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Vorwürfe sind vom Tisch

Kita Christiansfelde Vorwürfe sind vom Tisch

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat ihre Ermittlungen gegen die Leiterin der Bad Segeberger Kindertagesstätte Christiansfelde, Monika Saggau, eingestellt. Es ging um die Frage, ob sie sich der unterlassenen Hilfeleistung in mehreren Fällen von sexuellem Missbrauch schuldig gemacht hat.

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An der Kita Christiansfelde hatte es mehrere sexuelle Übergriffe gegen Kinder gegeben. Ein Mitarbeiter wurde verurteilt, die Ermittlungen gegen die Leiterin wegen unterlassener Hilfeleistungen wurden jetzt eingestellt.

Quelle: Archiv

Bad Segeberg. Im September des vergangenen Jahres war ein 20-jähriger Mann verurteilt worden, weil er sich über Monate an Kleinkindern vergriffen hatte. Tatort: die kommunale Kita „Ein Forum für Kinder“ im Ortsteil Christiansfelde. Der Fall hatte nicht nur Eltern und Mitarbeiter der Einrichtung schwer erschüttert.

 Vor Gericht machte der bei den Kindern äußerst beliebte Mann (Spitzname: „Kuschelbär“) eine Aussage, die vor allem die als Nebenkläger auftretenden Eltern aufhorchen ließ: Im September 2013 – vor den fünf verhandelten Fällen – hatte er eine Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben müssen, in der er eine größere Distanz zu den Kindern gelobte.

 Seine ungewöhnliche körperliche Nähe war aufgefallen. Fortan durfte der „Bufdi“, der seinen Bundesfreiwilligendienst in der Kita absolvierte, die Kleinen weder auf seinen Schoß setzen noch tragen. Selbst das Trösten weinender Kinder wurde ihm untersagt. Dennoch durfte er sich weiterhin allein mit Kindern in Räumen aufhalten. Unter anderem im Bällebad kam es dann zu den sexuellen Übergriffen.

 Die Schlussfolgerung der empörten Eltern: Die Kita-Chefin hätte den Mann umgehend feuern und der Rest des Teams hätte besser aufpassen müssen. Dass dies nicht geschehen war, wurde als unterlassene Hilfeleistung ausgelegt. Da es in Deutschland nicht möglich ist, eine Institution zu verklagen, richtete sich der juristische Schritt quasi stellvertretend gegen deren Leiterin. „Eine entsprechende Anzeige lag uns vor“, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Donnerstag. „Sie ist natürlich auch geprüft worden. Das Verfahren wurde aber eingestellt.“

 Nach Auskunft der Strafverfolgungsbehörde haben sich im Zuge der Ermittlungen keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten von Monika Saggau finden lassen. „Unterlassene Hilfeleistung wäre ein Ansatzpunkt gewesen“, sagt Bieler. Doch die verkappten Vorwürfe des verurteilten Sexualtäters erwiesen sich als haltlos.

 Dies hatte Bürgermeister Dieter Schönfeld – oberster Dienstherr der Kita-Chefin – schon unmittelbar nach dem Prozess prophezeit und ihr einen Anwalt zur Seite gestellt. „Wer aufgrund seiner dienstlichen Tätigkeit angegriffen wird, erhält Rechtsschutz. Ob der Täter der geeignete Kronzeuge der Anklage ist, ist eine zweite Frage. Er wollte vor Gericht seine Position verbessern.“

 Monika Saggau, die am Donnerstag von der Segeberger Zeitung über die Einstellung des Verfahrens informiert wurde, zeigte sich erleichtert. Im übrigen hätten alle Kinder, die von den Übergriffen betroffen waren, den Besuch in der Kita fortgesetzt. Die Einrichtung ist nach wie vor mehr als ausgebucht.

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