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Kampf gegen das Kraut

Hardebek Kampf gegen das Kraut

Das Jakobskreuzkraut sorgt für Ärger in Hasenkrug. Der Hardebeker Landwirt Torsten Blunck sorgt sich um seine Rinder, weil die Stiftung Naturschutz die gelb blühende Pflanze, die für Tiere gefährlich werden kann, auf einem benachbarten Grundstück wachsen lässt.

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Landwirt Torsten Blunck zwischen Jakobskreuzkraut auf der Fläche der Stiftung Naturschutz in Hasenkrug. Er befürchtet, dass die Samen auch auf sein angrenzendes Weideland geweht werden.

Quelle: Jann Roolfs

Hardebek/Hasenkrug. „Ich will Druck ausüben auf die Stiftung und auf die Naturschutzverbände, dass sie die Pflanze bekämpfen.“ Das Jakobskreuzkraut, das Blunck in Rage bringt, heißt biologisch Senecio jacobaea L. Nicola Brockmüller, Sprecherin der Stiftung Naturschutz, stellt klar: „Mehr als 170 Insektenarten leben von dieser Pflanze.“ Die Stiftung verwaltet in Schleswig-Holstein rund 34000 Hektar Fläche unter dem Gesichtspunkt, dort möglichst vielen Pflanzen- und Tierarten eine Heimat zu bieten.

 Vielen Insekten schmeckt das Gewächs aus der Familie der Korbblütler; Kaninchen haben angeblich auch kein Problem damit. Aber für Pferde und Rinder kann es tödlich enden, Jakobskreuzkraut zu fressen. Alle Teile der Pflanze enthalten Pyrrolizidinalkaloide, kurz: PA; sie schädigen die Leber und können sich in diesem Organ über längere Zeit anreichern.

 Trotzdem: Normalerweise schadet das Kraut weder Pferden noch Rindern, sie meiden nämlich die Pflanzen, weil sie ihnen zu bitter schmecken. Wenn sie allerdings ins Heu oder in die Silage geraten, verfliegen die Bitterstoffe, aber das Gift bleibt in der Pflanze und damit wächst die Gefahr für Tiere, die das konservierte Mähgut fressen.

 Der 38-jährige Torsten Blunck mästet im Nebenerwerb Kälber und hält Mutterkühe, insgesamt hat er um die 40 Stück Vieh. 15 Hektar Weideland und weitere 15 Hektar Ackerflächen bewirtschaftet er in Hardebek und Hasenkrug. Und dort hat er ein Problem mit einer Nachbarfläche: Hinter dem trennenden Knick liegt ein 44 Hektar großes Stück, das der Stiftung Naturschutz gehört. Darauf hält der Verein Weidelandschaften im Auftrag der Stiftung Robustrinder. Und auf der Fläche wächst jede Menge Jakobskreuzkraut.

 Nachbar Blunck befürchtet, dass die Samen des Krauts auf seine Flächen kommen. Zwar ist ein 40 Meter breiter Streifen am Knick auf dem Stiftungsland gemulcht – also gemäht und gleichzeitig zerkleinert –, aber das reicht ihm nicht: „Mit dem Wind fliegen die Samen ein paar Hundert Meter weit“, fürchtet er. Stiftungssprecherin Brockmüller widerspricht: Laut Literatur verbreiteten sich die Samen nur ungefähr 50 Meter weit, zusätzlich würden sie durch den Knick zwischen den Weiden aufgefangen, erklärt sie. Sie deutet an, dass Blunck selbst daran mitgewirkt hat, dass das Kraut auf seiner Fläche sprießt, als er ausgerissene Pflanzen im Knick abgelegt habe: „Das reift nach“, und dann könnten die Samen ausschwärmen.

