8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
„Eine tolle Zeit“ am Kalkberg

Karl-May-Spiele „Eine tolle Zeit“ am Kalkberg

Jetzt, kurz vor Ende der Saison der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg, wird Schauspieler Oliver Stritzel etwas wehmütig ums Herz. „Die letzten Vorstellungen genieße ich bewusster“, sagt er. In der Aufführung „Der Schatz im Silbersee“ (bis 4. September) spielt er den fiesen Cornel Brinkley.

Voriger Artikel
Die Heide ist einen Ausflug wert
Nächster Artikel
Nachfolger für Thönnes gesucht

In Bad Segeberg entspannt Oliver Stritzel gern am Großen Segeberger See. Oft zieht es ihn an die Promenade.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Leger in Jeans, blauem Hemd und Sonnenbrille erscheint Oliver Stritzel auf der Terrasse des Vitalia Seehotels zum Interview. Angesichts der Hitze hat er sich eine große Fruchtschorle bestellt. Doch vor der Nachmittagsvorstellung der Karl-May-Spiele bei über 30 Grad im Freilichttheater am Kalkberg hat der 59-Jährige keine Angst. „Irgendwer ist immer der Angeschmierte, bei Kälte Nico König, der mit Oberkörper frei spielt, oder bei Hitze wir Tramps in den dicken Mänteln.“

 Mehr als die Hitze hat ihn anfangs das Reiten angestrengt. Das konnte Stritzel vorher nicht, macht er mittlerweile aber gut. „Alles zu koordinieren, das Sprechen, Schießen, Reiten, das ist schon jedes Mal aufs Neue eine Herausforderung“, sagt er. Als vor einigen Monaten das Angebot kam, den Brinkley zu spielen, war für Stritzel klar, dass er das machen will. „Ich hatte vor einigen Jahren schon mal eine Anfrage, drehte da aber gerade. Jetzt hatte ich Zeit und auch Lust.“

 Vom Team ist Stritzel begeistert: „Das war eine tolle Zeit hier, das hatte ich in dieser Form nicht erwartet. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.“ Auch das Publikum hat bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Das sind ja richtige Fans“, staunt er und schwärmt weiter: „Diese großen Kinderaugen beim traditionellen Abklatschen nach der Show, das ist einfach toll und geht ans Herz.“

 Nicht nur innerhalb des Karl-May-Ensembles fühlt sich der Berliner wohl, auch die Umgebung hat es dem 59-Jährigen angetan. „Ich habe schon oft in Schleswig-Holstein gedreht und mag das Bundesland. Aber hier im Raum Segeberg könnte ich mir vorstellen, ein kleines Ferienhaus zu kaufen. Es ist wirklich wunderschön hier.“

 Was vielleicht auch an den netten Menschen liegt, die hier leben. Denn einem davon hat Stritzel es zu verdanken, dass er sein Smartphone noch besitzt. Das hatte er nämlich während der Proben auf dem Autodach liegenlassen, als er losfuhr. „Eine Radfahrerin hatte es dann gefunden und war so schlau, in meine Favoriten-Liste zu schauen. Dort stand ganz oben „Mutti“, die sie dann anrief.“ Mutti informierte dann ihren Sohnemann über das Karl-May-Büro, um ihm zu berichten, wo er sich sein Handy abholen kann. Das ist jetzt zwar ordentlich demoliert, funktioniert aber noch.

 Es könnte also sein, dass die Segeberger den schurkischen Cornel Brinkley, der privat ein richtig Netter ist, auch künftig durch die Stadt flanieren sehen. Sofern er für Ferien überhaupt Zeit findet, denn Stritzel ist seit mehr als 30 Jahren ein viel beschäftigter Schauspieler; man sieht ihn nicht nur in TV-Filmen und Serien oder Kinofilmen wie „Der Untergang“ und „Das Boot“, sondern vor allem hört man ihn oft.

 Stritzel leiht vielen amerikanischen Schauspielern seine Stimme, öfter auch mal Walt-Disney-Figuren – so auch zuletzt: Im Welterfolg „Zoomania“ sprach er den Polizeichef „Chief Bogo“, einen aufbrausenden Wasserbüffel.

 „Synchronisation ist ein Teil des Schauspielberufs und sehr anspruchsvoll, da muss alles auf den Punkt sein“, erklärt Stritzel. In mehr als 20 Filmen war er die deutsche Stimme des 2014 verstorbenen Schauspielers Philip Seymour Hoffman. Dessen plötzlicher Tod ging auch Stritzel nahe, obwohl er Hoffman nie persönlich kennengelernt hatte. „Er war ein grandioser Schauspieler.“

 Dass er nun zu seiner beeindruckenden beruflichen Vita auch die Karl-May-Spiele zählen kann, macht ihn froh und auch stolz. „Viele Schauspielkollegen, die vielleicht gerade einen Höhenflug erleben, weil sie einen Kinofilm gedreht haben, belächeln Formate wie die Karl-May-Spiele und halten es für Kindertheater. Das ist es aber überhaupt nicht, im Gegenteil!“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3