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Der Mann hinter den Plakaten

Karl-May-Spiele Der Mann hinter den Plakaten

Immer im Mai tauchen sie an Litfaßsäulen und auf Werbeflächen im Norden auf – und sie sind so unverwechselbar wie der Kalkberg selbst: die Plakate der Karl-May-Spiele Bad Segeberg. Seit 23 Jahren werden die gezeichneten Motive von einem Mann gestaltet, der in seinem Fach ein Weltstar ist: Renato Casaro.

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Die Karl-May-Kreationen von Renato Casaro finden sich auf Plakaten, Postern und Programmheften.

Quelle: Bodo Stade

Bad Segeberg.  Der heute 80-Jährige gilt als einer der besten Kinoplakat-Zeichner. Sein Job ist es nicht nur, die Schauspieler in einer hyperrealistischen 3D-Technik, die er mit winzigen Pinselstrichen ausführt, auf die Leinwand zu bannen. Casaro muss die Atmosphäre eines gesamten Films oder Theaterstücks in einem einzigen Bild einfangen. Der Betrachter soll spüren, was ihn erwartet, soll all die spannenden Szenen in seiner Fantasie schon sehen und die mitreißenden Musiken von Ferne hören. Um das zu können, muss man Filme lieben – und das tut Renato Casaro.

 Treviso, eine Stadt in Oberitalien, 30 Kilometer von Venedig entfernt. Hier wird Renato Casaro 1935 geboren. Die Filmindustrie erlebt gerade ihre erste Glanzzeit. Hollywoods goldene Ära hat begonnen. Das örtliche Kino zieht den jungen Renato nahezu magisch an. In seinen Träumen prescht er mit John Wayne über die Prärie, steuert mit Errol Flynn mächtige Piratenschiffe – und hat ein festes Ziel vor Augen. Er will dorthin, wo es die „unbegrenzten Möglichkeiten“ gibt. Nach Amerika.

Hier sehen Sie alle Plakate der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg.

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 Doch zunächst ergreift er einen weit weniger schillernden Beruf: Casaro absolviert eine Lehre als Lithograf. Damit hat er gleichermaßen mit Zeichnerei und Druckverfahren zu tun – eine wichtige Grundlage für sein späteres Schaffen. So ganz nebenbei handelt er mit dem örtlichen Kino ein cleveres Geschäft aus. Er bemalt die Außenfassade des Kinos „Garibaldi“. Sein Lohn? Freier Eintritt.

 Zu Hause beginnt er, Filmszenen aus der Erinnerung nachzuzeichnen. Er verbessert seine Technik weiter und weiter und entwickelt den „Casaro-Stil“ mit Figuren, die aus dem Nichts aufzutauchen scheinen. Heute sagt er: „Film ist mein Hobby, mein Hobby ist mein Beruf, mein Beruf ist mein Leben, und mein Leben ist Film.“

 Zunächst arbeitet Casaro für italienische Kinoproduktionen, aber er vergisst Hollywood nicht – und die Filmschaffenden dort werden auf den jungen Künstler aufmerksam. Der erste Großauftrag ist John Houstons Epos „Die Bibel“. Renato Casaros Bild thront wochenlang als gewaltige Tafel über dem berühmten Sunset Boulevard in Los Angeles. Der Junge aus Treviso hat es geschafft.

 Der Italiener arbeitet aber nicht nur gut, sondern auch schnell. Das bringt ihm in der Branche den Spitznamen „Renato fa presto“ (Renato macht schnell) ein. Seine allergrößte Liebe ist und bleibt der Wilde Westen. Dorthin zieht es Casaro auch privat – zum Beispiel zu Pferd mit einem indianischen Führer ins berühmte Monument Valley.

Foto: Renato Cesaro malt die Plakate für Segeberg.

Renato Cesaro malt die Plakate für Segeberg.

Quelle: Claus Harlandt

 1993 herrscht dann bei den Karl-May-Spielen ein unerwarteter Plakat-Notstand. Das von einem norddeutschen Zeichner angefertigte Plakat, auf dem der „Ölprinz“ mit verzerrtem Gesicht auf den Betrachter zielt, gilt als zu martialisch. Man fragt bei Renato Casaro an. Er sagt zu. Die Karl-May-Spiele sind bis heute weltweit das einzige Theater, für das er zeichnet – und das fast ununterbrochen. Nur 1995 hat ein anderer Künstler das Motiv geliefert. Um die jeweiligen Gaststars bildlich möglichst treffend einzufangen, bekommt Casaro Fotos zugeschickt, auf deren Grundlage er die Bilder komponiert. Jahrelang pendelte der Mann, der mit einer Deutschen verheiratet ist, zwischen München und Marbella. Seit 2015 lebt er wieder in Treviso. Der Kreis hat sich geschlossen.

 Nach Bad Segeberg kommt er immer dann, wenn ein neuer Winnetou vorgestellt wird – zuletzt 2013 bei Jan Sosniok. Er möchte den jeweiligen Hauptdarsteller persönlich kennenlernen, denn gerade beim Apachenhäuptling kommt viel auf die Ausstrahlung an. Schließlich soll dessen Magie ja auch die Betrachter der Plakate verzaubern.

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