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Turbulente Sitzung

Kaltenkirchener Bauverein Turbulente Sitzung

Das Jahr 2015 lief nicht gut für das Kaltenkirchener Wohnungsunternehmen Bauverein, denn es endete mit gut 100000 Euro Minus. Trotzdem wurde zum Ärger vieler Mitglieder eine vierprozentige Dividende gezahlt. Für Unmut sorgte zudem eine missglückte Aufsichtsratswahl.

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Für 25-jährige Mitgliedschaft im Bauverein wurden geehrt (von rechts): Winfried Gärtner, Edda Jacobsen und Wolfgang Spletstösser.

Quelle: Klaus-Ulrich Tödter

Kaltenkirchen. Bei der Wahl kam es zu einer Kampfabstimmung, die auch nach Ende der Zusammenkunft für reichlich Diskussionen sorgte. Viele der Teilnehmer hielten sie für nicht rechtmäßig.

 Aufsichtsratsvorsitzender Johann Fuhlendorf hatte die 134 Stimmberechtigten gefragt, ob eine geheime Abstimmung gewünscht werde. Das wurde von den Mitgliedern nicht gefordert, weil sie davon ausgingen, dass der vom Aufsichtsrat zur Wiederwahl vorgeschlagenen Christian Tesdorff (54) einziger Kandidat sei. Doch der 46-jährige Carsten Heidtmann schlug sich noch selbst vor. Fuhlendorf ließ daraufhin über Tesdorff abstimmen und meinte, ohne dass die genaue Stimmenzahl ermittelt wurde, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten sich für ihn gemeldet und er damit gewählt sei. Wütende Proteste waren die Folge. Somit musste erneut abgestimmt werden. Im überfüllten Bürgerhaus-Saal war es für die Zähler schwierig. Nach ihrem Ergebnis erhielt Tesdorff 63 Stimmen, Heidtmann 46. Nach Enthaltungen fragte Fuhlendorf nicht. Somit blieb unklar, ob die Zahlen stimmten, weil die fehlenden 25 Stimmen nicht nachgezählt wurden. Fuhlendorf erklärte Tesdorff zum gewählten Aufsichtsratsmitglied.

 Zuvor musste sich der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums unbequeme Fragen zum Defizit gefallen lassen, das vor allem auf die Personalkosten zurückzuführen ist: Sie stiegen um fast 400000 Euro. Den größten Teil dieses Betrages machte offenbar die Abfindung von Ex-Vorstand Stefan Ellendt aus, von dem sich der Bauverein im letzten Jahr überraschend getrennt hatte, nachdem zuvor noch sein Vertrag verlängert worden war. Zu den genauen Trennungsgründen durfte Fuhlendorf aus rechtlichen Gründen nichts sagen. „Unterschiedliche Ziele bei der Unternehmensausrichtung“ lautete die offizielle Lesart. Es soll heftige interne Differenzen gegeben haben, was sich aus einer Randbemerkung Fuhlendorfs entnehmen ließ: Er sagte, dass das Betriebsklima beim Bauverein nun wieder gut und die Geschäfte wieder angelaufen seien.

 Für weiteren Unmut sorgte bei vielen Genossenschaftsmitgliedern die Ankündigung, trotz des Jahresdefizites eine Dividende von vier Prozent zu zahlen, die aus der mit rund 8,9 Millionen Euro gut gefüllten Rücklage entnommen wird. „Man kann doch nicht etwas verteilen, wenn das Unternehmen Verluste gemacht hat“, kritisierte Holger Behrmann, „das geschieht doch nur, um die Mitglieder ruhig zu stellen.“ Die Unternehmens-Verantwortlichen stellten klar, dass sie 2015 keinen Verlust ausgewiesen hätten, wenn nicht durch die Unachtsamkeit eines Ahrensburger Notars ein Immobilenverkauf noch im letzten und nicht erst in diesem Jahr zum Abschluss gebracht worden wäre. Im übrigen sei eine Rücklage bei einem kerngesunden Unternehmen wie dem Bauverein auch gerade für solche Fälle da, argumentierten die Vorstände Christian Schwalger und Peter Göttsche. Die Mitglieder stimmten mit großer Mehrheit für die Dividendenzahlungen und entlasteten sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat.

 Der Kaltenkirchener Bauverein hat über 2300 Mitglieder und beschäftigte zum Stichtag Ende des vergangenen Jahres 24 Voll- und sieben Teilzeitmitarbeiter. Er besitzt fast 2000 Wohnungen, Reihenhäuser, gewerbliche Objekte, Garagen und Büros. Die Bilanzsumme betrug 70,2 Millionen, das Eigenkapital 54,1 Millionen und die Geschäftsguthaben 2,7 Millionen Euro. Die Durchschnittsmiete betrug 5,43 Euro pro Quadratmeter und lag damit nur minimal über der von 2014.

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