleiten.

 Bis 2002 war der Kisdorfer Weg eine Kreisstraße. Erst danach wurde er von der Stadt übernommen. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren für eine Straße wurde er also bereits marode übergeben, folgerten die Anwohner. Bürgermeister Krause wollte ihnen aber keine Hoffnungen machen, dass heute noch eine Entschädigung vom Kreis Segeberg zu holen sei. „Dann könnte man den Kisdorfer Weg ja zurückgeben“, schlug ein Anwohner alternativ vor. Ernst gemeint war die Idee nicht, zumal auch dafür die Erfolgsaussichten gegen Null streben dürften.

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