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Zukunft noch immer ungewiss

Kinderrheumatologische Praxis in Bad Bramstedt Zukunft noch immer ungewiss

Noch immer bangen über Tausend junge Patienten um den Erhalt der kinderrheumatologischen Praxis von Dr. Nikolay Tzaribachev. Seit fast einem Jahr sind die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) und die Krankenkassen um eine Lösung für diesen speziellen Fall bemüht - bisher ohne Erfolg. Eigentlich sollte bis Ende März ein Weg gefunden sein, der sicher stellt, dass der Arzt auch weiterhin seine Patienten in Bad Bramstedt behandeln kann - und dafür auch entsprechend honoriert wird. Doch dem ist nicht so.

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Juli-Anne Scheffel (15) hat Rheuma und kommt regelmäßig in die Praxis von Dr. Tzaribachev.

Quelle: Lublow

Bad Bramstedt. Der Ausgang ist weiterhin offen. Dr. Tzaribachev hat bis vor anderthalb Jahren in der Rheumaklinik Bad Bramstedt (heute: Klinikum Bad Bramstedt) gearbeitet und sich dann in der Kurstadt mit seiner Praxis „Rhe.Ki.Tz“ niedergelassen. Sein Konzept: ausschließlich rheumakranke Kinder und Jugendliche behandeln und die Medikamenteninfusionen ambulant verabreichen. Damit soll den Kindern ein mehrtägiger Aufenthalt im Krankenhaus erspart bleiben, was bislang die gängige Praxis war. Das Resultat: Im Laufe eines Jahres zählte „Rhe.Ki.Tz“ bereits 1000 Patienten aus ganz Norddeutschland. In den vergangenen zwei Monaten sind noch einmal 80 Kinder dazugekommen.

 Doch so beliebt der Arzt und sein Praxiskonzept bei Kindern und Eltern sind - finden die Krankenkassen nicht bald einen Weg, dieses Spezialleistungen zu honorieren, muss Dr. Tzaribachev seine Praxis schließen. Im Honorarsystem für niedergelassene Ärzte ist die Spezialisierung auf rheumakranke Kinder nicht vorgesehen. Darauf machte der Verband der Ersatzkassen, Landesvertretung Schleswig-Holstein (VdEK), schon im Dezember auf einer Pressekonferenz aufmerksam: Es fehlt die gesetzliche Grundlage.

 Das Problem ist also erkannt, und zwar schon lange. Eine Lösung scheint indes nicht möglich. „Das zieht sich in die Länge, die Gespräche zwischen uns und den Krankenkassen laufen noch“, sagte Marco Dethlefsen von der KVSH: „Es ist sehr schwierig, in diesem Fall eine Lösung zu finden. Die Krankenkassen wollen eine Lösung unter gesetzlichen Vorgaben, die es aber nicht gibt.“ Bisher wird Dr. Tzaribachev von der KVSH finanziert - dank einer Sonderreglung, die zwischen Arzt und KVSH getroffen wurde. Aber auch das ist keine Dauerlösung. „Es gibt neue Gesprächstermine“, mehr konnte Dethlefsen auch nicht sagen. Außer: „Im Sommer stehen Gesetzesänderungen auf Bundesebene in Bezug auf niedergelassene Fachärzte an. Man muss abwarten, ob das auch diesen Fall betreffen wird.“

 Doch all diese Worte reichen den Eltern der Patienten nicht aus. Sie hängen in der Luft, genau wie der Doktor und sein Team. Deshalb haben die Eltern eine Initiative gegründet, um für den Erhalt der Praxis zu kämpfen. Wortführend ist Kerstin Bennecke aus Elmshorn. Ihre beiden Kinder (13 und 15 Jahre) sind Patienten von Dr. Tzaribachev. „Die Kinder lieben diesen Arzt!“, betont sie. „Er nimmt sich Zeit, geht auf sie ein, das Team ist gut eingespielt und herzlich“, sagt sie. Viele Kinder hätten einen langen Leidensweg hinter sich - mit falschen Diagnosen und ständigen Krankenhausaufenthalten. „Wir haben viele Briefe von den Kindern gesammelt, in denen sie ihre Dankbarkeit gegenüber Dr. Tzaribachev ausdrücken“, erzählt Kerstin Bennecke. Neben einer Unterschriften-Petition mit aktuell 6130 Unterschriften, schreiben die Eltern Briefe an Politiker, wie dem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe oder Bundestagsabgeordneten von SPD und CDU. „Wir fühlen uns ernst genommen, aber es passiert nichts.“ Diese Situation sei für viel Eltern schwer, „sie sind verzweifelt.“

 Auch Dr. Tzaribachev möchte nicht mehr länger in der Luft hängen. Er musste bereits viele Einschränkungen vornehmen; sein Gesamtkonzept mit Kinderarzt und Therapeuten unter einem Dach hat er bereits begraben müssen. Anfangs hatte er noch eine Kinderärztin für allgemeine Krankheiten beschäftigt, weil die in Bad Bramstedt seit Jahren fehlt. Er musste sie entlassen, weil er selbst nicht als Facharzt für Kinderrheumatologie sondern als Kinderarzt anerkannt ist und zwei in der Stadt von den Krankenkassen nicht akzeptiert werden. Folge: Es darf sich auch kein anderer Kinderarzt in Bad Bramstedt niederlassen. Nun sitzt Dr. Tzaribachev am Achtern Dieck auf über 600 Quadratmetern Praxisfläche und bangt einerseits um seine Patienten und andererseits um seine Existenz. „All zu lange werde ich das nicht mehr durchstehen. Dann muss ich schließen.“

 Besonders betroffen mache ihn die Vorhaltung des Verbandes der Ersatzkassen, er habe doch von Beginn an gewusst, dass sein Konzept nicht finanzierbar und somit zum Scheitern verurteilt sei. „Ich bin doch nicht blöd! Hätte man mir abgeraten, hätte ich die Praxis gar nicht erst eröffnet.“

 „Unsere Kanzlei hat Dr. Tzaribachev von Beginn an begleitet, wir waren bei den Gesprächen mit der KVSH dabei. Dort sagte man ihm, dass er für seine Leistungen Sondergenehmigungen beantragen müsse, was er getan hat. Und die wurden ihm auch genehmigt, aber nur befristet“, sagte Silja Greuner, Anwältin für Medizinrecht aus Hamburg, der Segeberger Zeitung. Niemand hätte ihm abgeraten, im Gegenteil: Die KV hätte ein deutliches Interesse an der Versorgung dieser Patienten gezeigt und Bereitschaft signalisiert.

 Bleibt also abzuwarten, wie dieser Fall endet. Mehr als 1000 Schicksale sind daran gebunden. Zu warten, dass sich gesetzlich etwas ändert, reicht den Eltern nicht. „Ich habe mit der Patientenbeauftragten in Berlin telefoniert. Sie sagte, dass es Wege gibt, zum Beispiel über Sonderverträge zwischen Dr. Tzaribachev und den Krankenkassen“, erzählt Kerstin Bennecke: „Wenn doch nur eine Krankenkasse den ersten Schritt machen würde, dann würden die anderen vielleicht nachziehen.“

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