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Tierschutz-Prozess erstmal vertagt

Kisdorf Tierschutz-Prozess erstmal vertagt

Der Andrang im Amtsgericht Bad Segeberg gestern war groß. Viele Medienvertreter und Landwirte waren zum Prozess gegen einen Kisdorfer Landwirt gekommen, der seine Rinder schlecht behandelt haben soll. Die Verhandlung wurde allerdings vertagt.

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Die Verteidiger hatten vor dem Prozess keine ausreichende Akteneinsicht.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Kisdorf/Bad Segeberg. Umso heftiger wurde dafür vor dem Gerichtssaal während einer Pause über die Tierbeschlagnahmungen in diesem Betrieb und auf anderen Höfen im Dienstbereich der Staatsanwaltschaft Kiel diskutiert. Eine Staatsanwältin aus Kiel hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Höfe kontrolliert und mehrmals Tiere beschlagnahmen lassen. Gegen die Frau laufen inzwischen selbst Ermittlungen, ob sie bei den Verfahren immer korrekt gehandelt hat.

Die Anklageschrift gegen den Kisdorfer verlas deshalb auch ein anderer Staatsanwalt, Thomas Feldmann. Dem 63-jährigen Landwirt warf er vor, in den Jahren 2012 bis 2014 viele der über 130 Rinder, die er auf seinem Hof hielt, falsch behandelt zu haben. Die Tiere hätten Schmerzen ertragen müssen. So hätten sie in tiefem, nassem Mist gestanden und sich deshalb nicht hinlegen können, um wiederzukäuen. Viele Rinder hätten zu lange Klauen gehabt, seien schlecht versorgt, abgemagert und verdreckt gewesen, hätten offene Wunden gehabt und entzündete Körperteile. Trotz der Erkrankungen habe der Landwirte keine Tierärzte hinzugezogen, warf ihm der Anklagevertreter vor.

Im Januar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Kiel die Herde beschlagnahmt und abtransportieren lassen. Später wurden die Rinder von der Staatsanwaltschaft notveräußert. Richterin Sabine Roggendorf bezifferte den Verkaufserlös mit 74000 Euro.

Verteidiger konnten Akten nicht einsehen

Nach diesen Vorträgen hätte eigentlich die Verhandlung beginnen sollen. Doch Richterin Roggendorf teilte mit, dass zwei der drei Verteidiger bislang die Akten noch nicht hätten einsehen können. Daraufhin wurde eine Pause angesetzt, zogen sich Verteidiger, Staatsanwalt und Richterin in ein internes Gespräch zurtück.

Der angeklagte Landwirt wunderte sich, vor dem Gerichtssaal wartend. Von dem Verkaufspreis habe er zum ersten Mal Kenntnis erhalten. Er wäre seinen Angaben nach drei Mal höher gewesen, wenn seine Rinder von der Staatsanwaltschaft als Nutztiere verkauft worden wären. Weil sie aber auf einem nicht testiert „tiergrippefreien“ Hof gestanden hätten, seien sie als minderwertiges Schlachtvieh veräußert worden.

Angeklagter streitet Vorwürfe ab

Der Landwirt berichtete weiter, dass seit der Beschlagnahmung im Januar 2014 ein Tierhalteverbot gegen ihn verhängt worden sei. Die Vorwürfe der Anklage seien falsch, sagte er. So habe er sehr wohl Tierärzte eingesetzt. Er räumte ein, dass er vor einigen Jahren wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz schon mal rechtliche Probleme gehabt habe. Im jüngsten, nun angeklagten Fall habe es vor einem Jahr eine nichtöffentliche Erörterung der Prozessbeteiligten bei Gericht gegeben, allerdings sei sie ohne Ergebnis geblieben.

Kein Ergebnis gab es auch in der Verhandlungspause. Richterin Roggendorf, die wohl gern verhandelt hätte, kündigte an, dass der Prozess ausgesetzt und es einen neuen Termin geben wird. Die Verteidiger wollten erst Akteneinsicht erhalten. Außerdem soll noch ein Sachverständiger eingeschaltet werden. Ein neues Datum für die Verhandlung nannte sie noch nicht.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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