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Sterben gehört zum Leben dazu

Hospizgruppe auch in Bad Bramstedt Sterben gehört zum Leben dazu

Die letzten Tage und Stunden des Lebens in Würde verbringen und vor allem nicht allein - das wünscht sich wohl jeder. Doch nicht immer ist das möglich. Viel zu oft sterben alte oder kranke Menschen allein zu Hause oder in der Anonymität eines Krankenhauses. Ehrenamtliche Sterbebegleiter wollen das vermeiden. So auch die Hospizgruppe Kaltenkirchen und Umgebung. Sie möchte ihre Dienste jetzt auch in Bad Bramstedt und den umliegenden Gemeinden anbieten.

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Christiane Fauck (von links), Petra Marré und Susanne Opitz schenken Sterbenden ihre Zeit, um ihnen die letzten Stunden zu erleichtern.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Derzeit sind es acht Frauen, die ihre Zeit sterbenden Menschen schenken. Eine von ihnen ist Petra Marré aus Bad Bramstedt. Sie ist seit einem Jahr dabei, nachdem sie den anderthalbjährigen Vorbereitungskurs für Sterbebegleitung absolviert hatte. „Vor drei Jahren starb mein Vater. Ich habe ihn die letzten Tage begleitet und gemerkt, wie wichtig es ist für den Sterbenden, auf seine speziellen Bedürfnisse einzugehen und ihn wahrzunehmen. Das war für mich der Auslöser dafür, einer Hospizgruppe beizutreten“, erzählt die 49-Jährige. „Ich habe mich mit dem Thema Tod befasst und dabei ist der Wunsch gewachsen, Sterbenden die letzten Stunden lebenswerter zu gestalten.“ Sie will damit auch ein Zeichen in der Gesellschaft setzen: „Sterben gehört zum Leben dazu. Und genauso, wie Neugeborene wunderbar ins Leben begleitet werden, sollten die Menschen auch liebevoll verabschiedet werden.“

 In Bad Bramstedt gab es bis vor etwa zwei Jahren noch eine kirchliche Hospizgruppe, der auch Susanne Opitz aus Bimöhlen angehörte. „Die Gruppe wurde aus Altersgründen der Mitglieder aufgelöst, neue Mitglieder zu finden, war schwer“, sagt sie. Jetzt ist sie in der Ortsgruppe Kaltenkirchen tätig, die zum Verein Hospiz-Initiative Neumünster gehört. „Wir haben viele Mitglieder aus Bad Bramstedt und Umgebung, deshalb wollen wir jetzt auch hier bekannter werden und den Menschen unsere ehrenamtlichen Dienste anbieten.“

 Die Hospizgruppe Kaltenkirchen gibt es seit 15 Jahren. Leiterin ist Christiane Fauck. Die pensionierte Krankenschwester weiß, warum heute immer mehr alte Menschen alleine sterben: „Sie möchten distanzierter leben, wollen den anderen nicht zur Last fallen. Früher hat sich die Familie um die Sterbenden gekümmert, das ist heute leider in den Hintergrund geraten.“ Die alten Menschen führten heutzutage ihr eigenes Leben und seien nicht mehr so in die Familie integriert. „Deshalb gehen auch viele alte Menschen in Seniorenheime.“ Aber auch dort sterben viele Menschen allein.

 Die ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen - meistens sind es Frauen - werden nicht immer mit offenen Armen empfangen. „Viele Familienangehörige möchten keinen Fremden als Begleitung engagieren. Andererseits ist es für sie emotional oft schwierig, einem Verwandten zur Seite zu stehen, der bald stirbt.“ Doch die Hospiz-Frauen könnten die Familie stark entlasten. „Sie müssen es nur zulassen“, sagt Fauck.

 Wenn eine Sterbebegleiterin angefordert wird, kommt es zunächst zu einem Vorgespräch mit der Leiterin Christiane Fauck. „Ich überlege dann,“ sagt sie, „wer am besten zu der Familie und vor allem zu dem Begleitenden passt.“ Oft seien die Klienten anfangs skeptisch. „Doch sehr schnell wird eine persönliche und herzliche Beziehung aufgebaut. Und auch die Angehörigen merken dann, dass der zu Begleitende gut aufgehoben ist.“

 Was die Sterbebegleiterinnen in den letzten Tagen oder Stunden tun, hängt ganz von den Bedürfnissen des Sterbenden ab. „Viele erzählen aus ihrem Leben und freuen sich, wenn man ein offenes Ohr dafür hat“, sagt Petra Marré. Manchmal werden Spaziergänge unternommen, Spiele gespielt oder vorgelesen. „Wir schenken einfach Zeit und über sie dürfen die Sterbenden frei verfügen“, erklärt Christiane Fauck.

 Der fast täglichen Umgang mit Sterben und Tod erschüttert die Hospiz-Frauen nicht mehr. „Wir werden in der Ausbildung für Sterbebegleitung sehr gut darauf vorbereitet“, sagt Susanne Opitz. „Das Thema ist uns bewusst, aber wir denken nicht ständig daran.“ Mit der Endlichkeit vor Augen, sei das Leben noch kostbarer, sagt Petra Marré: „Die Sorgen relativieren sich und der Blick auf das Leben ändert sich. Ich sehe es als ein Geschenk.“

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