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Wie ist das Leben in Deutschland?

Als Interviewer unterwegs Wie ist das Leben in Deutschland?

Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihrem Leben? Und welche Bildungschancen haben hier Kinder mit ausländischen Wurzeln und fremdländischen Namen? Diesen und vielen anderen Fragen geht die Langzeitstudie „Leben in Deutschland“ nach - auch im Kreis Segeberg.

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Zu den Umfrageteilnehmern, die per Zufallsgenerator ausgewählt worden waren, gehörte auch Froilan Osteriano Sueldo (rechts). Der Peruaner wohnt seit rund zwei Jahren aus familiären Gründen in Kaltenkirchen. Ingo Parey befragte ihn im Auftrag des Instituts TNS Infratest Sozialforschung zu seinem Leben in Deutschland und zu seiner Vorgeschichte.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen / Kisdorf. Alljährlich sind Interviewer des Umfrageinstituts TNS Infratest Sozialforschung unterwegs. Auch jetzt wieder.

Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt rund 19000 Haushalte im ganzen Bundesgebiet an der Studie teil. 32000 Personen wurden befragt. Ausgewählt wurden sie per Zufallsgenerator. An die Daten kommt das Umfrageinstitut über die Einwohnermeldeämter heran. Die Teilnahme ist freiwillig, aber nur wenn viele Bürger mitmachen, lässt sich ein anschauliches Gesamtbild vom Leben in Deutschland gewinnen. Schließlich sollen alle Personengruppen, Regionen und sozialen Schichten repräsentiert werden.

 Seit 2013 steht das Thema Migration in der Umfrage besonders im Fokus, denn mittlerweile gibt es in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen, die selbst oder deren Eltern ins Land eingewandert sind. Stellvertretend dafür sollen in diesem Jahr zusätzlich 1200 Privathaushalte befragt werden, in denen Zuwanderer leben, die seit 2009 nach Deutschland gezogen sind. Zu denen, die in diesen Tagen zum Interview bereit waren, zählte Froilan Osteriano Sueldo. Der 30-Jährige kommt aus Peru und zog vor zwei Jahren aus familiären Gründen nach Kaltenkirchen.

 Die Aufforderung zur Teilnahme erhielt Froilan Osteriano Sueldo per Post. Wenige Tage später stellte sich ihm Interviewer Ingo Parey (72) vor, um einen Termin für das Umfragegespräch zu vereinbaren. „In der Regel kann ich in 30 Prozent der Fälle ein Interview führen“, sagt Ingo Parey. Die übrigen Bürger seien nicht zur Kooperation bereit oder – im Falle der Migranten – könnten sich nicht genügend auf Deutsch verständigen. „Ich versuche dann zwar, innerhalb der Familie einen Übersetzer zu finden, aber das klappt nicht immer“, meint Ingo Parey.

 Die Interviews werden im Haushalt der Umfrageteilnehmer geführt. Nach Möglichkeit sollen alle dort lebenden Menschen über 16 Jahren befragt werden. In dem Gespräch geht es beispielsweise um die Wohnsituation, den beruflichen Werdegang, weitere berufliche Ziele, die Zufriedenheit mit dem bisher Erreichten, die finanzielle Lage sowie die politische Einstellung. Migranten werden außerdem danach gefragt, warum sie nach Deutschland gezogen sind, mit welchen Erwartungen sie kamen oder ob sie schon einmal Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben. Auch persönliche Werte und Einstellungen werden thematisiert.

 Die wissenschaftliche Verantwortung für das Projekt liegt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Alle Daten werden anonymisiert und dann an Wissenschaftler im In- und Ausland weitergegeben. Auf diese Weise können sie in Forschungsarbeiten und Medienberichte einfließen.

 Ingo Parey arbeitet seit sieben Jahren als Interviewer. Der 72-Jährige hatte sich nach seinem Eintritt in den Ruhestand eine neue Aufgabe suchen wollen; seine Frau stieß dann auf eine Annonce der Infratest Sozialforschung. Ingo Parey bewarb sich und durfte nach einigen Probeaufträgen und Einweisungen mit der Arbeit beginnen. „Leben in Deutschland“ ist nur eine von mehreren Umfragen, bei der er zurzeit mitwirkt. Die aktuelle Befragungswelle hat im Mai begonnen und soll noch bis etwa September laufen. Deutschlandweit gibt es rund 500 Interviewer. Ingo Parey ist im Wesentlichen im Raum Kaltenkirchen, Lentföhrden, Stuvenborn, Nahe, Seth und Sülfeld unterwegs.

 Viele seiner Interviewpartner kennt der Kisdorfer schon gut, denn bei „Leben in Deutschland“ machen Tausende Haushalte über Jahre hinweg mit. Die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit ihrer Lebenssituation ist zurzeit im Allgemeinen recht hoch, doch hin und wieder hört Ingo Parey auch traurige Geschichten. „Ich habe zum Beispiel über einige Jahre hinweg eine Migrantenfamilie interviewt, die nur geduldet war und am Ende kurz vor der Abschiebung stand“, berichtet er. Die Ausweisung sei dann zwar im letzten Moment ausgesetzt worden, aber nun lebe die Familie wieder nur mit einer Duldung und der ständigen Angst vor der Abschiebung. „Dieses Jahr wollten die Eltern daher auch nicht an der Umfrage teilnehmen“, so Parey. Die Situation sei zurzeit zu belastend, habe der Vater die Absage begründet.

 Froilan Osteriano Sueldo hingegen will sich dem Interview im nächsten Jahr noch einmal stellen. Dieses Mal, bei seiner Erstbefragung, dauerte es gute zwei Stunden und musste teilweise noch mit kleinen Übersetzungshilfen geführt werden. Im nächsten Jahr solle es ohne gehen, hat sich der Neu-Kaltenkirchener vorgenommen. „Und weil dann die Daten zur Herkunft auch schon bekannt sind, dauert die Folgebefragung ohnehin nicht mehr so lange“, verspricht Ingo Parey.

 Veröffentlichungen, die auf den Daten der „Leben in Deutschland“-Studie basieren, erscheinen laufend. Eine Auswahl wird regelmäßig auf der Internetseite www.leben-in-deutschland.info vorgestellt. Die Artikel und Bücher befassen sich beispielsweise mit Themen wie „Armut und Reichtum“ sowie „Zu wenig Frauen in Spitzenpositionen“.

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