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Walter Kohl - im Schatten des Vaters

Kaltenkirchen Walter Kohl - im Schatten des Vaters

Der Mann hat viel durchgemacht, und er erzählt erstaunlich offen davon: Walter Kohl (52), Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (86), hielt vor gut 150 Gästen im Hotel Dreiklang einen Vortrag über das Thema „Innerer Frieden & Versöhnung“.

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Walter Kohl hielt im Hotel Dreiklang vor geladenen Gästen einen Vortrag zum Thema „Innerer Frieden & Versöhnung“.

Quelle: Ulrike Bundschuh

Kaltenkirchen. Ein Leben im Schatten es übermächtigen Vaters, eine von der Politik und ihren Mechanismen geprägte Familie, schließlich der Selbstmord der Mutter – Walter Kohl berichtete ungeschminkt. Er schilderte den Suizid seiner damals 68-jährigen Mutter Hannelore im Jahr 2001, berichtete vom Scheitern seiner ersten Ehe und von den Auswirkungen der CDU-Parteispendenaffäre auf das Leben der gesamten Familie Kohl – 18 Monate, die ihm buchstäblich „den Boden unter den Füßen weghauten“, wie Kohl sagte. Die Zuhörer erfuhren, dass seine Mutter sich in seinem Kinderzimmer und in seinem Bett das Leben genommen hatte, ein Umstand, der ihn auf das Härteste traf. Es gab eine Phase in dieser Zeit, in der er ebenfalls versuchte, sich umzubringen, „aber noch nicht mal das hab’ ich geschafft“, wie er freimütig zugab.

 Der Sohn von Helmut Kohl zu sein, empfand er in seiner Jugend als eine schwere Bürde. Inzwischen hat Walter Kohl seinen Frieden gefunden, indem er sich mit der Vergangenheit versöhnt hat. Diesen Weg möchte er auch seinen Zuhörern zeigen und seine Erfahrungen weitergeben. Sein Credo: „Leben statt gelebt zu werden.“ Walter Kohl hat sich selbst aus seiner schlimmsten Krise wieder ins Leben zurück geholt und will nun als Coach anderen Menschen ihn ähnlicher Lage helfen. Im Dreiklang blieb trotz allem nicht verborgen, dass er mit seiner Vorgeschichte noch nicht gänzlich abgeschlossen hat. Er sagt, man müsse die Vergangenheit annehmen. Ob ihm das wirklich gelungen ist, weiß nur er.

 Eine Folie seines Vortrages zeigte eine Skulptur in Solingen aus drei Wackersteinen mit dem Titel „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“, anhand derer er versuchte, bildlich darzustellen, warum jemand am Leben scheitert. Das Kunstwerk besteht aus drei Köpfen. Der mittlere, der die Gegenwart symbolisiert, wird von der Vergangenheit zerquetscht und lässt keinen Blick auf die Zukunft zu. Als Gegenentwurf auf diese Skulptur ließ er sich eine Holzfigur von derselben Künstlerin anfertigen, die ihn auf allen Reisen begleitet und die er im Publikum reihum gehen ließ. Sie zeigt ebenfalls drei Köpfe, aber der Kopf der Vergangenheit ist von den anderen beiden – Gegenwart und Zukunft –getrennt. „Nur wenn wir Frieden mit der Vergangenheit haben und Sinn für die Zukunft haben, dann haben wir auch Kraft und Lebensfreude für die Gegenwart“, sagte Walter Kohl.

 Uwe Heymann, Geschäftsführer des Hotels Dreiklang, bedankte sich beim Referenten für den emotionalen Vortrag und kündigte an, im nächsten Jahr einen mehrtägigen Workshop mit Walter Kohl auszurichten. Die Gäste des Abends, überwiegend Kunden des Hauses aus dem Seminar- und Tagungsgeschäft, hatten im Anschluss an die Veranstaltung Gelegenheit, mit dem Redner zu diskutieren.

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