 100 Stunden habe er in diesem Jahr schon damit verbracht, Jakobskreuzkraut auf seinen Flächen auszubuddeln, schimpft Torsten Blunck. Pflanzengift ist ihm mit 200 Euro pro Hektar zu teuer, außerdem sterbe beim Spritzen zwar die Pflanze ab, aber sie bleibe auf dem Land. In seinen Augen ist die Ausbreitung des Krauts aus dem Ruder gelaufen, in seinem Zorn ruft er auch den Landesumweltminister an: Der möge sich „die Schweinerei auf dem Weideland der Stiftung ansehen: alles voll Jakobskreuzkraut, vernachlässigte Fläche, die Tiere müssen Jauche trinken!“ Denn Blunck stört sich nicht nur am Jakobskreuzkraut auf seiner Weide, er findet auch, dass die Rinder auf der Stiftungsfläche nicht artgerecht gehalten werden. Vor allem die Tränke ist ihm ein Dorn im Auge: Sie besteht aus einer Kuhle, ausgehoben von einem Bagger, und ist mit Fäkalien der Rinder verunreinigt. „Wie das stinkt!“, stöhnt er, als er in Gummistiefeln in den Tümpel steigt, um eine Wasserprobe zu entnehmen.

 Amtstierarzt Jan Sassen, im Kreis Segeberg zuständig für Tierseuchen und Tierschutz, sieht für die Tiere auf der Stiftungsfläche dagegen kein Problem: „Die Rinder haben alle einen tipptopp Ernährungszustand, sie sehen sehr gut aus“, davon hat er sich zuletzt Mitte September überzeugt. Der Verein Weidelandschaften halte auf der großen Fläche relativ wenige Tiere, darum fänden die genug zu fressen und gingen nicht ans Jakobskreuzkraut. Tümpel als Tränke gebe es auch auf anderen Flächen; eine Gefahr stellten dabei höchstens Parasiten dar, die Halter müssten die Tiere beobachten und gegebenenfalls entwurmen.

 Torsten Blunck hat reichlich Munition gesammelt für seinen Kreuzzug gegen die Stiftung Naturschutz. Im heimischen Wohnzimmer präsentiert er einen ganzen Aktenordner, in dem er Verordnungen, Untersuchungsergebnisse über PA im Honig und Zeitungsartikel gesammelt hat. Er sieht sich als Vorreiter: „Stören tut das viele“, sagt er: „Aber ich bin hier in der Gegend der Einzige, der den Mund aufmacht.“

 Vielleicht wird das Problem in Hardebek noch von einem ganz anderen Konflikt befeuert: Torsten Blunck ist Nebenerwerbslandwirt aus Leidenschaft, schon sein Vater hat so gewirtschaftet. Er empört sich, wenn der Deckbulle der Stiftungsherde ausbricht, auf seinem Land steht und die Verantwortlichen ihn erst am nächsten Morgen einsammeln. Er füttert seine Rinder täglich und sieht nach dem Rechten, die Robustrinder nebenan werden weitgehend sich selbst überlassen. In Hardebek steht die kleinteilige bäuerliche Landwirtschaft gegen die Bürokratie, ohne die die Stiftung Naturschutz ihre riesigen Flächen gar nicht verwalten kann. Da springt dann halt nicht mitten in der Nacht jemand aus dem Bett, um einen Bullen einzufangen, die Zuständigen haben ihre Büros in Neumünster – dort residiert Weidelandschaften e. V. -, und in Molfsee ist der Sitz der Stiftung.

 Stiftungssprecherin Nicola Brockmüller betont, dass sich die Verantwortlichen trotzdem kümmern: „Wir sind nach unserer Meinung gute Nachbarn gewesen.“ Wegen Bluncks Protesten sei der Streifen an der Grenze zu seinem Land gemäht worden. Ansonsten verweist sie auf weitere Maßnahmen: Mit der Kieler Uni seien diverse Projekte angeschoben, um Wirkung und Bekämpfung von Jakobskreuzkraut zu untersuchen, die Verbreitung des Krauts werde kartiert, Imker können Honigproben kostenlos auf PA-Rückstände untersuchen lassen. Aber klar ist für Nicola Brockmüller auch: „Es kann nicht darum gehen, das Jakobskreuzkraut auszurotten.“

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