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Tränen beim Chef-Abschied

Polizei Kaltenkirchen Tränen beim Chef-Abschied

Im vollbesetzten Kaltenkirchener Ratssaal wurde Kaltenkirchens Polizeichef Bodo Nagel verabschiedet. Während der Feier konnten viele ihre Tränen nicht zurückhalten.

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Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause (links) und der Leitende Polizeidirektor Andreas Görs (rechts) aus Bad Segeberg fanden viele lobende Worte für den scheidenden Ersten Polizeihauptkommissar Bodo Nagel, der ganz besonders seiner Frau Anke dankte.

Quelle: Klaus-Ulrich Tödter

Kaltenkirchen. „Du warst ein besonderer Chef und bist ein ganz besonderer Mensch“, sagte ein sichtlich gerührter Michael Graulich. Und seine Kollegin Indra Laschkowski von der Kaltenkirchener Polizeistation ergänzte unter Tränen: „Wir wussten immer, dass deine schützenden Hände über uns schweben. Achtung und Respekt erlangt man nicht durch Strenge.“

 Mit Ende des Monats Juli schied Nagel aus dem Polizeidienst aus. Er leitete zuletzt das Polizeirevier Kaltenkirchen, zu dem die Polizeistationen Kaltenkirchen, Bad Bramstedt und Henstedt-Ulzburg sowie noch einige kleinere Orte gehören. Damit war er Chef von über 100 Mitarbeitern.

 Dass er seine Sache sehr gut gemacht hat, unterstrich der Chef der Polizeidirektion Bad Segeberg, Leitender Polizeidirektor Andreas Görs, in seiner Laudatio: „Du hast eine riesengroße Fangemeinde, und ich verabschiede dich heute nicht gerne.“ Nagels Dienstzeit war schon neun Monate über die reguläre verlängert worden, die normalerweise mit 60 Jahren endet.

 Görs ließ noch einmal des beruflichen Werdegang des Ersten Polizeihauptkommissars Revue passieren. Nagel wurde in Wahlstedt geboren, wo er auch aufwuchs. Nachdem er mit Pauken und Trompeten durchs Abitur gefallen war, wie Görs verriet, musste Nagel seinen Berufswunsch Sportlehrer schnell abhaken. Die Bundeswehr war für ihn auch keine Option. Und so entschied sich Nagel für die Polizei, obwohl er als junger Mensch auch schon mal über die Stränge geschlagen hatte, wie der Leitende Polizeidirektor mit nicht zu verbergendem Schmunzeln bemerkte.

 So fing Nagel 1975 bei der Landespolizei an. Er war gut und hochmotiviert. Er bestand die Prüfung zum gehobenen Dienst und wurde im September 1983 Leiter der Polizei in Kaltenkirchen. Dieser Posten war 11 Monate für ihn freigehalten worden - eine seltene Ausnahme. Am 1. Oktober des gleichen Jahres wurde er zum Polizeikommissar ernannt.

 Bis auf kleine Unterbrechung blieb er Kaltenkirchen immer treu. Eine so lange Dienstzeit in einer Führungsposition an einem Ort war und ist bei der Polizei die Ausnahme, unterstrich Görs. Waren es zu Beginn seiner Kaltenkirchener Zeit 11 Beamte, die in der Station ihren Dienst verrichteten, sind es jetzt 39 Frauen und Männer, die sich 28 Planstellen teilen. In den letzten Jahren war Nagel Leiter des Reviers, das auch in Kaltenkirchen beheimatet ist.

 Nagel sei - so sagte Polizeidirektor Görs - nicht nur ein fachlich kompetenter Polizeibeamter und eine Führungspersönlichkeit gewesen, sondern für viele auch ein persönlicher Ratgeber und Lebenshelfer, der nie die Menschen hinter den Fällen aus den Augen verloren habe. „Es ist wirklich schade, dass du uns verlässt“, erklärte Görs. Er schloss mit den Worten: „Es gibt nur ein Leben vor dem Tod. Mach war draus.“

 Auch Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause lobte Nagel: „Danke für die unkomplizierte Zusammenarbeit im Tagesgeschäft.“ So sei es auch Nagel zu verdanken, dass zum Beispiel endlich Ruhe in das Problemhochhaus „Großer Karl“ eingekehrt sei.

 Richtig emotional wurde es, als Nagels Kaltenkirchener Kollegen von ihm Abschied nahmen. „Du warst ein Chef, der viel Vertrauen in seine Mannschaft hatte. Du warst unser Alpha-Tier“, sagte Indra Laschkowski. Der Chef wurde liebevoll Vati genannt, was aber nicht bedeutete, dass er alles mit dem Mantel der Liebe zudeckte. „Aber er hatte auch in schwierigen privaten Situationen der Mitarbeiter stets ein offenes Ohr und auch Hilfe parat.“

 Von dieser Herzlichkeit war Nagel sichtlich bewegt und rang nach Worten. „Jeder Chef ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“, erklärte er. „Einen großen Anteil daran, dass ich heute als zufriedener Mensch in den Ruhestand gehen, hast du“, sagte er zu seiner Frau Anke, der dabei die Tränen über die Wangen liefen. Das Paar hat drei Söhne, von denen einer bereits eine Polizeiausbildung absolviert. Aus Nagels erster Ehe stammen zwei weitere Söhne.

 Dass es ihm im Ruhestand nicht langweilig wird, dafür dürfte auch die Kommunalpolitik sorgen. In seiner Heimatgemeinde Oering sitzt er für die Wählergemeinschaft in der Gemeindevertretung. Er ist Fraktionssprecher und 2. stellvertretender Bürgermeister.

 Auch Nagels Nachfolger als Leiter des Polizeireviers in Kaltenkirchen war gekommen. Polizeihauptkommissar Birger Gossen wird heute seinen Dienst antreten. Der 55-Jährige war zuletzt Revierführungsbeamter in Neumünster, wo er auch wohnt.

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