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Kaltenkirchen Alles freiwillig

Mit Enthusiasmus wurde vor fünf Jahren die Gruppe „Nachbarn für Nachbarn“ in der Wulfskampsiedlung ins Leben gerufen. Sie sollte ein Pilotprojekt der Nachbarschaftshilfe werden und in andere Quartiere ausstrahlen. Das klappte bisher nicht, aber im Wulfskamp funktioniert die Gruppe erfreulich gut.

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Die Gruppe „Nachbarn für Nachbarn“ traf sich früher monatlich, inzwischen hat sich ein Zwei-Monats-Rhythmus in Kaltenkirchen eingespielt.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Die Gruppe „Nachbarn für Nachbarn“ ist kein geschlossener Kreis oder Verein. Sie hat sich etabliert und ist vor allem für Senioren ein gern genutzter Weg bei der Bewältigung kleiner Alltagshürden.

 Es gibt keine Satzung, und Mitgliedsbeiträge werden auch nicht erhoben. Vielmehr soll das Angebot bewusst niedrigschwellig sein: Jeder kann kommen und Hilfe in Anspruch nehmen oder anbieten. Wer irgendwann keine Lust mehr dazu hat, braucht sich nicht abzumelden. „Alles läuft auf freiwilliger Basis“, erklärt Ulrich Mildenberger vom Pflegestützpunkt im Kreis Segeberg, einer der Organisatoren.

 Um dem Projekt Schwung zu geben, wurde die Gründung nicht von Privatleuten angeschoben, sondern von bekannten Institutionen und Partnern. Das waren damals die Stadt Kaltenkirchen, Seniorenbeirat, Arbeiterwohlfahrt, Volkshochschule, Pflegediakonie, Bündnis für Familie und evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Als Vorbild diente „Nachbarn für Nachbarn“ in Bad Segeberg. Diese Gruppe hatte sich zwei Jahre zuvor gegründet. Inzwischen ist sie in Bad Segeberg in vier Stadtquartieren vertreten.

 Das Projekt ist nicht dafür gedacht, professionelle Dienstleister oder Handwerker überflüssig zu machen. Es sind eher die kleinen Gefälligkeiten, die bei „Nachbarn für Nachbarn“ nachgefragt werden. „Falls jemand beispielsweise beim Laubharken Unterstützung braucht, kann er sie in der Gruppe finden“, erklärt Ulrich Mildenberger. Oder es können auch nach einem Unfall Fahrdienste für Besuche im Krankenhaus vermittelt werden. So wurde Dieter Bracke beispielsweise nach dem letzten Starkregen im Dezember zum Wasserschippen in einen überschwemmten Keller gebeten. „Außerdem habe ich durch die Vermittlung der Tausendfüßler-Stiftung auch schon bei einer Flüchtlingsfamilie Gardinen aufgehängt“, berichtet er. Besonders habe ihn gefreut, als wenig später ein Junge aus der Flüchtlingsfamilie erneut und mit weiteren Gardinenstangen vor seiner Tür gestanden und aus eigenem Antrieb um nochmalige Unterstützung gebeten habe. „Er hat mir dann auch meine Leiter rüber getragen“, erzählt Bracke.

 Die Liste der Dienste ist mittlerweile lang und reicht von der Hilfe beim Einkaufen bis hin zur Begleitung bei Arztbesuchen und Ausflügen. Es sind spontane Hilfsdienste, die so ermöglicht werden sollen. Auf Regelmäßigkeit ist „Nachbarn für Nachbarn“ nicht ausgerichtet.

 Alle zwei Monate gibt es Treffen, bei denen Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden. Inzwischen ist der harte Kern der Gruppe bereits derart eingespielt, dass die Vermittlung auch über den Gartenzaun hinweg klappt: Jeder weiß in etwa, wen er in wofür ansprechen kann.

 Viele Bürger sind hilfsbereit. Die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, ist hingegen groß. Auch aus diesem Grunde erreichen die „Nachbarn für Nachbarn“ bislang nicht so viele Mitbürger, wie einst erhofft. Die Gruppe begann vor fünf Jahren mit rund 60 Unterstützern; davon machen heute noch etwa 40 mit. Dieser harte Kern, zu dem gelegentlich neue Helfer hinzustoßen, hat aber immerhin eine hohe Eigendynamik entwickelt. Wie viele Dienste vermittelt werden, lässt sich daher gar nicht beziffern. Sicher ist aber: Die Nachbarschaftshilfe kommt an. Kurzfristig und kostenlos.

 Die Ausweitung des Projektes auf andere Stadtteile wurde nicht offiziell aufgegeben. Verfolgt wird sie aber auch nicht mehr. Stattdessen sind inzwischen Bürger aus anderen Gegenden Kaltenkirchens zur Wulfskamp-Gruppe hinzugestoßen. Am Wohnort soll die Teilnahme nicht scheitern.

 Die Gruppe trifft sich im Zwei-Monats-Rhythmus, und zwar immer am vierten Mittwoch des Monats. Die Zusammenkunft findet ab 15 Uhr im Gemeinschaftshaus der Tausendfüßler an der Schützenstraße 45 statt. Nächster Termin ist der 22. Juli. Dann soll gegrillt werden.

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