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Einmal neben Winnetou reiten

Karl-May-Spiele Einmal neben Winnetou reiten

Sogar aus Italien und aus Österreich kamen in diesem Jahr Bewerbungen für einen Job als Reiterstatist bei den Karl-May-Spielen. Gut 150 Anfragen gingen bei Reiterchefin Sylvia Kassel ein. Einige Kandidaten verloren allerdings das Interesse, als sie erfuhren, wie groß der Zeitaufwand ist.

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Die Bewerber zeigten am Wochenende auf dem Reiterhof Behnk in Groß Rönnau, ob sie bei den Karl-May-Spielen als Reiterstatisten mitmachen können.

Quelle: Gisela Krohn

Bad Segeberg / Groß Rönnau.. „Es ist ja nicht nur die Zeit der Spiele von Ende Juni bis Anfang September“, schildert Prokuristin Andrea Kassel. „Die Proben beginnen im Mai, jeden Abend in der Woche und auch am Wochenende.“ Zudem haben die Reiterstatisten, weil sie für das Wohlergehen der Pferde zuständig sind, während der Spielzeit stets den längsten Tag bei den Karl-May-Spielen. Da wollten einige Interessenten dann doch lieber nicht mitmachen.

 Mit rund 50 Bewerbern führte Sylvia Kassel zunächst ein Vorstellungsgespräch. Davon blieben 20, die ihr Können im Sattel bei einem Vorreiten an diesem Wochenende auf dem Reiterhof Behnk in Groß Rönnau beweisen durften. Darunter auch einige junge Männer, was für das Team besonders gut ist – denn traditionell bewerben sich viel mehr junge Frauen, die oftmals schon von jüngster Kindheit an reiten.

 So wie die 17-jährige Christina Teegen aus Leezen. Sie wird bald 18, macht gerade ihr Abitur und will sich den Traum erfüllen, einmal eine Saison als Reiterstatistin mitzumachen. „Studieren kann ich auch noch im nächsten Jahr“ sagt sie. Wenn es klappt mit dem Platz im Team, wird sie nach der Saison am Kalkberg noch eine Zeitlang in die USA reisen, wo sie mit Kindern und Pferden arbeiten will – „genau mein Ding“, sagt Christina.

 Im vergangenen Jahr sammelte sie schon Erfahrungen bei den Karl-May-Spielen, denn sie assistierte hinter der Bühne in der Maske. „Hier jetzt mitzureiten, ist für mich ein Kindheitstraum.“ Wie alle anderen Bewerber musste sie sich den Aufgaben von Sylvia Kassel stellen. In Gruppen wurde auf den Pferden vorgeritten, die von den früheren Reiterstatistinnen Emelie Sievers, Elena Kersten, Mona Stange, Marit Ebbinghaus und Annemieke Verdenhalven vorbereitet worden waren.

 Dabei beobachteten Sylvia und Andrea Kassel ganz genau, wie sicher die einzelnen Reiter wirklich sind, denn die Anforderungen im Freilichttheater am Kalkberg sind hoch. Anders als im Gelände oder in einer Reithalle braucht es für die neue Situation, vor bis zu 8000 Zuschauern zu reiten, starke Nerven und viel Erfahrung. Denn ein Pferd – vom Wesen her ein Fluchttier – tut manchmal Dinge, die schnelle Reaktionen, aber auch eine gewisse Gelassenheit erfordern. Wer am Ende am Kalkberg reiten darf, beraten die Verantwortlichen jetzt in aller Ruhe.

 In diesem Jahr benötigt Sylvia Kassel sechs neue Reiterstatisten, damit ihr Zwölfer-Team wieder komplett ist. Wer es geschafft hat, muss sich während der Vorstellungen schnell umziehen können – manchmal auf dem Rücken des Pferdes: eben noch ein Indianer bei einem Überfall und im nächsten Moment ein Soldat der Kavallerie oder einer der Gangster aus der Bande des fiesen Cornel Brinkley. Der will sich in diesem Jahr den „Schatz im Silbersee“ unter den Nagel reißen. Aber da hat er nicht mit Winnetou und Old Shatterhand gerechnet.

 Am Erfolg der Inszenierung haben auch die Reiterstatisten ihren Anteil. 4000 Euro brutto bekommt jeder von ihnen für die gesamte Saison. Einen unvergesslichen Sommer gibt es gratis dazu.

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