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Sieben Winnetous reiten in Deutschland

Karl-May-Spiele bundesweit Sieben Winnetous reiten in Deutschland

Am Kalkberg hat Apachenhäuptling Winnetou jüngst nicht nur den "Schatz im Silbersee" vor Gangstern geschützt, sondern mit 366369 Zuschauern auch das beste Besucherergebnis in der Geschichte der Karl-May-Spiele eingefahren. Bundesweit gibt es sieben Freilichtbühnen, die Karl Mays Abenteuer zeigen.

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Wieviele Winnetous sind eigentlich deutschlandweit auf Freilichtbühnen aktiv?

Quelle: Christian Charisius/dpa

Bad Segeberg. Die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg sind die bekanntesten ihrer Art – und aktuell die erfolgreichsten. Doch Winnetou, Old Shatterhand und ihre Freunde reiten auch anderswo. Die Inszenierungen fallen sehr unterschiedlich aus. Sie reichen von Actionstücken voller Knalleffekte über wortlastige Schauspiele bis hin zu Aufführungen, in denen ausschließlich Kinder mitwirken.

In Bad Segeberg ist Winnetou seit 1952 zu Hause. In den frühen Jahren setzte man im Amphitheater am Kalkberg auf romangetreue Umsetzungen, in denen weder Stunts noch Spezialeffekte vorkamen. Reiten galt als verwegen genug. Dieser Stil wandelte sich in den 70er und 80er Jahren allmählich – und die ersten prominenten Darsteller wie Chris Howland und "Kartoffelquetscher" Raimund Harmstorf wurden engagiert. Von 1988 bis 1991 gab sich schließlich Film-Winnetou Pierre Brice die Ehre und bescherte den Spielen die bis dato höchsten Zahlen. Die bisherigen Top-Ergebnisse von rund 150000 Zuschauern wurden durch den berühmten Franzosen am Ende verdoppelt.

Heute setzen die Spiele auf ein künstlerisches Konzept, mit dem die ganze Familie angesprochen wird. Das betrifft auch die Auswahl der prominenten Gaststars. Jede Generation soll sich angesprochen fühlen. Den Winnetou spielt seit 2013 Jan Sosniok. Seither wurde in jedem Jahr ein neuer Zuschauerrekord eingefahren. 2016 hatte Bad Segeberg mehr Zuschauer als die anderen sechs Freilichtspiele zusammen.

Im großen Stil und mit langer Tradition wird Karl May nur noch an einer einzigen weiteren Bühne gespielt: in Elspe im Sauerland. Die dortigen Festspiele entstanden 1958 aus einem Verein heraus, der zuvor unter anderem "Wilhelm Tell" und "Die Jungfrau von Orleans" aufgeführt hatte. Seit 1964 widmet man sich dort voll und ganz den Geschichten des "Maysters", wobei anfangs (wie in Bad Segeberg) auch Orientstücke auf dem Spielplan standen. Darauf wird aber seit Jahrzehnten verzichtet, weil die Wildwest-Stoffe deutlich zugkräftiger sind. Die Bühne dort hat einen ganz anderen Charakter als das Pendant in Schleswig-Holstein: Die Zuschauer sitzen unter dem Dach und schauen auf eine 96 Meter breite Naturbühne im Format einer Kinoleinwand. Während in Bad Segeberg auch Tänze, romantische Szenen und viel Komik vorkommen, setzt Elspe ausschließlich auf Action und lässt auch schon mal ein komplettes Gebäude im Bühnenboden verschwinden.

In Dasing finden die Süddeutschen Karl-May-Festspiele statt.

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Zehn Jahre lang war Pierre Brice, bevor er nach Bad Segeberg kam, der Hauptdarsteller im Sauerland. Mit ihm erreichte man im Sommer 1980 mit über 404000 Besuchern die höchste Marke aller Zeiten. Inzwischen haben sich die Zahlen um die 200000 eingependelt. Das Elspe-Festival bietet im täglichen Vorprogramm drei jeweils 25-minütige Shows aus den Bereichen Stunt, Pferdedressur und Musik. In manchen Jahren wurde die Pferdeshow mit einer Falknerdarbietung kombiniert. Winnetou-Darsteller ist seit fünf Jahren Jean-Marc Birkholz, der vorher sechs Jahre lang in Rathen den Apachenhäuptling verkörpert hatte. 2016 gab es "Im Tal des Todes".

Die dortige Felsenbühne in der 300-Seelen-Gemeinde im Elbsandsteingebirge ließ Winnetou bereits von 1938 bis 1941 die Silberbüchse abfeuern. Der weitere Verlauf des Zweiten Weltkriegs machte der jungen Tradition ein Ende. Sie wurde aber 1984 wieder aufgenommen und wird bis heute fortgeführt. Die Rathener Stücke, die vom Landestheater Sachsen produziert werden, sind die originalgetreuesten Adaptionen der Romane. Auch wird Winnetou, wie in den Büchern geschrieben, mit einem helmartigen Schopf dargestellt und nicht mit der ansonsten gängigen Frisur mit Stirnband. Die Landesbühnen hatten 2015 knapp 75000 Zuschauer – aber da sind Inszenierungen anderer Stoffe mit eingerechnet. Die May-Abenteuer werden jeweils in drei Sommern hintereinander in derselben Inszenierung gezeigt – aktuell "Winnetou I". Die Spielzeit läuft bis in den Oktober.

Zwei ehemalige Bad Segeberger Statisten leben ihr Faible für die Westernshows mittlerweile anderswo aus: Arnd Limpinsel hat auf seinem Reiterhof in Mörschied im Hunsrück eine Freilichtbühne aufgezogen und dort jahrelang den Winnetou gespielt. Mittlerweile hat er andere Rollen für sich entdeckt. Im Sommer 2016 kamen 10100 Zuschauer zu "Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado". Mike Dietrich wiederum ist Macher der 2014 gegründeten Freilichtbühne Burgrieden in Baden-Württemberg. Die Winnetou-Darsteller wechselten hier bisher jährlich. Das aktuelle Stück "Winnetou und der Ölprinz" wurde von 20164 Menschen gesehen.

Mike Dietrich war drei Jahre lang auf der Freilichtbühne Dasing aktiv. Dort hat Westernreiter und Sänger Fred Rai alias Manfred Raible eine Westernstadt aufgebaut, in der seit 2004 in einem 500-Plätze-Theater die Abenteuer um Winnetou und Old Shatterhand gezeigt werden. Rai selbst spielte fast in jedem Jahr den (singenden) Schurken. Seit der zweiten Saison steigt Matthias Mühlbauer (der sich dort "Matthias M." nennt) in Iltschis Sattel. Separate Zuschauerzahlen für die Karl-May-Shows werden nicht veröffentlicht. Die Bühne besteht auch nach Fred Rais Tod weiter. Der Initiator starb im Frühjahr 2015 – tragischerweise bei einem Ausritt.

Die kleinste und ungewöhnlichste Karl-May-Bühne befindet sich in Bischofswerda . Dort zieht seit 1993 die "Spielgemeinschaft Gojko Mitic" auf den Kriegspfad – benannt nach dem legendären Indianerdarsteller und langjährigen Bad Segeberger Winnetou. Das Besondere in Bischofswerda: Alle Rollen werden von Kindern gespielt. Seit 2002 existiert zusätzlich eine Jugendbesetzung, in der ehemalige Darsteller und deren Eltern mitmachen. Bei "Das Gold der Apachen" wurden in diesem Sommer 10800 Besucher gezählt.

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