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90 % sind gesund

Straßenbäume im Kreis Segeberg 90 % sind gesund

Ein Gesetz schreibt es vor: Alle 40000 Bäume an Kreis- und Gemeindestraßen müssen ständig auf ihren Zustand geprüft werden. „90 Prozent der Bäume sind gesund“, sagt Martin Utsch vom gemeinsamen Bauhof von Wege-Zweckverband und Kreis Segeberg, einer der beiden Kontrolleure.

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Baumkontrolleur Heiko Rehders misst von jedem Baum an Kreis- und Gemeindestraßen die Höhe.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Der Grund für die Kontrollen: Es soll kein Fußgänger, Radler oder Autofahrer vom herabfallenden Ast erschlagen werden. „Die Bäume werden angesprochen, heißt es in der Fachsprache“, sagt Utsch und schmunzelt. „Wir wissen immer noch nicht, ob wir sie siezen oder duzen sollen.“ Noch nicht entschieden hat sich Baumkontrolleur Heiko Rehders. Der ehemalige Landwirt und Gartenbauer hatte sich eine Woche lang in Reinbek vom Institut für Baumpflege fortbilden und prüfen lassen. Getrennt steuern er und sein Kollege alljährlich zu jedem Baum: In einem Jahr, wenn er belaubt ist, im nächsten in unbelaubtem Zustand.

 An 420 Kilometer Kreisstraßen und 250 Kilometer Gemeindestraßen war bis vor einigen Jahren die Not groß gewesen. Viele überalterte Pappeln mussten gefällt werden. Sie drohten zu zerfallen. Gepflanzt waren Tausende dieser schnell wachsenden Bäume in den 1950er und 1960er Jahren. Der Kreis wollte das Holz später gewinnbringend an eine Fabrik bei Hamburg verkaufen, die daraus Streichhölzer produzieren sollte. Doch als die Bäume erntereif waren, war das Streichholzmonopol gefallen und die Fabrik dicht.

 Mittlerweile sind fast alle Pappeln beseitigt. Überwiegend stehen jetzt Eichen, Buchen, Birken und Eschen an den Straßenrändern. Der älteste Baum, eine Eiche bei Goldenbek (Pronstorf), hat schon 350 Jahre Zeitgeschichte erlebt.

 Etwa jeder zehnte Baum ist aus Altersgründen oder wegen unterschiedlicher Baumkrankheiten behandlungsbedürftig. 50 bis 60 Bäume müssen pro Jahr gefällt werden. Aber erst nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, bei ortsbildprägenden Bäumen wird sogar ein Gutachter eingeschaltet.

 Ein gefällter Baum muss durch einen neuen ersetzt werden. Das Problem: Früher waren Bäume dicht an Straßen gepflanzt worden. Heutige Vorschriften verlangen wegen der Verkehrssicherheit aber einen größeren Abstand zu Straßen, auf denen mit 100 km/h gefahren werden darf. „Man darf nicht mehr so dicht an die Fahrbahn ran“, erklärt Nils Petersen vom Tiefbauamt des Kreises.

 Der neue, weiter entfernt liegende Standort für den neuen Baum liegt aber meist nicht mehr im öffentlichen Straßenbereich, sondern auf Privatgrund. Dann aber würde der Baum automatisch dem Grundbesitzer gehören. Hier eine Lösung zu finden, sei nicht immer einfach, sagen die Experten.

 Bei der Baumkontrolle muss Rehders viele Daten in sein Computer-Tablet eingeben: Alle Stammdaten mit Standort, Baumnummer, Straßenseite, Baumart, Stammumfang, Kronendurchmesser, Pflanzjahr, Vitalitätsgrad und Gefährdungsgrad. Kronen werden auf Totäste und Astüberhang auf Straßen untersucht, Stamm und Wurzel auf Krankheitsbefall, Höhlen, Risse und Ausfluss. Außerdem werden Maßnahmen festgelegt, ob ausgeholzt oder ob der Baum gefällt werden muss.

 Rehders und sein Kollege haben mit ihrer Arbeit wohl viele Unfälle verhindert. Bislang, so Utsch, sei kein Mensch durch umstürzende Bäume zu Schaden gekommen. Nur einmal sei ein Auto von einem herabfallenden Ast beschädigt worden.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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